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Interview mit Helen Mirren

Eine Audienz bei der Queen: Helen Mirren im Interview mit der FÜR SIE . Lady, Sexsymbol, Oscar-Preisträgerin: Die Britin ist eine Klasse für sich.

Helen Mirren Interview mit Helen Mirren © Getty Images

Das Lachen klingt wirklich nicht sehr damenhaft: tief und ein bisschen verrucht. Und sie möchte auf keinen Fall mit ihrem Titel angesprochen werden. Die korrekte Anrede wäre nämlich Dame Helen: 2003 erhob Prinz Charles die Ausnahme-Schauspielerin in den Künstler-Adel – noch bevor sie „Die Queen“ spielte, übrigens. Auch in natura strahlt Helen Mirren (67) so viel Würde aus, dass man sofort Haltung annimmt, wenn sie den Raum betritt.

Mrs. Mirren, woher kommt Ihre Autorität?

(Seufzt) Ich kann das gar nicht nachvollziehen. Die Leute verwechseln mich wohl mit der „Queen“. Es ist nichts Großartiges an mir, und meine Filme waren weiß Gott nicht alle rühmlich. Sicher freue ich mich, dass meine Arbeit Anerkennung findet. Aber eine Respektsperson möchte ich nicht sein.

Warum denn nicht?

Weil das Distanz schafft. Ich möchte, dass man mich mag. Ich liebe es, geliebt zu werden.

Und wie gefällt Ihnen Ihr Status als Sexsymbol? Sie waren die „Sex Queen“ der renommierten Royal Shakespeare Company, und erst vor Kurzem sorgten Bikini-Fotos von Ihnen weltweit für Aufsehen …

Ich mochte mich nie in die Sexy-Schublade stecken lassen. Und das war schwer für eine junge Frau, damals in den Sixties. Anscheinend wirke ich sehr selbstbewusst, das bin ich bis heute nicht. Aber ich hatte schon immer einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Meine Eltern haben mich stets unterstützt, aber nie verwöhnt. Ich bekam Dinge zu hören wie: „Fein, Helen. Und jetzt versuch’s noch mal.“ Sie haben mir früh beigebracht, dass ich auf eigenen Beinen stehen muss. Ich bin zur Unabhängigkeit erzogen worden.

Und offenbar auch zur Disziplin: Sie haben sogar eine Einladung zum Tee im Buckingham Palace ausgeschlagen, weil Sie drehen mussten. Die Arbeit geht immer vor?

Ich arbeite auch deshalb so gern, weil es meinem Alltag Struktur gibt. Sonst kann ich schon mal den halben Tag verschlafen! Ich komme einfach nicht zu Potte – immer alles auf den letzten Drücker. Ich kann wunderbar Zeit verschwenden, und es dauert ewig, bis ich jemanden zurückrufe. Dabei bin ich gern produktiv. Etwas Gartenarbeit und dann stundenlang lesen, das wäre mein perfekter Tag.

Silvester haben Sie Ihren 15. Hochzeitstag gefeiert. Ein Paar sind Sie und Ihr Mann Taylor aber schon viel länger. Warum haben Sie mit dem Heiraten so lange gewartet?

Weil ich das eigentlich nie vorhatte. Viele Frauen meiner Generation haben geheiratet, weil man das so machte. Ich hatte diesen Wunsch nie, denn ich mag keine Verträge. Dann traf ich Taylor …

Warum haben Sie nach fast 14 Jahren „wilder Ehe“ Ihre Meinung geändert?

Mir wurde bewusst, dass wir zusammengehörten: Meine Schwester, mein Neffe, meine Nichte und Taylors Söhne – wir waren jetzt eine Familie. Das wollten wir offiziell machen. Der zweite Grund war ganz pragmatisch unsere finanzielle Absicherung. Also beschlossen wir zu heiraten. Und es war unglaublich romantisch! Am Morgen danach wachte ich auf, sah Taylor an und  dachte: Das ist also mein Mann. Ich war noch nie so glücklich. Ich sage immer noch wahnsinnig gern „mein Mann“. Aber in all den Jahren haben Sie nur zwei Filme unter seiner Regie gedreht („White Nights“, 1985, und „Love Ranch“, 2010). Wir geraten regelmäßig aneinander. Taylor kann sehr herrisch sein, seine Freunde nennen ihn „Chef“. Ich nicht, so weit kommt’s noch! Er kommandiert mich manchmal ganz schön herum. Aber mit ihm ist mein Leben einfach interessanter.

Braucht man für die Liebe starke Nerven?

Geduld und Gelassenheit, ja. Aber bitte nicht zu viel, sonst wird man untergebuttert. Man muss auch mal auf den Tisch hauen. Es ist ganz gesund, gelegentlich die Fassung zu verlieren.

Gab es eine schönste Zeit in Ihrem Leben?

Die beste Zeit überhaupt sind die Jahre zwischen 30 und 40, finde ich: Man ist immer noch jung, kann sich aber langsam entspannen. Mit 20, 25 sind wir noch so unsicher. Ich beneide die jungen Frauen von heute um ihre Freiheit, andererseits sind sie damit aber auch oft überfordert. Wissen Sie was? Ich liebe mein Leben, wie es jetzt ist. Ab 15. Februar stehen Sie in London mit dem Theaterstück „The Audience“ auf der Bühne – wieder als Elizabeth II. Ich weiß. Es ist schon etwas billig, dass ich die Queen noch mal spiele. Aber ich konnte diese Rolle einfach keiner anderen überlassen!

STECKBRIEF HELEN MIRREN

  • GEBOREN: als Ilyena Vasilievna Mironova am 26. Juli 1945 in London.
  • KARRIERE: Mit 19 ist sie eine gefeierte Shakespeare-Darstellerin, berühmt wird sie aber erst 1991 als TV-Kommissarin in „Heißer Verdacht“. Ihre persönliche Lieblingsrolle ist die fiese Lehrerin in „Tötet Mrs. Tingle!“ (1999).
  • FAMILIE: Ihr Vater stammt aus russischem Adel und änderte den Familiennamen in Mirren. Schwester Kate ist ihre engste Vertraute. Helen Mirren lebt mit ihrem Mann, Regisseur Taylor Hackford, in Los Angeles, London und Italien.

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