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Spanx-Gründerin Sara Blakely im Interview

Von der Macht einer guten Idee: Wie Spanx-Gründerin Sara Blakely die Unterwäsche neu erfand.

Sarah Blakely Spanx-Gründerin Sara Blakely im Interview © Getty Images

Ach, es sind schwere Zeiten, in denen wir leben!

Alles ist schon da, alles erfunden, alles erdacht. Ein Jammer! Sara Blakely schüttelt ihr blondes Haar, wenn sie solche Sprüche hört, lässt frech die Augen blitzen und knipst ihr Panoramalächeln an, bei dem stets ein Schuss Ironie mitzuschwingen scheint. Sie ist Amerikas jüngste Selfmade-Milliardärin, eine Frau, die nicht nach Geld aussieht. Sondern nach purer Freude am Leben.

Sie hat ihr Vermögen weder mit Öl gemacht noch mit Computern oder einem Internetshop. Alles, was sie hatte, war eine Idee: Sie nahm ein Kleidungsstück, das man gemeinhin als „Stützunterwäsche“ bezeichnet – und befreite es mit neuen Stoffen und Schnitten aus der Orthopädie-Ecke. „Spanx“ nannte sie ihr Label. Sexyness statt Altenheim, eine Frau feiert die Weiblichkeit. Wie anders lässt es sich erklären, dass Sara Blakely einem Schalen-BH den Namen „Bra-llelujah!“ gab? Einen Taillenformer „Slim Cognito“ taufte?

Ihre Figurmogler nicht nur in Schwarz und Nude einfärben ließ, sondern auch in Blau, Violett, Rot, Rosé oder Taupe? Heute scheint halb Hollywood Spanx zu tragen: Eva Longoria, Rihanna und Britney Spears. Julia Roberts, Cate Blanchett und Sarah Jessica Parker. Madonna soll sich sogar ihre gesamten Bühnen-Outfits aus Spanx fertigen lassen.

Dahinter steckt nicht nur ein Trend, sondern auch eine Botschaft an die ganze Welt, erleichternd und erlösend wie lautes Gelächter: „Hey, Leute, jetzt mal ehrlich, kein Körper ist fehlerlos – noch nicht einmal der eines Superstars!“ Es ist okay, Problemzonen mit einer speziellen Unterwäsche zu kaschieren, die sich unter der Abendrobe nicht abzeichnet. Wer diese Wäsche trägt, denkt nicht: „Ich bin zu dick.“ Sondern nur: „Heut’ tue ich mir was Gutes!“ Dabei deutete nie etwas darauf hin, dass Sara Blakely ausgerechnet mit Unterwäsche Furore machen würde. Gut, eine Unternehmerin war sie wohl schon als Kind: An Halloween baut die kleine Sara im Garten ein Geisterhaus, um dafür Eintritt zu verlangen.

Doch schon die geplante Jura-Karriere – sie will Anwältin werden wie ihr Vater – scheitert an der Aufnahmeprüfung. Ihr Studium der Kommunikationswissenschaften finanziert sie sich in Disney World, kostümiert als Goofy. Später vertickt sie Faxgeräte und Kopierer. Wer ihrer Biografie nachspürt, findet viel Hartnäckigkeit und wenig Glamour. Alles ändert sich mit einer ganz normalen Party.

 

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