Judith Rakers im interview

Arrogante Politiker, anzügliche Sprüche: So harmlos blond Moderatorin Judith Rakers, 35, aussehen mag, sie kann verdammt tough sein. Und sagt: „So leicht kann mich kein Mann schocken“

Judith Rakers Judith Rakers im interview © Getty Images

Für Sie: Sind Sie als gut aussehende Fernsehfrau von Männern schon blöd angemacht worden?

Judith Rakers: Na ja, einmal war der Rapper Sido bei „3 nach 9“ zu Gast. Gleich zu Anfang des Gesprächs schilderte er wortreich, wie ihm gerade der Schweiß am Hintern zusammenlaufe. Aber ich bin bei einem allein erziehenden Vater aufgewachsen. So leicht kann man mich nicht schocken. Ich habe einfach mit einem derben Männerspruch gekontert.

Ihre Talkshow „3 nach 9“ steht ja eigentlich mehr für einen freundlich-respektvollen Umgang mit den Gästen.

Stimmt. Das heißt aber nicht, dass wir nicht kontern, wenn jemand unangenehm wird. Im Normalfall regiert aber der gegenseitige Respekt. Wir rücken den Gästen weder inhaltlich noch körperlich zu sehr auf die Pelle.

Es gibt Kollegen, die das anders machen und Körperkontakt bewusst einsetzen.

Das kann man auch bewusst einsetzen, mache ich manchmal auch. Aber wenn es ständig, immer und ausschließlich passiert, finde ich das unangenehm.

Und wann setzen Sie auf Körperkontakt?

Er war früher sehr hilfreich, als ich für das „Hamburg Journal“ Politiker interviewen musste. Da kamen manchmal Männer mit der sichtbaren Arroganz der Macht ins Studio, die es als unter ihrer Würde empfanden, von einer so jungen, blonden Frau interviewt zu werden. Bei denen habe ich immer einen Trick angewendet: Ich bin sehr offensiv in ihren Privatbereich eingedrungen, habe auf ihre Schulter gefasst und gesagt: „Entschuldigung, da sind Krümel. Die mache ich Ihnen mal eben weg, wenn ich darf.“

Das funktioniert?

Super! Die Herren sind irritiert und sofort ganz aufmerksam. Dann kann man ein Gespräch auf Augenhöhe führen.

Steckbrief
  • Wie sie Karriere machte: Judith Rakers studierte Publizistik in Münster, wurde mit 28 Moderatorin beim „Hamburg Journal“ (NDR), mit 29 Sprecherin der „Tagesschau“. Seit 2010 moderiert sie die Talkshow „3 nach 9“.
  • Geboren in: Paderborn, aufgewachsen in Bad Lippspringe.
  • Lebt in: Hamburg – „Für mich die schönste Stadt der Welt.“
  • Verheiratet mit: dem Bankdirektor Andreas Pfaff, 39.
  • Wofür sie sich begeistert: Pferde – „Meinen ersten Reitunterricht hatte ich mit 6.“
  • Ihr Lieblingsbuch als Kind: „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ von Judith Kerr.
  • Ihr Lieblingsessen: „Im Restaurant Pekingente. Und in der NDR-Kantine Donauwelle. Die schmeckt dort seit Jahren immer gleich: extrem künstlich, extrem süß, unglaublich sahnig. Hat super viele Kalorien und liegt schwer im Magen – wie alle guten Dinge.“

Mal angenommen, Ihnen erscheint eine gute Fee. Welche drei Gäste würden Sie sich dann in Ihre Talkshow wünschen?

Genau so eine Wunschliste habe ich gerade an meine Redaktion geschickt, weil die „3 nach 9“-Januar-Sendung an meinem Geburtstag stattfindet. Auf dieser nicht wirklich ernst gemeinten Liste standen sieben Namen von Männern, die ich interessant und attraktiv finde.

Dürfen Sie mehr verraten?

Ja, ich habe mir zum Beispiel den Schauspieler Florian David Fitz gewünscht – weil er witzig und charmant ist und auf magische Art von innen strahlt; den Geiger David Garrett – weil er so viele spannende Brüche in seiner Biografie hat und nebenbei auch noch unfassbar gut aussieht. Und den Schauspieler Ken Duken. Obwohl ich ihn schon in vielen Rollen gesehen habe, weiß ich von seinem Privatleben so gut wie nichts. Das macht mich neugierig.

Wann haben Sie zuletzt gedacht: „Toll, du bist im Fernsehen!“?

Eigentlich nur in einem einzigen Moment: beim Eurovision Song Contest. Du stehst auf der Bühne und 150 Millionen Leute gucken zu! Das war irre!

Sie sind viel beschäftigt. Wie bekommen Sie Karriere und Familie auf die Reihe?

Das geht ganz gut, weil meine Familie ja nur aus meinem Mann und unseren zwei Katzen besteht. Sollten irgendwann Kinder dazukommen, wird’s aber schwierig, weil die „Tagesschau“ ja im Schichtdienst gemacht wird. Und eine Nacht-Kita wird es wohl selbst beim NDR niemals geben.

„Tagesschau“-Chef Jan Hofer hat einmal Ihre Zuverlässigkeit gepriesen. Was bedeutet „Pflicht“ für Sie?

Als ich Studentin war, hing über meinem Schreibtisch ein Satz des Philosophen Immanuel Kant: „Ich kann, weil ich will, was ich muss.“ Das hat mich immer motiviert und ist ein Lebensmotto für mich geworden.

Und welches Motto befolgen Sie, wenn Kant mal gerade Pause macht?

Dann halte ich es mit einem anderen Philosophen, mit Friedrich Nietzsche. Er hat einmal sinngemäß gesagt: Nur das Chaos kann einen tanzenden Stern gebären. Und wer weiß – vielleicht werden Sie in Zukunft häufiger die chaotische Judith im Fernsehen erleben.

Bei der „Tagesschau“ ist Chaos aber sicher nicht gefragt, und auch keine Verhaspler. Was ist das schönste Wort, dessen korrekte Aussprache Sie letzthin gelernt haben?

„Eyjafjallajökull“, der Name des Aschevulkans auf Island. Geschrieben ist er Buchstabensalat, aber wenn man ihn spricht, klingt er wie isländische Lyrik.

 
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Autor:
Jochen Metzger