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Interview mit Jan Josef Liefers

Er spielt im Fernsehen und im Kino. Er singt in einer Band. Und jetzt moderiert er auch noch! Ob Jan Josef Liefers das nicht zu viel wird?

Schauspieler Jan Josef Liefers im Interview Interview mit Jan Josef Liefers © Franziska Krug / Kontributor, Getty Images

Steckbrief - Jan Josef Liefers

Geboren: am 8. August 1964 in Dresden.
Karriere: Bildet seit 2002 mit Axel Prahl das beliebte „Tatort“-Duo Thiel und Boerne. Im Kino war Liefers zuletzt in der Komödie „Mann tut was Mann kann“ (2012) zu sehen. Im September startet die Fortsetzung „Da muss Mann durch“. Liefers’ zweite Leidenschaft ist die Musik: Noch bis Ende Juli ist er mit seiner Band Oblivion auf Tournee. Termine unter www.oblivion-klub.de
Privat: Seit 2004 ist Liefers mit Schauspielkollegin und Sängerin Anna Loos (43) verheiratet. Das Paar hat zwei Töchter.

Wenn Jan Josef Liefers (49) an einem Sonntagabend mit seiner Band Oblivion auftritt, begrüßt er die Fans schon mal so: „Eins ist klar: ‚Tatort‘ mit Til Schweiger guckt ihr heute nicht!“ Und so einer sagt von sich, er sei kein Entertainer! Am 9. Mai 2014 moderiert er die Verleihung des Deutschen Filmpreises. Aus diesem Anlass einige Preisfragen an den Publikumsliebling, der gerade für den nächsten Münsteraner „Tatort“ vor der Kamera steht. In der Drehpause ruft er an.

Herr Liefers, jetzt moderieren Sie auch noch. Musste man Sie dazu überreden?

Ein bisschen schon. Ich hätte genauso gut im Publikum sitzen und mich ent spannt zurücklehnen können. Stattdessen werde ich jetzt schon Tage vorher nervös sein.

Wirklich? Sie stehen doch ständig vor der Kamera oder auf der Bühne. Wird man da nicht irgendwann lässig?

Na ja, man tut so (lacht). Aber ich bin ja kein Moderator oder Showmaster. Wenn ich mit meiner Band auftrete, dann ist das meine eigene Musik, und als Schauspieler schlüpfe ich in eine Rolle und spreche fremden Text. Plötzlich so eine Show schmeißen zu müssen ist dagegen aufregend, da springe ich in unbekanntes Gewässer.

Können Preisverleihungen fair sein?

Fairer oder sagen wir demokratischer als beim Filmpreis kann es nicht ablaufen. Alle Mitglieder der Filmakademie stimmen in geheimer Wahl ab. Ausgezeichnet wird, wer die meisten Stimmen bekommen hat. Und das sind dann nicht zwangsläufig auch die großen Publikumshits. Es gibt tolle „kleine“ Filme, die im Kino zu Unrecht unter gegangen sind. Die können die Zuschauer an diesem Abend vielleicht entdecken. Der Filmpreis soll eine Feier für den deutschen Film und unser Publikum sein. Sonst könnten wir uns die Lolas ja einfach mit der Post schicken.

Sie haben schon viele Preise bekommen. Über welchen haben Sie sich am meisten gefreut?

Ach, am meisten freut man sich immer über den, den man gerade kriegt. Aber besonders freue ich mich über den Preis, den die schwedische Filmakademie mir gegeben hat. Und natürlich mein erster Preis überhaupt, der Bayerische Filmpreis für „Rossini“, als „Bester Nachwuchsschauspieler“. Das erste Mal vergisst man nie!

Wo bewahren Sie Ihre Preise auf?

Über der Treppe in unserem Haus ist ein Regal, man muss sich auf die Zehenspitzen stellen und den Hals recken. Da obendrauf stehen sie. Und das sind nicht nur meine, inzwischen sind auch von Anna einige dazugekommen. Der Platz ist ideal. Man will ja nicht damit angeben, aber verstecken muss man sie deshalb auch nicht.

Welchen Preis würden Sie denn gern gewinnen?

Jeden! (Lacht.) Ich bin immer wieder überrascht, wenn ich einen Preis bekomme. Das ist keine Koketterie, ich denke nur einfach nicht an Preise. Das ist besser für das Karma. Man kann sowieso nicht auf einen Preis hinarbeiten, da ist man dann nur enttäuscht.

Wofür sollte endlich mal ein Preis vergeben werden?

Erst mal finde ich es genau richtig, dass es dieses Jahr wieder den Publikumspreis geben wird. Und toll wäre mal, einen Preis für den „mutigsten Film“ zu vergeben. Ein gewagtes Thema anzupacken oder eine Geschichte mal auf eine ganz andere Art zu erzählen, das ist eine große Leistung und eine Auszeichnung wert, auch wenn am Ende der ganze Film vielleicht schiefgeht.

Wenn Sie beim Filmpreis auf die Bühne gehen: Schlips oder Fliege?

Fliege! Wenn ich mich schon in Schale werfen muss, dann richtig.

Mögen Sie keine Anzüge?

Doch, damit sind Männer in der Regel sehr gut gekleidet, privat trage ich aber lieber Jeans und T-Shirt. Und Krawatten (er spuckt das Wort fast angewidert aus) nur im äußersten Notfall!

Kürzlich gab es eine „Tatort“-Meinungsumfrage. 40 Prozent monierten zu viel Gewalt. Was sagen Sie als Boerne dazu?

Ich finde unser deutsches Fernsehen, verglichen mit anderen Ländern, eher konservativ. Deshalb ist es gut, dass die ARD versucht, ihr betagtes Format „Tatort“ immer wieder neu zu erfinden. Und sicher, auch in „Tatorten“ wird die moderne Welt verhandelt, und die sieht eben nicht überall aus wie beim „Oberförster“ oder „Landarzt“. Sie ist schneller geworden, egoistischer und sicher auch gewalttätiger. Aber beim Münster-„Tatort“ kann sich nun wirklich niemand über zu viel Gewalt beschweren. Und wer unseren Stil nicht mag ... hey, es gibt noch 18 andere Teams! Wir kommen doch nur zweimal im Jahr.

Dürfen wir hoffen, dass Ihr Team uns noch lange erhalten bleibt?

Axel Prahl und ich finden beide, dass wir aufhören sollten, solange die Leute das noch schade finden. Aber das wird nicht heute und nicht morgen sein.

Sie sind auf Konzerttournee, drehen jetzt „Tatort“, dann kommt der Filmpreis … Wird Ihnen das nicht alles zu viel?

Andere Leute müssen auch viel arbeiten. Manchmal ist es eine Menge, und mir wird selber etwas schwummerig. Aber es könnte schlimmer sein. Und ich liebe ja das, was ich tue. Also: Ich will nicht klagen! Man hört eine vertraute Männerstimme aus dem Off: „Hier kommt der Kollege Axel Prahl, sagen Sie Hallo.“

Geht weiter? Okay, komme!

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