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Wie gut ist Outlet-Shoppen wirklich?

Mal mit Dorf-Flair, mal als Riesen-Mall: In einem Outlet-Dorf oder Designer-Outlet reiht sich Shop an Shop. Ob der Besuch sich wirklich lohnt? Wir haben uns umgeschaut, hier finden Sie die Outlets im FÜR SIE-Test!

Frauen Shoppen Wie gut ist Outlet-Shoppen wirklich? © Stockbyte/Thinkstock

Was für ein Erfolg: Das Designer Outlet Neumünster hat gerade den millionsten Kunden begrüßt. Wir sind neugierig: Was kauft man eigentlich in einem Outlet? Lohnt sich die Anfahrt, und bekomme ich wirklich Designer-Schnäppchen? Oder hängt da auch schon mal das eine oder andere Teil aus längst vergangener Zeit? Knapp eine Stunde brauchen FÜR SIE-Modechef Joerg Bluhm und Autorin Jessica Kohlmeier von Hamburg nach Neumünster. Und gehören damit zur Stammkundschaft: „Ein Großteil unseres Publikums kommt aus der Metropolregion Hamburg“, erklärt Center-Managerin Andrea Erichsen. „Wir begrüßen aber auch Skandinavier und Gäste aus China und Russland.“

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Ein kleines Dorf

Wir sehen uns um: Das Outlet ist aufgebaut wie ein kleines Dorf, mit liebevoll gestalteten Fassaden und kleinen Gassen, in denen sich Geschäft an Geschäft reiht. Einige stehen leer: „Erfahrungsgemäß warten einige der Designermarken gern ein wenig ab und folgen später“, weiß Andrea Erichsen. „So gibt es immer wieder spannende Ergänzungen des Angebots durch neue Shops.“

„Shoppen wird immer mehr zur Freizeit-Attraktion“ Auf Menschenmassen treffen wir an diesem Tag nicht. Die tummeln sich hier laut Erichsen eher am Wochenende: „Shoppen wird immer mehr zur Freizeit-Attraktion, gerade für Familien. Die finden all ihre Lieblingsmarken an einem Ort, gehen zum Spielplatz oder in eines der Restaurants.“ Apropos Lieblingsmarken: Viele wollen in unserer Geschichte nicht genannt werden, um ihren Full-Price-Filialen nicht zu schaden. Ganzjährig gibt es 30 bis 70 Prozent Preisnachlass auf alle Designer, aber auch auf die mittelpreisigen Marken sowie Sports- und Homewear. Dafür bekommt man Vorsaison-Ware. Überhangprodukte, sagt Erichsen, außerdem Stücke zweiter Wahl.

Jagdinstinkt und Preisschilder

Outlet Neumünster Bluhm

Auf Erkundungstour im Designer Outlet. Neumünster: Autorin Jessica Kohlmeier und FÜR SIE-Modechef Jörg Bluhm.

Nach aktuellen Trends sucht man vergebens. Beim Bummeln erwacht tatsächlich der Jagdinstinkt, wir stürzen uns auf die Preisschilder: „Guck mal, die pinkfarbene Nietentasche kostet eigentlich 339 Euro – jetzt nur noch 209!“ Doch ist das Outlet wirklich eine Alternative zum Shoppen in der Stadt? Klar, die Filialisierung dort beobachten viele mit Missgunst. H&M neben Zara neben Benetton, ein anhaltender Trend. Allein in der Frankfurter City stieg der Anteil dieser Konzerne seit 2006 um 16 Prozent. Auf der Suche nach dem einen, ganz besonderen Teil kann dagegen das Outlet punkten – mit Musterkollektionen: „Diese Kleidungsstücke wurden produziert, aber nie in den regulären Handel ge geben, sind sonst also nirgendwo zu haben“, erklärt die Managerin.

Andererseits sucht man die aktuellen Trends vergebens, weiß zum Beispiel Kundin Imke Siegert (34): „Ich gucke hier nach Designer-Schnäppchen. Aber wenn ich etwas wirklich Angesagtes will, gehe ich in die Stadt.“ Auch Joerg Bluhm, der eher trendbewusste Modechef, tut sich ein wenig schwer. Was auf den Stangen hängt, hat er doch alles irgendwie schon mal gesehen … Allerdings: Im Nike-Store wird er fündig. Was aber auch an der Verkäuferin liegt, die überaus kompetent berät. Das haben wir hier so nicht erwartet. Auch für uns hat es sich gelohnt. Ein paar Turnschuhe, Handtücher und günstig ergatterte Dessous wandern in den Kofferraum. Außerdem das Gefühl, wiederkommen zu wollen, denn: Wie war das noch mal mit den Musterkollektionen? Und welche Shops eröffnen demnächst?

Was der Trendexperte sagt 

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Shoppen in jeder Größe

So können Sie weiterhin erfolgreich shoppen:

Marc Schüling (43) ist Geschäftsführer im Trendbüro Hamburg und weiß, was Outlets bringen.

Herr Schüling, woher kommt der Outlet-Gedanke – mal wieder aus Amerika? 

Der Center- und Mall-Gedanke kommt definitiv aus den USA. Das Prinzip „One-Stop-Shopping“ wurde da erfunden. Letztlich wegen der geografischen Bedingungen: Wer in Iowa, Kentucky oder New Mexico außerhalb der US-Großstädte meilenweit zum Einkaufen fahren muss, erledigt eben gern alles auf einmal. Europäische Innenstädte sind dagegen so pickepackevoll mit Kaufoptionen, da brauchte es Hunderte von Jahren keine Malls. Die gesamte Stadt war ja sozusagen eine. 

Geht dieser Trend weiter in diese Richtung, werden wir irgendwann nur noch in riesigen Villages unsere Kleidung kaufen? 

Wie der amerikanische Name „Village“ schon sagt, wird eine Art Innenstadt nachgebaut. Es wird letztlich eine „Innenstadt zweiter Wahl“ erschaffen.Es geht um einen Zweitmarkt, der sowohl von seinem artifiziellen Grundcharakter als auch von der angebotenen Auswahl nicht mit der emotionalen Qualität der Innenstadt konkurrieren kann. Außer im Hinblick auf den Preis. Daher werden diese Villages nicht zu unserem Shopping-Standard werden. Die neuesten Kollektionen werden wir in diesen Outlets so und so nicht finden, aber gute Originalware. Es wird eher üblich sein, Restbestände online, z. B. bei Zalando, zu erstehen. Outlets sind also eher eine Flucht aus dem Alltagskauf. Eine Art Shopping-Druckbetankung, die uns aufgrund ihres Entertainment-Angebots einfach begeistert.

 
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