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Interview: Stefan Gwildis

Er hat was von George Clooney, und seine Musik trifft mitten ins Herz: Im exklusiven FÜR SIE-Interview spricht Stefan Gwildis über das Erfolgsgeheimnis seiner Ehe, seine Heimat Hamburg und sein neues Album "Das mit dem Glücklichsein".

Stefan Gwildis Interview: Stefan Gwildis © Sean Gallup / Staff / Getty Images

Steckbrief - Stefan Gwildis

  • Geboren: am 22. Oktober 1958 in Hamburg.
  • Musiziert hat Gwildis schon immer. Der Durchbruch kam 2003 mit dem Album „Neues Spiel“, auf dem er Soul- Klassiker neu interpretierte.
  • Ausprobiert hat er viel: Lagerarbeiter, Lkw-Fahrer, Kellner und Weihnachtsmann. Und er hatte 2007 eine Nebenrolle im Bremer „Tatort“.
  • Verheiratet ist Gwildis zum zweiten Mal. Mit Ehefrau Lina hat er Sohn Friedrich (10).

Entspannt sitzt Stefan Gwildis an seinem Lieblingstisch im „Fleetschlösschen“, direkt am Fenster. Seit vielen Jahren kommt er in das kleine Restaurant in der Hamburger Hafen-City. Und weil die Nachmittagssonne heute durch das Fenster scheint, der Sänger gute Laune hat und eigentlich auch einfach so, bestellt er Sekt für unsere kleine Runde: „Jetzt guckt doch einfach mal raus und genießt!“

Wenn Sie so auf den Hafen blicken: Was lieben Sie an Hamburg am meisten?

Das hat mit meiner Familie, mit zu Hause sein zu tun. Mein Vater ist mit uns Kindern oft am Sonntag nach dem Hockeyspielen an den Hafen gegangen. Wir haben auf dem Poller gesessen, Fischbrötchen gegessen und auf den Strom geguckt. Das hat Magie. Es ist die Hamburger Antwort auf alle neumodischen Entspannungs-Techniken: Poller hocken, Schiffe gucken, Schnauze halten. Optimal!

„Das mit dem Glücklichsein“ heißt Ihr neues Album. Was ist denn Glück für Sie?

Im Jetzt zu sein und zu leben, nicht gestern oder morgen.

Was bedeutet es Ihnen, dass so viele Menschen Sie live sehen wollen?

Unglaublich viel. Ganz ehrlich: Bei Jazz denken viele ja immer noch an Oberstufenlehrer, bisschen Bart im Gesicht, f-Moll, Kreuz neun. Für mich ist es so viel mehr. Ich habe das ja nie gelernt, ich kann nicht einmal Noten lesen! Ich höre vor allem. Und ich weiß, dass da ganz viel Seele drinliegt. Jazz hat einen unglaublichen Swing – danach kann man wunderbar tanzen! Und wer sagt eigentlich, dass Jazz keine Beischlafmusik ist? Ich kann aus dem Stand fünf Alben nennen, zu denen man prima Sex haben kann!

Es heißt oft, Deutsch sei eine schwere Gesangssprache. Für Sie auch?

Ich singe ja kein Behördendeutsch – Hamburgisch, das wird gekaut und geschliffen, das ist ein Singsang für sich. Viele bemühen die englische Sprache, weil sie flüssig und harmonisch klingt, aber das ist doch kein Argument! Singt man Deutsch, sind beim Publikum gleich zwei Sinne eingeschaltet: Man hört und versteht – und lässt sich darum ganz anders auf die Musik ein.

Gibt es einen Song auf Ihrem Album, der für Sie ganz besonders ist?

Das ist der Titelsong „Das mit dem Glücklichsein“. Dahinter steckt eine traurige Geschichte. Als ich daran schrieb, rief mich ein alter Kollege an und erzählte mir davon, dass er gerade ein Haus gekauft hatte, er war gut im Geschäft, klang total happy. Am nächsten Tag, einem Sonntag, wachte ich auf und schrieb den kompletten Song auf. „Das ist wie fliegen können, so leicht, breite die Arme aus und flieg zum Fenster raus.“ Am Montag brachte er sich um. Es ist ungewöhnlich für mich, dass ich ein Lied in einem Rutsch herunterschreibe – vielleicht habe ich unbewusst doch etwas gespürt.

„Fall nicht auf mich rein“ heißt ein anderer Titel. Gibt’s da etwa Macken, mit de nen man es bei Ihnen zu tun bekommt?

Da gibt’s einige. Ich verquatsche mich gern, ich lasse mich von Momenten leiten. Und ich bin ein leidenschaftlicher Sammler. Wenn irgendwo eine Eisenwarenhandlung schließt, fahre ich da hin und kaufe noch schnell alle Nägel auf. Letztens habe ich in meiner Garage einen Karton mit 60 Spatenstielen wiedergefunden! Und wenn ich abends irgendwo Sperrmüll entdecke, schraube ich einen Hänger an meinen Opel und düse dahin. So habe ich meine Wohnungseinrichtung zusammengesammelt. Alles Sperrmüllfunde!

Was sagt denn Ihre Frau dazu?

Dass alles viel zu vollgestopft ist.

Was ist das Geheimnis Ihrer Ehe?

Helmut Schmidt ist mal gefragt worden, wie er das mit Loki hinbekommt, und er hat gesagt: „Wissen Sie was, wir lassen uns einfach in Ruhe. Wir versuchen nicht, den anderen zu ändern.“ Darin liegt ganz viel Wahrheit. Ich finde auch Fragen doof wie: Wo bist du gerade? Was denkst du gerade? Es gibt Momente, da geht es den anderen einfach nichts an.

Sie sind relativ spät berühmt geworden. Fluch oder Segen?

Segen. Kommt der Erfolg zu früh, ist die Gefahr groß, dass du die Orientierung verlierst und noch gar nicht weißt, was es heißt, auf dem Teppich zu bleiben. Glücklicherweise habe ich immer Familie gehabt und war mit Kindern zusammen. Die norden einen ein. Wenn du dich am Wickeltisch bückst und dir läuft ein warmer Strahl über den Nacken, dann weißt du: Ach ja, DAS ist das wahre Leben.

 
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Autor:
Jessica Kohlmeier