Interview

Wie entspannen Sie, Herr Kretschmer?

Star-Designer Guido Maria Kretschmer wirkt immer gelassen und entspannt, obwohl er ständig bei vielen Projekten im Einsatz ist. Wie macht er das? Wir trafen ihn bei der Vorstellung seiner neuen Plus-Size-Kollektion für Frühjahr/Sommer 2015 by Heine.

Guido Maria Kretschmer präsentiert seine Plus-Size-Kollektion für Frühjahr/Sommer 2015 by Heine Wie entspannen Sie, Herr Kretschmer? © Heine

FürSie.de: Herr Kretschmer, Ihre neue Plus-Size-Kollektion mit Heine ist nur eines von vielen Projekten, an denen Sie derzeit arbeiten. Sie sind ein Mann der Tat, stehen ständig im Rampenlicht. Wie wichtig sind Ihnen Ruhepausen?

Guido Maria Kretschmer: Sehr wichtig. Die erste Pause gönne ich mir schon am frühen Morgen. Ich stehe immer so früh auf, dass ich genügend Zeit habe, einen Blick in meinen Garten zu werfen, die Hunde zu kraulen. Je nachdem, wann ich aus dem Haus muss, nehme ich mir diese Zeit manchmal um 7 Uhr, manchmal auch schon um 4 Uhr.

Pflegen Sie noch weitere solcher Rituale?

Anstatt Mittag essen zu gehen, spaziere ich häufig einfach eine halbe Stunde durch den Park. Ich betrachte das Grün und die Bäume oder füttere ein paar Eichhörnchen. Jeden Abend bevor ich einschlafe mache ich eine gedankliche Reise durch den Tag. So nehme ich die Geschehnisse an – und träume danach nie von unangenehmen Dingen, die vielleicht am Tag passiert sind.

Empfinden Sie Ihren Alltag als stressig?

Ich habe schon immer viel gearbeitet und bin ein sehr fleißiger Mensch. Ich empfinde meinen Beruf keineswegs als negativen Stress. Ich glaube, ich würde eher unter Freizeitstress leiden, wenn ich zu wenig zu tun hätte. Da würde mir etwas fehlen, denn ich mag das Gefühl, im Einsatz zu sein.

Gibt es denn keine Momente, in denen Ihnen alles zu viel wird?

Ich stehe in sehr enger Verbindung mit meinem Körper und merke schnell, wenn ich mal unruhig werde. Dafür mache ich Yoga und Atem-Mantra: „Som Ham“. Schließe deine Augen. Wenn du einatmest, denkst du „Som“, beim Ausatmen „Ham“. Das mache ich drei- bis viermal. Danach bin ich tiefenentspannt und cool.

Kennen Sie das Gefühl, ständig erreichbar sein zu müssen?

Viele Menschen sind ständig erreichbar – wer es nicht ist, ist dann schnell out. Ich halte es für problematisch, wenn man in bestimmten sozialen Netzwerken sehen kann, wer gerade „on“ ist. Das Dabeisein zählt dort unwahrscheinlich viel. Ich lasse mein Handy auch manchmal aus, weil ich mir sicher bin, dass ich dadurch nichts verpassen werde, was mein Leben so verändern würde, dass ich damit nicht auch morgen noch weiterleben könnte. Ich hadere nicht mit dem, was ich verpassen könnte.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der viele Menschen unter zu großem Stress leiden. Manche macht der Stress krank. Was ist Ihr Rat an unsere Leserinnen, um sich davor zu schützen?

Ich glaube, dass jeder Mensch Entschleunigung braucht. Das hat jeder für sich selbst in der Hand. Jeder hat die Macht, Stopp zu sagen. Diese Macht sollte man nutzen.

 
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Autor:
Oliver Wasse