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Interview: Winona Ryder

Lange hat sie sich rar gemacht. Nun kehrt die US-Schauspielerin Winona Ryder mit einem außergewöhnlichen Film auf die Leinwand zurück.

Winona Ryder Interview: Winona Ryder © Valerie Macon/Getty Images

Steckbrief

Geboren: Als Winona Laura Horowitz wurde sie am 29. Oktober 1971 in Winona, Minnesota, geboren. Sie wuchs in Kalifornien auf, wurde mit 13 entdeckt.
Karriere: 1990 gelang ihr der Durchbruch an der Seite von Johnny Depp, mit dem sie dann auch liiert war, in „Edward mit den Scherenhänden“. Für ihre Rolle in „Zeit der Unschuld“ erhielt sie eine Oscar-Nominierung. Sie lebt in San Francisco.

Sie war das meistbewunderte Kinogeschöpf der Neunziger. Beeinflusste mit Filmen wie „Beetlejuice“, „Heathers“ oder „Reality Bites“ eine ganze Generation. Dann aber kam der Karriereknick – wegen mehrerer Ladendiebstähle und einer entsprechenden Verurteilung. Es dauerte lange, bis sich die Schauspielerin von privaten Abstürzen erholte. Jetzt ist sie allerdings wieder da gereifter, mutiger, schöner. Und mit einer Überraschung: Im Thriller „Homefront“ (Kinostart 23.1.) spielt Winona Ryder die Hardcoremotorradbraut Sheryl Mott – und haut uns mit ihrer toughen Art geradezu um.

Winona, wie schwierig war es, eine Frau wie Sheryl darzustellen?

Ich habe noch nie jemanden gespielt, der so diabolisch und gleichzeitig ein Opfer ist. Sheryl liebt einen Drogenboss, ahnt aber, dass er sich hauptsächlich mit ihr schmückt.

So einen Thriller hätte man Ihnen gar nicht zugetraut …

Ich bin auch ziemlich sensibel, was Gewalt angeht. Vor langer Zeit habe ich erlebt, wie Freunde einen ihrer Lieben durch eine Gewalttat verloren haben. So ein Leid ist schwer zu ertragen.

Sie haben schon sehr jung vor der Kamera gestanden. Inwiefern hat Sie das geprägt?

Darüber habe ich nie nachgedacht. Da ich schon so jung angefangen habe, musste ich mich immer selbst um mich kümmern – auch materiell.

Ihre Eltern sind beide Schriftsteller. Reizt es Sie zu schreiben?

Ich liebe Bücher, habe lange Erstausgaben gesammelt. Literatur bedeutet mir viel. Wenn ich Philip Roth oder William Faulkner lese, weiß ich, dass ich nicht einen Satz zustande kriegen würde, der da mithalten könnte. Ich schreibe regelmäßig als Fingerübung, aber ich würde es nie publizieren.

Was genau schreiben Sie – Gedichte?

Trailer
Winona Ryder

Hier gibt es den neuen Trailer: Homefront mit Winona Ryder>>

Meist sind es Momentaufnahmen, die ich in Erinnerung behalten möchte. Ich setze mich hin, sobald ich nach Hause komme, und schreibe drauflos - ein wenig wie der Bewusstseinsstrom bei James Joyce oder Jack Kerouac. Das
soll nicht vermessen klingen, Joyce ist für mich ein Gott. Bei mir sind die Bandwurmsätze wohl eher Faulheit.

„Beetlejuice“ war 1988 der Startschuss zu Ihrer Karriere, da waren Sie 17. War Hollywood jemals Ihr Zuhause?

Ich ging damals noch in Petaluma zur Schule, nördlich von San Francisco, und habe im Sommer in Los Angeles gelebt, weil ich nur in den Ferien drehen durfte. Mit 21 kaufte ich mir ein Haus in San Francisco. Seitdem ist das meine Basis.

Was macht San Francisco für Sie so liebenswert?

San Francisco ist sehr lebhaft, besonders was die Literaturszene angeht. Der legendäre Verlag City Lights ist dort beheimatet und das Festival Litquake, an dem Leute wie Patti Smith oder Tom Waits teilnehmen. Die Stadt hat eine vibrierende Künstlerszene. Ich führe dort ein wunderbares Leben. Um die Stadt zu verlassen, muss man mir schon grandiose Rollen anbieten.

Deswegen machen Sie sich so rar? Oder verstecken Sie sich?

(Lacht.) Das schmeichelt mir. Denn nach 25 Jahren im Geschäft habe ich das Gefühl, dass ich schon sehr viel gearbeitet habe. Ich bin jetzt an anderen Projekten interessiert als mit Mitte 20. Da wurde mir eingeredet, dass man pausenlos drehen müsse.

Ist es nicht auch so, dass man schnell in Vergessenheitgerät?

Schon – aber das ist keine Art zu leben! Man kann doch nicht schlechte Filme drehen, nur um etwas Neues vorweisen zu können. Ich habe einen Punkt erreicht, wo mich eine kleine Rolle wie die in „Black Swan“ fasziniert. Früher hätte man mir sicher abgeraten, weil ich gerade mal fünf Minuten zu sehen bin. Mit 42 habe ich die Freiheit, mir solche Rollen zu gönnen.

Kann man in Hollywood als Frau endlich entspannter älter werden?

Mir ist dieser Jugendwahn fremd. Ich habe Älterwerden immer als etwas Positives gesehen. Ruth Gordon war mein Vorbild, „Harold and Maude“ mein Lieblingsfilm. Ich konnte es nie abwarten, endlich zu den Älteren zu gehören.

Sind Sie selbst ein bisschen verrückt nach Stars?

Und wie! Neulich saß ich mit Christopher Walken in der Maske. Mir ist fast das Herz stehen geblieben.

 
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