Star-Talk Marietta Slomka im Interview

Journalistin und Moderatorin Marietta Slomka liebt Abenteuer und Komödien. Liegt aber auch gerne relaxt auf der Couch.

Marietta Slomka Marietta Slomka im Interview © Getty Images

Sie sind bekannt für Ihre Ironie, werden oft dafür gelobt. Kann man das lernen?

Ich glaube, Sinn für Ironie hat man oder man hat ihn nicht. Noch wichtiger finde ich allerdings Selbstironie: Kann jemand auch über sich selbst lachen?

Unbequeme Fragen stellen können Sie auch gut. Angeboren oder erlernt?

So bin ich erzogen worden. Meine Eltern haben mir zwar klare Grenzen aufgezeigt. Aber sie haben auch mit mir diskutiert und mich auch mal vor Lehrern verteidigt. Das ist eine wichtige Erfahrung für eine junge Seele: dass die Eltern sich zwar nicht auf der Nase herumtanzen lassen, einen zugleich aber auch ernst nehmen und nicht unloyal sind.

Sie haben in Ihrem Beruf täglich mit Katastrophen zu tun. Wie schalten Sie ab?

Manchmal stecke ich dann regelrecht den Kopf unter die Decke, lenke mich mit der Leichtigkeit des Seins ab, gucke lieber Komödien als Dramen oder plane den nächsten Urlaub. Ich kann auch ein prima Couch-Potatoe sein und tue einfach mal gar nix. Herrlich!

Wächst die Sehnsucht nach heiler Welt, wenn man so oft über Negatives berichtet?

Ich habe eher das Gefühl: Wow, wie friedlich ist mein Leben, wie sicher und bequem! Da muss ich gar nicht an utopische heile Welten denken. Mein Leben ist für die meisten Menschen auf diesem Globus die reinste Utopie.

Sie waren für Ihr neues Buch wochenlang in Afrika. War die Recherche gefährlich?

Interessant, dass Sie bei Afrika sofort an Gefahr denken. Das ist eines dieser typischen Bilder, die wir im Kopf haben. Mit Ruanda zum Beispiel verbinden die meisten Völkermord. Dabei ist Ruanda heute für Ausländer eines der sichersten Länder Afrikas. Ein anderes typisches Klischee ist, dass ganz Afrika eine staubige rotbraune Steppe ist, in der hungrige Menschen in Lehmhütten hausen. So sieht es aber durchaus nicht überall aus. In Großstädten wie Kigali laufen viele Menschen mit Handys am Ohr durch die Straßen, wie bei uns. Und in Äthiopien finden Sie saftigdunkelgrüne Berglandschaften.

Was reizt Sie an fremden Ländern?

Ich will etwas erleben, wenn ich reise. Das Fremde wirklich sehen. Am Hotel- Pool zu liegen finde ich eher langweilig, lieber gehe ich tauchen oder wandere durch den Dschungel. Meine Abenteuerlust hat aber durchaus ihre Grenzen, ich halte mich an Sicherheitshinweise und lauf nicht einfach drauflos.

Was sagen Sie Freundinnen, die sich nicht so für Politik interessieren wie Sie?

Ich missioniere niemanden. Aber ich finde es schon etwas beschämend, wenn Leute keine Lust haben, wählen zu gehen, nach dem Motto: „Das ist mir zu lästig, das stört mein Grillfest“ – während in Ländern wie China oder Iran Menschen für Meinungsfreiheit ihr Leben riskieren. Politik – das sind wir alle. Deshalb bin ich auch mit der Stammtisch-Haltung „Die da oben sind alle Versager“ nicht einverstanden. Ich gehe mit Politikern zwar scharf ins Gericht. Aber ich bin nie zur Zynikerin geworden, die Politikern ohne Respekt begegnet. Zumal deren Job auch nicht einfach ist.

Wie wichtig ist Aussehen für Ihren Job?

Aussehen ist für eine politische Journalistin nicht der entscheidende Faktor. In einer Nachrichtensendung darf man auch Falten bekommen. Ganz grundsätzlich glaube ich, dass Charaktertypen eher gefragt sind als Menschen, die aussehen wie aus dem Katalog. Das gilt sogar fürs Showbusiness. Erfolgreiche Stars wie Hape Kerkeling oder Anke Engelke würden keinen Model-Wettbewerb gewinnen, aber man guckt sie sich gern an, sie sind auf unverwechselbare, eigenwillige Art attraktiv.

Fühlen Sie sich geschminkt fürs Fernsehen attraktiver als ungeschminkt in Afrika?

So dick geschminkt wie im Fernsehstudio ist man gar nicht so attraktiv. Das wirkt nur auf dem Schirm gut, nicht in echt. Aber frühmorgens im afrikanischen Regenwald mit dicken Augenringen find ich mich auch nicht so richtig toll. Am liebsten gucke ich in den Spiegel, wenn ich ausgeschlafen bin, etwas urlaubsgebräunt und leicht geschminkt.

 
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Christa Thelen