Star-Talk Kevin Costner im Interview

Einst tanzte er mit dem Wolf, jetzt singt er lieber. „From Where I Stand“ heißt sein neues Album. Kevin Costner über Standpunkte, Musik und die Liebe.

Kevin Costner Kevin Costner im Interview © Getty Images

Freitagnacht, 0.30 Uhr. Ich sitze in meinem Arbeitszimmer. Mein weißer Schäferhund und der Kater haben es sich auf einem Fell bequem gemacht und warten mit mir. Es klingelt. Endlich! Am Apparat meldet sich wirklich ER. Kevin Costner, der Star aus „Der mit dem Wolf tanzt“, „Robin Hood“ und „Bodyguard“. Kann mich mal bitte einer kneifen?

FÜR SIE: Puh, Mr. Costner, ich bin wirklich nervös. Aber das hören Sie bestimmt oft, oder?

Kevin Costner: Schon. Sie müssen nicht nervös sein, unser Gespräch wird bestimmt nett.

Okay. Also dann, was ist Ihnen zurzeit näher, die Musik oder die Schauspielerei?

Ich erzähle gern Geschichten, egal ob sie drei Minuten oder drei Stunden dauern. Grundsätzlich lasse ich mir keinen Stempel aufdrücken, sondern entscheide selbst, wer und was ich bin.

Genau zu wissen, was man will – haben Sie das erst nach und nach gelernt?

Nein, ich habe mich immer schon als der Architekt meines Lebens gesehen und gespürt, dass viele Dinge für mich möglich sind. Und ich hatte nie Angst, Neues zu wagen.

Woher kommt Ihre Liebe zur Musik?

Meine Großmutter spielte Klavier, meine Mutter war Chorsängerin. Ich stamme aus einer sehr frommen Familie, habe im Kirchenchor gesungen und hatte als Kind Klavierunterricht. Ich war sogar recht gut. Aber dann habe ich es hingeschmissen, weil ich nur Klassik spielen durfte und keinen Rock’n’Roll.

Worüber singen Sie am liebsten?

Vieles auf dem Album handelt vom Krieg. Ich erzähle aber auch gern von dem Gefühl, frisch verliebt zu sein, und von der Liebe, der Beziehung zwischen Mann und Frau, wie sie miteinander klarkommen oder nicht (lacht).

Wie kommen Mann und Frau denn klar?

Oh, das war schon immer ein anstrengender Kampf. Es ist fantastisch, dass die Anziehung so stark ist, wo die Unstimmigkeiten zwischen den Geschlechtern doch oft so groß sind. Das hat die Natur wirklich gut eingerichtet.

Welches Liebeslied hören Sie am liebsten?

Ich finde die Songs von mir und meiner Band „Modern West“ ziemlich gut (lacht). „Find That Girl“ auf dem neuen Album habe ich für meine Frau geschrieben. Es beschreibt, wie ich mich in sie verliebt habe.

Bei der romantischen Ballade „Let Go Tonight“ haben Sie Ihren Country-Pop mit Deutsch-Rock gewürzt …

Steckbrief
  • SEINE KARRIERE: Durchbruch als Schauspieler 1987 mit „Die Unbestechlichen“. Sein Film „Der mit dem Wolf tanzt“ gewann 1991 sieben Oscars.
  • GEBOREN IN: Lynwood (Kalifornien), 18. 1. 1955.
  • LEBT IN: Aspen (Colorado) und Santa Barbara (Kalifornien).
  • VERHEIRATET MIT: Christine Baumgartner, 37, Modedesignerin. Neben Sohn Hayes Logan, 2, sechs weitere Kinder aus drei Beziehungen.
  • WOFÜR ER SICH BEGEISTERT: Umweltschutz, Fußball, Golf, Landwirtschaft.
  • SEIN NEUES ALBUM: Seit 16. September steht die CD „From Where I Stand“ in unseren Plattenläden – bereits das dritte Album von Costners Band „Modern West“.

... ja, Nena hat mitgemacht und die CD um ein paar wunderbare Stellen bereichert. Das war sehr nett von ihr. Mein Bandkollege John Coinman hat in den 1970er-Jahren „Strangers“ für sie geschrieben, daher der Kontakt zu ihr.

Das älteste Ihrer sieben Kinder ist 27, das jüngste ein Jahr. Wie sind Sie als Vater?

Ich spiele im Matsch, wechsele Windeln, baue Schaukeln. Ich zeige ihnen, dass es Spaß macht, in der Natur zu leben, zu angeln oder Kanu zu fahren.

Welche Werte wollen Sie vermitteln?

Was ich ihnen mitgebe ist: Wenn euch etwas am Herzen liegt, bleibt dran, strebt Perfektion an. Manche Menschen sind frustriert, weil sie etwas nicht sofort gut können. Doch das ist der Sinn des Lebens: üben und besser werden.

Ihre Frau Christine Baumgartner stammt aus Hamburg, sprechen Sie Deutsch?

Meine Frau hat deutsche Vorfahren und ist in Kalifornien geboren, genau wie ich. Unsere Sprachkenntnisse sind also nicht gerade sehr gut.

Hat Ihre Frau auch ein paar typisch deutsche Eigenschaften?

Sie ist dickköpfig. Aber das sind vielleicht alle Ehefrauen, unabhängig von ihrer Nationalität (lacht).

Was mögen Sie an Deutschland?

Mir gefällt, dass alles Geschichte atmet. Und dann ist es wie mit Schokolade, man kann nicht wirklich beschreiben, warum sie einem schmeckt.

Ist Ihre Musikkarriere die Antwort auf die Oberflächlichkeit Hollywoods?

Es gibt dort zwar einen generellen Verlust an Kreativität und Risikofreude, aber meine Musik ist keine Reaktion darauf, sondern meine Leidenschaft. Ich mache auch weiterhin Filme, bald drehe ich in Rumänien und stehe in „Superman“ vor der Kamera, dem Alter angemessen als der Vater des Helden.

Finden Sie sich selbst eigentlich sexy?

Ich bin kein Womanizer, das Image haben meine Rollen geschaffen. Wenn Sie mich fragen: Ich finde, ein Mann sollte nicht den ganzen Tag damit beschäftigt sein, in den Spiegel zu schauen.

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