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Interview: Katja Flint

Nach stressigen Jahren ist die Schauspielerin Katja Flint ganz bei sich angekommen - wir haben mit ihr gesprochen.

Schauspielerin Katja Flint im FÜR SIE Interview Interview: Katja Flint © Christian Augustin / Freier Fotograf, Getty Images

Steckbrief - Katja Flint

  • Karriere: Sie war schon in vielen Hauptrollen in TV und Kino zu sehen, etwa als „Marlene“ in Joseph Vilsmaiers gleichnamigem Film (2000) sowie in „Die weiße Massai“ (2005).
  • Geboren: am 11. November 1959 bei Hannover.
  • Privat: Von 1985 bis 2001 war sie mit Heiner Lauterbach verheiratet (Trennung 1991); aus der Ehe stammt Sohn Oscar. Von 2001 bis 2006 war sie mit dem Schriftsteller Peter Handke liiert. Katja Flint lebt in Berlin-Mitte.

Klar wollen wir mit Katja Flint auch über ihren neuen Film sprechen. Aber uns brennen da auch noch ein paar private Fragen unter den Nägeln. Wie sie das wohl findet? „Viele Leute denken, ich wär so ’ne Diva“, hat die Schauspielerin einmal gesagt. Kühle Blondine, distanzierte Charakterdarstellerin – stimmt das wirklich, oder sind das womöglich doch nur Klischees? Und tatsächlich: Katja Flint wirkt ausgesprochen entspannt an diesem Vormittag, wir kommen ins Plaudern, reden über Familie und Freunde. Und über ihren langen Weg zum Glück.

Frau Flint, für Ihren neuen Film „Die Frau am Strand“ haben Sie in Norwegen vor der Kamera gestanden. Wie haben Sie die Dreharbeiten empfunden?

Als ungewohnt erholsam. Dreharbeiten sind meist anstrengend, aber die Leere und Stille in Norwegen hatte etwas sehr Meditatives. Erst nach meiner Rückkehr fiel mir auf, wie vollgestellt meine Wohnung und wie laut Berlin ist. Dabei lebe ich in einer ganz ruhigen Ecke der Stadt. In Norwegen konnte ich gut abschalten, denn es gab wenig Ablenkung. Ich habe in einem Fischerhäuschen am Meer gewohnt. Den Fernseher habe ich nur einmal ein und sofort wieder ausgeschaltet. Nach langen Spaziergängen durch die Natur bin ich abends in einen erholsamen Tiefschlaf gefallen.

Was hat Sie an der Rolle der Brigitta Nielebeck fasziniert? Sie spielen eine ehrgeizige Managerin, die nach einem Selbstmordversuch unter totalem Gedächtnisverlust leidet.

Durch ihre Amnesie ist sie wie ein unbeschriebenes Blatt Papier. Völlig unbelastet stellt sie Fragen wie ein Kind, um herauszufinden, wer sie eigentlich ist. Als sie dann erfährt, warum ihre Angehörigen einen Groll gegen sie hegen, liegt diese schwere Bürde wieder auf ihren Schultern. Brigittas Leben ist gründlich schiefgelaufen, weil sie und ihr Mann sich in ihre Karrieren verbissen, sich zu wenig Zeit für einander genommen und ihrer Tochter nicht die Aufmerksamkeit geschenkt haben, die sie so nötig gebraucht hätte.

Was ist Ihnen bei der Erziehung Ihres mittlerweile erwachsenen Sohns Oscar aus der Ehe mit Heiner Lauterbach wichtig gewesen?

Ihm ausreichend Liebe und Aufmerksamkeit zu schenken, damit er ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln konnte. Toleranz und Mitgefühl sind Werte, die Oscar verinnerlicht hat. Es war uns immer wichtig, miteinander zu reden. Das tun wir auch heute noch – und nun lerne ich meist mehr von ihm als er von mir.

Im Alter von sieben Jahren gingen Sie mit Ihrer Familie nach Amerika, sind immer wieder umgezogen. Was hatten Sie selbst für eine Kindheit?

Ich bin mit einem Bruder und einer Schwester aufgewachsen, und in vielerlei Hinsicht hatten wir eine sehr schöne Kindheit. Wir haben schon früh viel von der Welt gesehen. Mein Vater war ein kreativer Planer von Reisen, die wir – obwohl unsere finanziellen Möglichkeiten nicht üppig waren – immer als ganze Familie machten. Allerdings wurde bei uns nicht groß über Sorgen und Probleme geredet. Das werfe ich meinen Eltern nicht vor, denn sie kannten es von ihren eigenen Eltern nicht anders. Beide sind im Krieg aufgewachsen, und mein Vater wurde kurz vor Kriegsende noch eingezogen.

Im Film spielen Sie eine Karrierefrau, deren Hobby das Herumbasteln an Oldtimern ist. Welche Talente haben Sie, abgesehen von der Schauspielerei, auf die Sie stolz sind?

Das Autoschrauben gehört sicher nicht dazu. Andere Talente, auf die ich stolz wäre, kann ich leider auch nicht vorweisen. Es gibt aber Dinge, die ich talentfrei gern tue, wie zum Beispiel Fotografieren, Malen und Singen.

In Ihrer Rolle sind Sie depressiv. Würden Sie sich privat eher als fröhlichen oder eher als nachdenklichen Menschen bezeichnen?

Ich betrachte mich als fröhlich-nachdenklichen Menschen, das geht gut zusammen. Natürlich kenne ich auch Stimmungstiefs.

Wie lange dauern diese Phasen bei Ihnen?

Die habe ich selten und wenn, dann nur kurz. Ich denke grundsätzlich positiv.

Wer oder was baut Sie denn wieder auf, wenn Sie mal schlecht drauf sind?

Mein Galgenhumor – und natürlich Gespräche mit Freunden.

Was gehört für Sie unabdingbar zum Glücklichsein?

Gute zwischenmenschliche Beziehungen. Wir wissen ja inzwischen aus der Forschung, dass die glücklichsten Menschen in den Gesellschaften leben, bei denen Familie und Freunde im Mittelpunkt stehen. In unserer Leistungsgesellschaft nehmen wir uns dafür oft zu wenig Zeit. Auch ich hatte in der Vergangenheit sehr stressige Phasen. Inzwischen habe ich gelernt, mein Leben zu entschleunigen und mehr Wert auf das Mit- und Füreinander zu legen. Diese Veränderung hat mich definitiv glücklicher gemacht. Wie wertvoll Freundschaften sind, habe ich als junger Mensch gar nicht begriffen.

Haben Sie es geschafft, mit Ihren früheren Lebenspartnern befreundet zu bleiben?

Ja, ich fühle mich ihnen nach wie vor familiär verbunden. Wenn man sich über Jahre sehr nah war, ist es doch schade, wenn nach der Trennung nicht wenigstens Freundschaft bleibt. Oft lachen wir auch herzlich bei der Erinnerung an spezielle Ereignisse aus alten Zeiten.

Sie werden dieses Jahr 55. Was war die bisher beste Phase Ihres Lebens?

Wirklich unglücklich war ich nie. Ich bereue auch nichts, bin aber froh, aus allerhand Erfahrungen ein wenig klüger geworden und dadurch mehr ins Gleichgewicht gekommen zu sein. Insofern würde ich sagen: Meine beste Zeit ist jetzt.

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Autor:
Ulrike Bremm