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Interview: Martina Gedeck

Ihre Ausstrahlung machte sie zum internationalen Star. Die Schauspielerin Martina Gedeck sprach mit uns über Kreativität, Erfolg und Laubsauger.

Martina Gedeck Interview: Martina Gedeck © JOHANNES EISELE/AFP/Getty Images

Das Leben ist Veränderung

Martina Gedeck - Steckbrief

  • Geboren: am 14. September 1961 in München.
  • Privatleben: Seit 2005 ist sie mit dem Schweizer Regisseur Markus Imboden liiert. Sie lebt in Berlin.
  • Karriere: Als Köchin „Bella Martha“ wurde sie 2001 einem breiten Publikum bekannt. Zu ihren auch international erfolgreichsten Filmen zählen „Das Leben der Anderen“ und „Der Baader Meinhof Komplex“. Zuletzt war sie in der Bestseller-Verfilmung „Nachtzug nach Lissabon“ zu sehen.

Der Herr am Nebentisch wartet höflich, bis sie außer Hörweite ist. Dann seufzt er bewundernd: „Ah, unsere einzige Diva!“ Martina Gedeck ist allein ins Berliner „Kempinski Hotel“ gekommen, alles ganz  unkompliziert. Erkannt hat er sie trotzdem sofort. Sie hat eben diese besondere Ausstrahlung, die sie auch international zum Star gemacht hat. Jetzt starten zwei neue Filme mit ihr: „Die Nonne“ und „Am Hang“.

Frau Gedeck, was ist für Sie das Besondere an dem Dreiecksdrama „Am Hang“?

Dass es im Grunde ein Männerfilm ist: Die meiste Zeit reden zwei Männer miteinander, das tun die sonst ja eher selten (lacht). Wir erleben die Frau aus der Sicht von zwei Männern, und trotzdem bleibt sie eine eigenständige Person. Das hat mir daran gefallen. Ein Kernsatz im Film ist ein Hesse-Zitat: „Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe bereit zum Abschied sein und Neubeginne.“

Finden Sie das auch?

Ich bin kein Fan von Lebensrezepten. Was das Leben ausmacht, ist die Veränderung. Insofern ist es günstig, wenn das Herz sich nicht zu sehr an die Vergangenheit hängt. Aber ich trage sie immer bei mir, ich verabschiede mich nicht. Ich besitze ein ganzes Sammelsurium von Erinnerungsschätzen, von denen ich mich nicht trennen möchte.

Was denn für Schätze?

Die Erfahrungen und auch die Beziehungen, die wir hatten, bleiben uns ja – auch wenn wir uns weiterentwickeln. Daraus schöpft man doch auch. Das heißt aber nicht, dass ich ständig zurückblicke. Ich bin mit der Gegenwart vollauf beschäftigt und habe keine Zeit, mich im Gestern aufzuhalten. Ihr Film „Die Nonne“ spielt aber in der Vergangenheit, um 1765.

Was hat Sie gereizt an der Rolle der Mutter?

Es war interessant, eine Frau zu spielen, die in ihrem Leben gefangen ist. Ich konnte mich in diesen engen, schweren Kleidern kaum bewegen! Die Geschichte spielt zwar vor 250 Jahren, aber Frauen werden ja auch heute noch unterdrückt. Selbst unsere Mütter durften nicht alles studieren und werden, was sie wollten. Noch in den 70er-Jahren konnten Männer ihren Ehefrauen verbieten, arbeiten zu gehen. Es ist gut, sich das wieder vor Augen zu halten.

Was wollten Sie denn werden?

Anfangs etwas mit Tieren, wie so viele Kinder: Tierärztin. Der Wunsch, Schauspielerin zu werden, kam später.

Ihr Vater war Kaufmann. Hat er da nicht gesagt: „Kind, lern lieber was Solides“?

Natürlich sind Eltern erst mal beunruhigt, wenn das Kind Schauspieler werden will. Das ist kein handfester Beruf wie Arzt oder Anwalt. Da ist alles erfunden, man tut nur so als ob. Aber meine Eltern haben mich immer unterstützt. Ich habe dann die Prüfung an der staatlichen Schauspielschule bestanden – das war ganz wichtig, dass ich eine ordentliche Ausbildung mache, auch für mich.

Sie werden als die Diva des deutschen Films bezeichnet. Wie finden Sie das?

Ziemlich cool, muss ich sagen. Gemeint ist meist eher: Die hat Allüren. Aber nicht in meinem Fall. Ich bin nicht besonders schwierig. Das Label taucht immer dann auf, wenn jemand erfolgreich ist.

Lieben die Deutschen ihre Stars denn nicht, dass sie immer mäkeln?

Wenn man jemanden bewundert, hebt man ihn auf einen Sockel – und möchte ihn dann wieder herunterholen auf Augenhöhe. Vielleicht wäre „anders“ treffender als „schwierig“. Nehmen Sie irgendeinen großen Künstler,etwa Mick Jagger: Wer so viel Kreatives zustande bringt, kann vielleicht nicht ganz „normal“ sein. Auf der Bühne oder vor der Kamera wirkt im Idealfall alles natürlich und mühelos, aber es erfordert viel Kraft. Wenn man dann vor einem Auftritt seine Ruhe braucht, gilt man als schwierig. Ich bin eher freundlich (lacht).

Haben Sie neben Ihrem Beruf eine Leidenschaft?

Ich bin leidenschaftliche Leserin. Ich habe immer ein Buch bei mir. Oder wenigstens die Zeitung. Die Welt verändert sich ständig, das ist alles sehr interessant. Ich finde es aufregend, dabei zu sein. Ich würde gern mehr reisen, mehr von der Welt sehen.

Gibt es etwas, das Ihnen schwerfällt?

Im Fernsehen Autorennen angucken zu müssen. Und ich räume nur sehr ungern auf (lacht). Auf Werbung könnte ich verzichten, es nervt mich, dass ich dauernd irgendwas Neues haben soll. Und auf Laubsauger! Ob in Nachbars Garten oder im Park, irgendwo läuft immer einer. Wer hat die Dinger eigentlich erfunden?

 
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