Designer Michael Michalsky Michael Michalsky im Interview

Statt extravaganter Couture-Kleider entwirft der Berliner Designer Michael Michalsky Lifestyle-Mode für alle. Für ihn die größte Stylingsünde: Strumpfhosen in Sandalen.

Michael Michalsky Michael Michalsky im Interview © Getty Images

Für Sie: Die letzten Jahre standen Sie im Rampenlicht der Modebranche. Geht Ihnen die Fashion-Welt auch mal auf die Nerven?

Im Gegenteil: Sie macht Spaß. Ich finde es eher amüsant, dass manche Leute Mode für das Wichtigste in der Welt halten. Die nehmen sich viel zu ernst. Mode braucht Leichtigkeit und Lebenslust. Zum Glück haben nur wenige meiner Freunde etwas mit Mode zu tun – ich habe also privat ausreichend Abstand.

Aber Sie nehmen Mode doch auch ernst! Immerhin entwerfen Sie sie...

Klar, Mode ist mein Leben. Aber es gibt zwei Gruppen unter den Designern: Die einen sehen sich als Künstler, die danach streben, extravagante Kleider zu machen. Ob ihre Mode eine Relevanz für viele Menschen hat, ist ihnen egal. Ich gehöre zur anderen Gruppe – zu den „Lifestyle-Designern“. Ich möchte, dass meine Mode von vielen Leuten getragen wird. Deshalb habe ich meiner Marke auch die Überschrift „Real Clothes For Real People“ gegeben.

Zu den realen Dingen im Leben gehören schöne Dinge ebenso wie Katastrophen und Krisen. Beeinflussen die Nachrichten Ihre Arbeit als Designer?

Natürlich. Ich bin ein sensibler Mensch. Alles, was um mich herum passiert, hat Einfluss auf meine Arbeit. Deshalb haben meine Kollektionen immer ein gesellschaftliches oder kulturelles Thema.

Worin zeigt sich das?

Vor drei Jahren habe ich beispielsweise eine Fashion-Show zum Thema „Demo Culture – 25 Jahre Grüne und 40 Jahre 68er“ gemacht und Protest-T-Shirts entworfen. Weil ich das Gefühl hatte, dass die Werte der ehemaligen Hippies und die Werte der Grünen in der Mitte der Gesellschaft angekommen waren. Ich möchte allerdings als Designer keine politischen Botschaften verbreiten.

Nicht? In Ihrer Kooperation mit dem WWF, dem World Wildlife Fund, beziehen Sie klar und engagiert Stellung...

Ja, aber für bedrohte Tiere! Das ist für mich keine politische Haltung, sondern Common Sense. Wenn Tierarten auszusterben drohen, geht das uns alle an.

Mal ehrlich: Ganz auf Glanz und Glamour wollen aber auch Sie nicht verzichten, oder? Sie haben immerhin mit Popstars wie Missy Elliott und Madonna gearbeitet...

Da geht’s mir aber nicht um den Star, sondern um den Künstler, der mit seiner Arbeit meine Ideen bereichert. Ich gehe mit Stars genauso um wie mit anderen Menschen. Echter Fan bin ich nur von Madonna. Sie hat mich mit ihrer Musik und ihren Looks fast mein ganzes Leben begleitet. Leider habe ich sie nie so kennengelernt, wie ich es mir gewünscht hätte. Vielleicht ist das auch besser – so bröselt der Lack nicht ab.

Als Sie Ihren Traumjob als Chefdesigner bei Adidas schmissen und 2006 Ihr eigenes Label gründeten, haben Sie viel riskiert. Hatten Sie keine Zukunftsangst?

Zum Mitreden
  • WO ER AUFWUCHS: in Bad Oldesloe.
  • WIE ER KARRIERE MACHTE: Verdiente sich sein Modestudium in London als Türsteher in Szene-Clubs, arbeitete dann lange Zeit bei Levi’s und Adidas. Vor fünf Jahren gründete er sein eigenes Label. Bekannt haben ihn auch seine Tchibo-Kollektionen „Mitch & Co.“ gemacht.
  • WO ER LIEBT UND LEBT: Berlin – „die Stadt hat große Zukunft!“
  • WEN ER BEWUNDERT: Madonna – „sie hat mich mein Leben lang begleitet“.
  • HEIMLICHE LEIDENSCHAFT: die Rindfleisch-Gemüse-Suppe seiner Mutter Rosi. „Das tollste Essen der Welt, die Suppe müsste patentiert werden.“
Nein. Schon während meines Studiums in London und als ich bei Levi’s und Adidas gearbeitet habe, wusste ich immer: Das sind nur Schritte auf dem Weg zu meinem Traum, meiner eigenen Marke. Ich habe mir diesen Traum erfüllt.

Was kommt jetzt?

Michalsky soll ein kompletter Lifestyle werden –mit einem Sortiment von Unterwäsche bis hin zu Interior-Design.

Und dann? Eröffnen Sie ein Kaufhaus?

Ja, genau das fände ich super: ein altes Haus hier in Berlin, in dem es alle Michalsky-Produkte gibt.

Warum leben Sie ausgerechnet in Berlin? Zieht es Sie nicht in die großen Modezentren nach Paris, Mailand oder London?

Wir haben heute eine andere Definition von Mode, als sie uns in Paris oder Mailand präsentiert wird. Ein ultra-extravagantes Couture-Kleid hat für mich und für alle, die ich kenne, wenig Relevanz. Hier in Berlin hat die Fashion Week gerade wieder die Mode des 21. Jahrhunderts gezeigt: eine Kombination aus Streetwear, Denim und Sneakers mit Designermode. Deshalb glaube ich: Berlin hat eine große Zukunft!

Was halten Sie für die größte Modesünde?

Ich finde nichts schlimmer als Frauen, die hautfarbene Strumpfhosen und dazu offene Schuhe tragen. Und Männer in Dreiviertel-Hosen – das geht auch überhaupt nicht!

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