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Interview: Mads Mikkelsen

Die Dänen halten ihn für den „Sexiest Man in the World“. Ein Titel, der ihm zu Hause gar nichts nützt: Denn die Frau von Mads Mikkelsen ist davon unbeeindruckt. Im Interview lernen Sie mehr.

Mads Mikkelsen Interview: Mads Mikkelsen © Getty Images

Steckbrief Mads Mikkelsen

Geboren: am 22. November 1965 in Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen, wo er mit seiner Familie bis heute lebt.
Karriere: Erst war Mads Leichtathlet, dann Tänzer und schließlich Schauspieler. Filme wie die dänische Produktion „Für immer und ewig“, „King Arthur“ (mit Clive Owen und Keira Knightley) machten ihn berühmt, seine Rolle als Bösewicht in „Casino Royale“ brachte 2006 den Durchbruch.
Privates: Seit 25 Jahren ist er mit der dänischen Schauspielerin und Choreografin Hanne Jacobsen (52) liiert, die beiden sind verheiratet und haben zwei Kinder (Viola, 18, und Carl, 14).

Das Wort „cool“ ist wohl eigens für ihn erfunden worden. Spätestens seit er als Bond-Bösewicht in „Casino Royale“ Blut statt Tränen weinte, ist Mads Mikkelsen Dänemarks erfolgreichster Filmexport. Und gilt als „Sexiest Man in the World“. Dennoch würde der 47-Jährige nie Kopenhagen gegen Hollywood eintauschen. Uns kommt Mads nun ganz klassisch – als einer der Helden der deutschen Literatur.

Sie machen Kleists „Michael Kohlhaas“ zu einem neuen Charakterkopf – braun gebrannt, sexy und rebellisch. Was hat Sie an Michael Kohlhaas gereizt?

Sein Streben nach Gerechtigkeit – damit habe ich mich total identifiziert! So weit wie er würde ich aber sicher nicht gehen. Er hält an seinem Kampf um Gerechtigkeit sogar noch fest, als seine ganze Welt und seine Familie zu zerbrechen drohen.

Welche Werte sind Ihnen wichtig?

Mads Mikkelsen

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Mein Stolz. Ich würde nie bei irgendjemandem an die Tür klopfen oder ihn anbetteln, auch wenn ich eine Rolle noch so gern hätte.

Für diese Rolle wollte Regisseur Arnaud des Pallières einen Typen wie Clint Eastwood haben, nur 30 Jahre jünger. Nettes Kompliment!

Okay, diese Figur hat etwas Stoisches und steht wie ein Fels in der Brandung. Trotzdem zeige ich mehr Gefühle als Eastwood in seinen Western. Arnaud hat also nur einen halben Eastwood gekriegt!

Aber sonnengegerbt und sattelfest mussten Sie schon sein …

Klar. Das Naturverbundene macht Kohlhaas’ Leben aus. Der Wind in der französischen Camargue hat uns während des Drehs schwer zu schaffen gemacht, und auch an die Pferde musste ich mich gewöhnen. Ich war sechs Wochen früher dort, nicht um reiten zu lernen, sondern um ein Gespür für die Tiere zu entwickeln. Ich habe sogar einem Fohlen auf die Welt geholfen.

Sie mögen Jeans, Lederjacke, Zigaretten, fahren Motorrad – sind Sie testosteronlastiger als der Marlboro-Mann?

Vielleicht – aber dann mit einem gehörigen Schuss Vater! Ja, ich mag ein kühles Bier und Sport. Ich bin sicher nicht der romantische Typ. Eher ein „harter Softie“. Eben eine eigene Mischung.

Was sagen Sie zum Titel „Sexiest Man in the World“?

Das hat nur ein einziges Magazin mal geschrieben, vor über zehn Jahren. Ehrlich gesagt fand ich’s zuerst ziemlich unschön. Ich wollte, dass man meine Arbeit mag und nicht mein Aussehen. Heute nehme ich es als kleines Nebenkompliment gern an.

Und Ihre Frau? Fand sie den Titel amüsant oder eher anmaßend?

Hanne ist davon total unbeeindruckt. Aber wenn sie mal sauer auf mich ist, krame ich dieses Magazin hervor und sage: „Schau, hier steht schwarz auf weiß: Ich bin der ,Sexiest Man in the World‘. Also sei wieder gut!“

Sie sind schon lange verheiratet …

Wir sind seit fast 25 Jahren zusammen. Ich habe ziemlich früh in meinem Leben die Richtige für mich gefunden, mit 22. Manchmal ist es sehr einfach: Ich liebe sie, sie liebt mich. Ich hatte unverschämtes Glück.

Nehmen Ihre Kinder Viola und Carl mit 18 und 14 auch an Ihrem Beruf Anteil?

Dass ich im Bond-Film „Casino Royale“ mal den Bösewicht gegeben habe, fanden sie toll. Mein Sohn war zumindest ganz stolz auf mich.

Gerade erst waren Sie in „Die Jagd“ zu sehen, dann als Hannibal Lecter, und Sie haben drei weitere Projekte in der Pipeline. Sind Sie ein Workaholic?

Nein! Ich könnte jederzeit eine Pause von fünf Jahren oder so einlegen. Irgendwie kam ein schönes Projekt nach dem anderen, da kann man sich schlecht abmelden (lacht).

Wie kommt es, dass es Sie nie länger nach Hollywood zog?

Die meisten Hollywood-Filme werden eh in Europa gedreht. Ich hatte keine Lust, mich wegen der sogenannten Karriere mit der Familie in Los Angeles niederzulassen. Meine Wurzeln liegen in Europa, und die Angebote erreichen mich auch so von überall her. Wenn ein Regisseur weiß, wer ich bin, aber mich nicht anruft, hat das seinen Grund. Und wenn er mich anruft, auch.

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