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Interview: Oliver Welke

Von wegen Dauerplauderer! „heute-show“-Macher Oli Welke liebt die Momente der Entschleunigung – und sein Leben als Spießer. Wir haben den Schauspieler zum Interview getroffen.

Oliver Welke Interview: Oliver Welke © ZDF/Joscha Kistner

Ein beschauliches Café auf dem Bonner Münsterplatz. Man sitzt auf Korbstühlen bei frischem Orangensaft und Cappuccino – ein Tag wie im Urlaub. Oliver Welke, lässig gekleidet mit Jeans und einem grauen Pullo ver, wirkt total entspannt.

Herr Welke, Sie haben 14 Jahre lang in Berlin gelebt, sind vor zwei Jahren nach Bonn gezogen. Werden Sie auf Ihre alten Tage zum Spießer?

Ich war ja tendenziell immer einer, habe eigentlich nie was Verrücktes gemacht. Studium, Volontariat, Hochzeit, zwei Kinder, ein Hund – das kann man kaum toppen. Das Einzige, was nicht ins Bild passt: Ich fahre keinen Kombi. Sie sind selbst in einer Kleinstadt aufgewachsen, in Harsewinkel bei Gütersloh.

Inwiefern gefällt Ihnen das beschauliche Bonn besser als die Hauptstadt?

Wenn ein Teenager abends mit der U-Bahn durch Berlin fährt, ist es nicht völlig übertrieben, wenn sich die Eltern Sorgen machen. Hier hingegen können sich meine Söhne angstfrei bewegen und sich allein mit Freunden treffen. Doch der Hauptgrund für den Umzug war: Ich fand es extrem anstrengend, zwischen Berlin und Köln zu pendeln, wo die „heute-show“ produziert wird. Die Familie bekam mich kaum zu Gesicht, und ich war oft schlecht gelaunt.

Westfalen gelten als stur – wollen Sie immer mit dem Kopf durch die Wand?

Wenn mir etwas wichtig ist, habe ich auch mal meine entschlossenen Momente. Aber ich weiß auch, dass Erfolg im Mediengeschäft von Zufällen abhängt. Es macht keinen Sinn, wie die DDR Fünfjahrespläne zu entwerfen – es wird immer Unvorhergesehenes passieren, im positiven wie im negativen Sinne. Daher lautet mein Motto: Solange es gut läuft, muss man es genießen.

Was haben Sie mit Claudia Schiffer gemeinsam?

Sie spielen auf meine Model-Karriere an: Mit vier war ich das Werbegesicht für Würstchen. Die Banderole der Dose habe ich nach wie vor als Andenken.

Als Moderator der „heute-show“ nehmen Sie andere auf die Schippe. Über was im Fernsehen lachen Sie selbst?

Die Comedy-Serie „Pastewka“ meines Freundes Bastian Pastewka entspricht ziemlich genau meinem Humor. Und ich liebe „Die Simpsons“, habe meine Kinder schon früh genötigt, die Serie mit mir zu gucken. Sie können ganze Folgen auswendig. Darauf bin ich echt stolz. Ansonsten haben sie mit Fernsehen nicht viel am Hut. Für mich war TV-Verbot früher die Höchststrafe – meine Jungs würden mich auslachen, wenn ich ihnen das androhen würde.

Sie sind 47. Inwiefern können Sie beim Thema Midlife-Crisis mitreden?

Ich spüre noch keine Symptome, habe mir noch keinen Sportwagen gekauft.

Inwiefern fühlen Sie sich angekommen?

Die „heute-show“ ist mein Baby. Ich habe das Format mit aus der Taufe gehoben, schreibe als Autor mit daran – da steckt viel von mir drin. Auch privat habe ich nichts zu meckern. Ich habe also keinen unerfüllten Masterplan, den ich noch abarbeiten muss. Schon früher habe ich mir nie Gedanken über die Zukunft gemacht. Die 30 war jenseits meiner Vorstellungskraft, Ende 40 kurz vor der Kompostierung.

Wofür geben Sie regelmäßig mehr Geld aus, als Sie wollen?

Ich arbeite so viel, dass ich gar nicht so zum Ausgeben komme. Aber am liebsten investiere ich Geld in Urlaub.

Was tun Sie, wenn Sie faul sind?

Nix. Darin bin ich der Beste. Ich kann – vermutlich eine Alterserscheinung – nicht mehr so richtig lange schlafen. Aber es kommt vor, dass ich mittags lesend im Garten liege und dabei eindöse. Wenn es nach mir ginge, müsste ich in meiner Freizeit original gar nichts unternehmen. Nur Rasenmähen finde ich toll. Das hat so was Meditatives – eine gute Methode, um zu entspannen.

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