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Interview: Nadeshda Brennicke

Wenn er doch auftaucht? Prima, sagt die Schauspielerin Nadeshda Brennicke. Aber eigentlich hat sie es sich gerade gemütlich gemacht in ihrem Leben – ohne Mann.

Schauspielerin Nadeshda Brennicke im FÜR SIE Interview Interview: Nadeshda Brennicke © Timothy Hiatt/Getty Images

Steckbrief

Geboren: am 21. April 1973 in Freiburg.
Privat: Die Schauspielerin ist Single und lebt seit zehn Jahren mit Sohn Nikita (17) und vielen Pferden auf einem Bauernhof im Oderbruch (Brandenburg).
Karriere: Mit 18 wurde sie von Regisseur Sönke Wortmann entdeckt und spielte noch als Schauspielschülerin ihre erste Kinohauptrolle in „Manta – Der Film“ (1991). 1998 wurde Nadeshda als Ermittlerin in der Krimireihe „Die Straßen von Berlin“ bekannt. Für „Das Phantom“ erhielt sie 2001 den Grimme-Preis. Mit „Banklady“-Regisseur Christian Alvart drehte sie 2005 bereits den Thriller „Antikörper“.

Ein köstliches Essen in einem guten Restaurant: Das ist das Einzige, was sie auf dem Land manchmal vermisst. Zum FÜR SIE-Interview im Berliner „Ristorante Sale eTabacchi“ genießt Nadeshda Brennicke eine große Portion Calamaretti. Ihre Begeisterung ist mitreißend – genau wie ihr neuer Film: „Banklady“ erzählt die wahre Geschichte von Gisela Werler, die mit ihrem Lover 19 Banken überfiel, als die „Banklady mit den hübschen Beinen“ Schlagzeilen machte – und ihren Hermann im Gefängnis heiratete.

Bei ihrer Verhaftung sagte „Banklady“ Gisela Werler: „Ich habe aus Liebe geraubt.“ Haben Sie aus Liebe schon mal etwas Verrücktes getan?

Vor Jahren habe ich aus Eifersucht ein Auto mit Mehl und Eiern paniert.

Haben Sie sonst irgendwelche Jugendsünden zu beichten?

Ich bin zu Hause aus dem Fenster gestiegen, um heimlich in die Disco zu gehen. Um zwölf war ich immer schon müde, meine Disco-Zeit war also nicht legendär (lacht). Aber immerhin wurde
ich nie erwischt.

Welches Verbot finden Sie absurd?

Ich habe mal gewagt, an der Straße ein Schild mit meiner Adresse anzubringen. Mein Hof ist nämlich so abgelegen, dass mich niemand findet. Prompt hat mir das Verkehrsamt 50 Euro Strafe aufgebrummt – das sei unlautere Werbung. Wenn das nicht absurd ist!

Warum sind Sie aufs Land gezogen?

Ich wollte mir etwas Eigenes aufbauen. In meinem Beruf bringen Fleiß und gute Arbeit einen nur bedingt weiter. Beim internationalen Filmfestival in Chicago bin ich für „Banklady“ als beste Schauspielerin ausgezeichnet worden. Trotzdem hat es der Film nicht mal in die Vorauswahl zum Deutschen Filmpreis geschafft! Solche Enttäuschungen habe ich öfter erlebt. Die Arbeit auf dem Hof hat mir den Kopf zurechtgerückt. Ich brauchte das, um wieder Begeisterungsfähigkeit zu entwickeln. Wie soll ich andere überzeugen, wenn ich die Begeisterung nicht selbst ausstrahle?

Wofür können Sie sich begeistern?

Ich interessiere mich sehr für alte Kulturen. Ich bin keine Esoterikerin, aber ich glaube, dass die Menschheit schon viel länger existiert, als wir alle denken. Und dass es mehr Kulturen gab, als man heute wissenschaftlich nachweisen kann. Da kann ich völlig versinken und lesen, lesen, lesen. Heute finde ich es schade, dass ich zu faul war, um Abitur zu machen und zu studieren.

Dafür sind Sie mit 16 auf die Schauspielschule gegangen.

Ich wollte immer jemand anders sein, habe mich verkleidet und mir allein in meinem Zimmer ganze Welten erträumt. Aber wenn es um das Krippenspiel oder Schulaufführungen ging, war ich zu schüchtern. Die Rollen haben immer die Mädchen bekommen, die am lautesten geschrien haben. Ich musste erst lernen, mir mehr zuzutrauen und aus mir herauszugehen. Aber je mehr ich etwas will, desto schwerer tue ich mich. Das ist heute noch so. Mir fehlt der Ehrgeiz, gefallen zu wollen. Ich denke eher: dann eben nicht. Das ist in meinem Beruf natürlich wenig zuträglich (lacht).

Gilt das auch im Privatleben: „dann eben nicht“?

Ich bin zwar hoffnungslos romantisch, aber auch Perfektionistin. Was nützt mir ein Mann, der sich mir zuliebe zu etwas zwingt? Ich weiß, dass nicht alle Männer aussehen wie Brad Pitt und man Kompromisse machen muss. Ich warte bestimmt nicht auf den Traumprinzen. Aber wenn das Gefühl nicht stimmte, bin ich meinen Weg lieber allein weitergegangen. Außerdem war ich ja für ein Kind verantwortlich, das hatte immer Priorität. Nikita war ein absolutes Wunschkind, und ich bin sehr stolz auf ihn. Wenn er in anderthalb Jahren Abitur macht und auszieht, bricht für mich eine neue Ära an.

Wie soll es dann für Sie weitergehen?

Ich habe mir bewiesen, dass ich mir mein Paradies selbst erschaffen kann, auch ohne Mann. Jetzt geht es darum, das Paradies, das hoffentlich irgendwo in mir schlummert, zu entdecken. Ich kann mir vorstellen, Regie zu führen oder einen Roman zu schreiben.

Wo kommen Sie auf Gedanken? Was inspiriert Sie?

Wenn ich nachdenken muss oder nicht weiterweiß, fahre ich gern ziellos U-Bahn und beobachte die Leute. Meistens finde ich unterwegs Anregungen. Oder ich gehe in eine Buchhandlung und greife blind nach irgendeinem Titel. Wenn man sein Herz öffnet, bekommt man Antworten.

 
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Autor:
Ulrike Schröder