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Interview: Harald Krassnitzer

In seiner neuen ARD-Serie gibt er den Konfliktlöser. Und auch im wahren Leben scheut er Auseinandersetzungen nicht. Es sei denn, es geht um seinen Bart

Harald Krassnitzer Interview: Harald Krassnitzer © Hannes Magerstaedt / Getty Images

Steckbrief Harald Krassnitzer

  • Geboren: am 10. September 1960 in Salzburg.
  • Karriere: Er ist der Wiener „Tatort“-Kommissar Moritz Eisner, war „Der Winzerkönig“ und „Der Bergdoktor“. Im April wurde „Tatort: Angezählt“ mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet.
  • Privat: Mit Schauspielerin Ann-Kathrin Kramer ist er seit 2009 verheiratet. Sohn Leo stammt aus Kramers Beziehung mit Jan Josef Liefers. Die Familie lebt in Wuppertal.

In der neuen ARD-Serie „Paul Kemp - Alles kein Problem“ gibt Harald Krassnitzer (53) einen Mediator auf Schlichtungsmission. Wir sprechen also übers Streiten und Vertragen. Und über Nicht-Perfektion. Da passt es, dass wir uns im Hamburger Nobelhotel „Atlantic“ treffen, wo hinter perfekten Fassaden Dielen unperfekt knartschen – auf sehr charmante Weise.

Herr Krassnitzer, was ist ein Mediator?

Ein Konfliktlöser. Mit einer eigenen Technik aus psychoanalytischen und psychologischen Kenntnissen.

Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet? Viel gestritten, viel vertragen?

(Lacht.) Nein, ich habe mich oft mit unserem Berater Ed Watzke getroffen, der viele der umgesetzten Geschichten tatsächlich erlebt hat. Das Wichtige ist, dass der Mediator weiß, wann er sich aus einer Geschichte zurückziehen sollte. Und darauf achtet, dass die Kontrahenten quasi selbst das Ergebnis finden. Sie dahin zu bringen ist die Aufgabe des Mediators.

Schwingungskompetenz ist gefragt?

Ja, und er sollte nie in den Verdacht kommen, die Interessen eines der Konfliktpartner zu vertreten. Das ist nicht immer einfach. Wir Menschen neigen ja gern dazu, Partei zu ergreifen.

Wie lösen Sie denn privat Konflikte?

Dinge rechtzeitig äußern und so offen wie möglich sein, das sind meine Methoden. Mittlerweile habe ich ja auch etwas Lebenserfahrung und weiß, wann ein Konflikt ansteht.

Und was bedeutet Ihnen Streiten und Vertragen?

Jeder, der behauptet, Streiten sei blöd, lebt nicht richtig. Ein Krach ist eine der wesentlichen Voraussetzungen für die Weiterentwicklung. Man sollte Dinge auch mal ausstreiten. Oft braucht man auch die Auseinandersetzung, um das Problem überhaupt benennen zu können. Das klingt zwar komisch, aber streiten ist für mich wichtig, wenngleich es nicht alltäglich sein muss.

Jetzt gelten Österreicher als „Durch-die-Blume-Redner“. Ihre Frau Ann-Kathrin Kramer sei dagegen sehr direkt, sagen Sie – wie verträgt sich das?

Hervorragend. Sie kennt meinen Code und ich ihren. Und sobald man den geknackt hat und die jeweiligen Charakterzüge oder kulturellen Eigenschaften kennt, nimmt man nicht immer alles für bare Münze. Dadurch verlieren Situationen oft an Schärfe.

Mag Ihre Frau eigentlich Ihren Bart?

Nein.

Sie tragen ihn trotzdem. Sitzen Sie Konflikte also auch mal aus?

Na ja, mir wird er ja nach drei Wochen auch lästig.

Das ist eine lange Zeit!

(Lacht.) Nach etwa zwei Wochen kommt das erste Mal: Wann rasierst du dich denn wieder? Die dritte Woche sitze ich tatsächlich aus – aber dann kratzt er ohnehin und muss weg.

Sie haben mal über sich gesagt: „Ich gönne mir manchmal den Luxus, unperfekt zu sein.“ Wie sieht Ihre Unperfektion denn aus?

Die sitzt Ihnen gerade gegenüber: nicht rasiert, wirres Haar, etwas müde. Ich bin nicht immer politisch korrekt, launisch. Ich funktioniere dann nicht und will unfolgsam und undiszipliniert sein (lacht).

Unfolgsam?

Ja, das verschafft einem doch die größte Nähe zu sich selbst. Ich nehme mir dann einen Tag, brauche Luft, muss schreien, heulen oder pupsen.

Ihre Serien-Ehefrau betrügt Sie. Wie würden Sie in so einem Fall reagieren?

Wenn es um eine Rolle ginge, wüsste ich sehr genau, wie man darauf reagieren könnte. Aber als Privatperson fällt es mir schwer, in diesen hypothetischen Bereich zu gehen. Doch ich denke, ich bin dem Paul Kemp da sehr ähnlich.

Warum sind Sie eigentlich damals nach Wuppertal gezogen?

Weil ich meine Lebenssituation nie nach der Bedeutung von Orten bemessen habe, sondern danach, ob ich mich wohlfühle. Und weil sich aus unserer Beziehung heraus erwiesen hat, dass Wuppertal der beste Punkt für unsere Kleinfamilie mit Sohn Leo war. Annes Eltern wohnten direkt nebenan, und das ländliche Gebiet mit überschaubaren Strukturen war und ist ideal. Dort achten Menschen aufeinander.

Wie geht es Ihrer Patchwork-Familie?

Ich würde es nicht Patchwork nennen, aber ich finde die Lösung optimal. Jan Josef ist bei uns zu Gast, besucht den Leo, wann immer er kann. Es wird miteinander gegessen, er übernachtet bei uns, die Jungs unternehmen gemeinsam etwas – all das ist stressfrei, ohne Ressentiments, ohne Organisationswahnsinn. Es wird der Situation, nicht dem Begriff gerecht.

Herr Krassnitzer, Sie haben mal erzählt, dass Sie sich handyfreie Zeitzonen einrichten. Machen Sie das immer noch?

Ja, sehr zum Leidwesen vieler meiner Freunde und Geschäftspartner (lacht).

Wie lange dauert so eine Phase?

Die kann zwei Wochen dauern.

Sie schweigen also auch mal gern?

Stille. Wäre die Interview-Zeit nicht zu Ende, ich hätte mich auf ein Schweige-Duell eingelassen. Beim nächsten Mal, Herr Krassnitzer.