Vom Herd zur Working Mom

Über den Wandel der Mutterrolle

Noch vor 100 Jahren lebte eine Mutter ausschließlich für ihre Kinder und den Ehemann. Die Emanzipation und der medizinische Fortschritt verhalfen der Frau zur Selbstbestimmung. Kind und Karriere – so sieht das neue Familienmodell aus.

Mutter mit Kind Über den Wandel der Mutterrolle © AleksandarNakic / iStock

Per Definition ist eine Mutter: 1. Eine Frau, die ein Kind oder mehrere Kinder geboren hat. 2. Eine Frau, die in der Rolle einer Mutter Kinder aufzieht oder versorgt. Wie viel bedeutsamer das Mutter-Dasein tatsächlich ist, weiß jedes Kind – und vor allem jede Mutter, Großmutter, Schwiegermutter und Adoptivmutter, denn sie alle sind Bezugspersonen kleiner Menschen, die die Welt noch entdecken müssen. Eine Mutter gibt ihrem Kind das Gefühl von Geborgenheit, grenzenloser Liebe und Verständnis. Sie ist die Person, die uns im Kindesalter Zärtlichkeiten schenkt und unser Selbstvertrauen stärkt. Das Gefühl hat sich im letzten Jahrhundert kaum gerändert. Was sich verändert hat, sind die Umstände und die Erwartungen an eine Mutter.

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Im 19. Jahrhundert galt die Mutter als das Herzstück der Familie. Sie hielt alles zusammen: den Mann, die Kinder und den Haushalt. Ihre Hauptaufgabe bestand darin, gesunde Nachkommen auf die Welt zu bringen und den Nachwuchs zu erziehen. Auch die Ehe war im 19. Jahrhundert sehr viel bedeutsamer als heute. Glaube, Kirche und Ehe gehörten zusammen und ein Eheversprechen hielt ein Leben lang. Medizinische Unterversorgung, Kriege und harte Winter sorgten für eine hohe Kindersterblichkeit – besonders in ländlichen Gegenden und Vorstädten. Es war war eine harte Zeit für Mütter, die den Frauen viel abverlangte.

Im 20. Jahrhundert wandelte sich das Bild der Mutter. Das Dritte Reich machte eine gebärfreudige Mutter mit vielen Kindern zu einer heroischen, hochangesehenen Person der Gesellschaft. Adolf Hitler nutze die Rolle der Mutter auch für seine politischen Ziele: Auszeichnungen wie das Mutterkreuz ehrten die Frau und würdigten ihren Beitrag zur funktionierenden Diktatur. Im weiteren Verlauf des Jahrhunderts und vor allem durch die Markteinführung der Pille, gelang es der Frau ein selbstbestimmteres Leben zu führen. Verhütung wurde salonfähig und selbst die Kirche hatte in den meisten Fällen nichts dagegen einzuwenden. Die Emanzipation brach wie eine riesige Welle über die Frauen herein und gegen Ende des 19. Jahrhunderts definierten sich viele von ihnen nicht mehr einzig und allein über ihr Dasein als Mutter.

Zu keiner anderen Zeit in der Geschichte waren die Aufgaben einer Mutter so vielschichtig wie im 21. Jahrhundert. Frauen können heutzutage ihre Freiheiten genießen – mit oder ohne einen Partner. Einige bleiben ihr Leben lang Single und fühlen sich mit dieser Entscheidung richtig gut. Andere entscheiden sich früher oder später dazu, Mutter zu werden und teilen sich die Verantwortung und die Erziehung mit ihrem Partner. Gleichberechtigung ist das große Stichwort. Die moderne Frau ist eine Working Mom, die, ähnlich wie schon im 19. Jahrhundert, allem gerecht wird: dem Nachwuchs, dem Mann und dem Job. Selbstverwirklichung findet sie in allen Bereichen des Lebens. Und genau das gibt die Mutter von heute an ihre Kinder weiter.

 
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Autor:
Maximiliane Landes