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Interview: Susan Sarandon

Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an: Hollywood-Superstar Susan Sarandon über die Kunst der Gelassenheit. Wir haben die Schauspielerin getroffen.

Sarandon Familie Interview: Susan Sarandon © ALO CEBALLOS/LESTER COHEN/JASON MERRITT/GETTY IMAGES

Steckbrief

  • Geboren: am 4. Oktober 1946 in New York City.
  • Karriere: 1975 wurde sie mit „The Rocky Horror Picture Show“ berühmt. Ihre Rolle in „Thelma & Louise“ brachte die erste Oscar-Nominierung, sie bekam ihn dann 1996 für „Dead Man Walking“. Am 25. Juli startet „The Company You Keep – Die Akte Grant“, ein Thriller, in dem sie eine Ex-Terroristin spielt.
  • Privates: 1967 heiratete sie Schauspieler Chris Sarandon, ließ sich 1979 scheiden. Aus der Beziehung mit einem italienischen Filmemacher stammt Tochter Eva Amurri. Mit Tim Robbins hat sie zwei Söhne. Mit ihrem jetzigen Freund betreibt sie eine Kette von Tischtennis-Clubs in ihrer Heimatstadt New York

Geliebte eines Transvestiten, Ikone der Frauenbewegung, Vampirin und Nonne – all das war Susan Sarandon schon in ihrer Karriere. Jeder Figur verlieh sie eine hohe Authentizität – auch beim Interview ist die enorme Präsenz der 66-Jährigen zu spüren. Dabei ist ihr Auftreten nicht einmal besonders energisch oder extrovertiert – dafür ruht sie viel zu sehr in sich. Eher leise, kon zentriert und unbeirrbar beantwortet sie die Fragen, scheint die Antworten zu durchdenken, als hätte sie alle Zeit der Welt.

Trailer
Susan Sarandon

Susan Sarandons neuer Film: Hier finden Sie den Trailer "The Company you keep - die Akte Grant">>

Frau Sarandon, Ihre Figur im neuen Film „The Company You Keep – Die Akte Grant“ will mit ihrer Vergangenheit ins Reine kommen – auch wenn sie dafür einen hohen Preis bezahlt. Können Sie so etwas verstehen?

Absolut. Die Frau, die ich spiele, hat jahrzehntelang mit einem düsteren Geheimnis und einer Lüge gelebt. Das hinterlässt Spuren, sowohl spirituelle als auch physische. Damit kannst du nicht auf die Dauer existieren.

Aus Ihrer Vergangenheit gibt es aber keine Dinge, die Ihnen den Schlaf rauben?

Nichts Großes jedenfalls. Und was Kleinigkeiten angeht: Ich habe gelernt, loszulassen, mich an nichts zu klammern und mich nicht über Vergangenes aufzuregen. Die Erfahrung aus dem Film „DeadManWalking“, der sich mit der Todesstrafe beschäftigt, war da sehr lehrreich für mich. Bei den Vorbereitungen bin ich Menschen begegnet, deren Kinder ermordet wurden – und die es trotzdem geschafft haben, ihre Wut und das Bedürfnis nach Rache zu überwinden. Das hat mich zu einer Tätowierung um mein rechtes Handgelenk inspiriert …

… die aussieht wie ein Stacheldraht.

Nur auf den ersten Blick. Tatsächlich besteht sie aus der Buchstabenfolge ANDAND. Das ist eine Abkürzung für „A New Dawn, A New Day“ – ein neuer Morgen, ein neuer Tag.

Was wollen Sie damit ausdrücken?

Dass du jeden Tag aufwachst im Bewusstsein, neu anfangen zu können, wenn du es willst. Dass du vergibst und man dir vergibt. Dass du alles loslässt, was gestern war.

Das kann auch bedeuten, dass man einen radikalen Schnitt macht, oder? Sie haben das zum Beispiel getan, als Sie sich 2009 nach 21 Jahren Beziehung von Ihrem Partner Tim Robbins trennten.

Ich sehe das anders. Mein Leben ist wie ein atmender Organismus, eine Pflanze, die ständig weiterwächst. Da stoppt nichts, da gibt es keine Schnitte, sondern es entwickelt sich einfach in eine andere, vielleicht schönere Richtung. Eine meiner größten Gaben ist, dass ich solche neuen Entwicklungen erkennen und ihnen eine Chance geben kann. Das gilt in jeder Hinsicht, auch für meine Beziehungen. Das Leben ist viel kreativer als du selbst mit all deinen tollen Plänen!

Und Sie haben nie Ihren Optimismus verloren? Immerhin haben Sie als Aktivistin jahrzehntelang gegen politische und soziale Missstände gekämpft.

Ich habe doch keine andere Wahl, als optimistisch zu sein! Wenn du jünger bist, bringst du natürlich noch mehr Naivität mit. Weil du die Welt nicht kennst, glaubst du, es sei leicht, sie zu verändern. Aber ich sehe ja heute, welche positiven Entwicklungen es dann tatsächlich gegeben hat. Die heutigen Protestbewegungen – wie Occupy, mit der ich einige Zeit verbracht habe - haben durch das Internet auch einen viel besseren Zugang zu Informationen. Du musst nur akzeptieren, dass diese Veränderungen nicht über Nacht geschehen. Das habe ich immer wieder erlebt, angefangen mit den Protesten gegen den Vietnamkrieg. Und wenn ich junge Leute wie meine Kinder ansehe, dann bin ich mir sicher: Sie können das schaffen. Wenn du dir bloß Sorgen machst, ändert das überhaupt nichts.

Haben Sie diese Einstellungen auch Ihren Kindern beizubringen versucht?

Ich habe sie gelehrt, dass sie Autoritäten infrage stellen sollen. Wobei ich ganz vergaß, dass ich die erste Autorität sein würde, die sie hinterfragen (lacht). Es ist nicht gerade leicht, wenn du berühmte Eltern hast, die ihre Meinung so offen kundtun. Aber in manchem sind sie mir ohnehin voraus. Sie haben auch, glaube ich, ein noch größeres Herz als ich.

Was können Sie von Ihren inzwischen erwachsenen Kindern lernen?

Das lässt sich gar nicht aufzählen! Wir sprechen ständig über alle möglichen Themen, über Musik, Philosophie. Ich entdecke Bücher wieder, die sie gerade zum ersten Mal lesen. Hier macht sich eben die ganze Erziehung bezahlt. Denn jetzt sind sie in der Lage, mich zu beeinflussen und mir neue Themen zu erschließen. Dadurch bleibe ich geistig beweglich – und das hält mich jung und vital. Dann fällt es mir auch nicht so schwer, wenn mein Körper langsam älter wird.

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