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Interview: Hannelore Elsner und Nadja Uhl

Leben ist Veränderung. Das zeigen nicht nur die Karrieren der beiden Ausnahme-Schauspielerinnen Hannelore Elsner & Nadja Uhl. Sondern auch ihr gemeinsamer Film.

Hannelore Elsner Nadja Uhl im FÜR SIE Interview Interview: Hannelore Elsner und Nadja Uhl © Gisela Schober/Getty Images

Hannelore Elsner

Geboren: am 26. Juli 1942 in Burghausen, Bayern.
Karriere: Kinodebüt mit 17 an der Seite von Freddy Quinn, TV-Erfolg als „Die Kommissarin“ Lea Sommer. Mit Doris Dörrie und Nadja Uhl drehte sie 2008 bereits den Film „Kirschblüten – Hanami“.
Privates: Elsner hat einen erwachsenen Sohn (32). Sie lebt in Frankfurt/Main.

Nadja Uhl

Geboren: am 23. Mai 1972 in Stralsund.
Karriere: Durchbruch mit „Die Stille nach dem Schuss“ (2000). Weitere Kino-Erfolge: „Sommer vorm Balkon“ und „Männerherzen“.
Privates: Uhl lebt mit Partner Kay Bockhold, ihren Töchtern (7 und 4) und Freunden in einer Mehrgenerationen-WG in Potsdam.

Das einstige Hippie-Paradies Torremolinos ist zur Touristenhochburg geworden. Hier gibt’s alles inklusive – nur glücklich muss man immer noch selbst sein. Im Kinofilm „Alles inklusive“ spielen Hannelore Elsner (71) und Nadja Uhl (41) Mutter und Tochter, die in dem spanischen Badeort ein außergewöhnliches Familientreffen erleben. Leider nicht am Strand, sondern im nasskalten München treffen sich die beiden Schauspielerinnen zum FÜR SIE-Gespräch. Es geht um erlebte Urlaube, um Rebellionen, kleine und große Freiheiten – und natürlich um das Leben an sich.

Meine Damen, haben Sie schon mal einen All-inclusive-Urlaub gemacht?

Hannelore Elsner: Nein, ich mache fast nie Urlaub. Früher, als mein Kind noch klein war, sind wir natürlich in die Ferien gefahren, aber immer auf eigene Faust, einfach mit dem Auto irgendwohin.
Nadja Uhl: Ich habe mit meiner Familie schon mal Pauschalurlaub gemacht, es gab da ein sehr verlockendes Last-Minute-Angebot. Aber das ist nicht so mein Ding. Am liebsten zelte ich mit meinen Kindern.
Elsner: In diesen Clubhotels wären mir zu viele Menschen – alles zu durchorganisiert und zu wenig individuell.
Uhl: Zu wenig Erholung.
Elsner: Das, was ich mir wünsche, ist heutzutage Luxus. Nämlich dass es einsam ist und ruhig. Bloß kein Remmidemmi.
Uhl: Geht mir genauso.

Gibt es einen Ort, an den Sie immer wieder zurückkehren? Und waren Sie schon mal enttäuscht, wenn es dort plötzlich ganz anders war?

Elsner: Ich war zweimal in meinem Leben auf Bali. Aber dann habe ich gehört, dass es jetzt nicht mehr so schön ist. Bevor ich wieder an einen Ort fahre, erkundige ich mich, wie es dort jetzt aussieht. Böse Überraschungen möchte ich lieber vermeiden.
Uhl: Wir fahren jedes Jahr an den Ferienort meiner Kindheit in Mecklenburg-Vorpommern. Es ist großartig, meine eigenen Kinder dort umherspringen zu sehen. Aber ich habe mit meiner Familie auch schon gewagte Reisen unternommen. Bei den Dreharbeiten zu „Dschungelkind“ sind wir für drei Monate nach Malaysia gezogen, in den Urwald. Ein echtes Abenteuer! So ein Pool- Urlaub mit „Kids Club“ und Animation wäre da schon praktischer. Meine Kinder würden sicher Juhu schreien. Aber ich verschweige es ihnen einfach (lacht).
Elsner: Stimmt, als mein Sohn klein war, habe ich ihn oft mitgenommen. Wir haben zum Beispiel im Senegal gedreht, da war auch alles inklusive. Oder auf dem „Traumschiff“. Das war toll. Aber wirklich Urlaub machen möchte ich so nicht.

In „Alles inklusive“ geht es um Veränderung und die Frage, ob Menschen sich ändern können oder müssen, um glücklich zu werden. Wie war noch der Spruch aus dem Film?

Elsner: Es ist, wie es ist, weil es war, wie es war.

Also ändert sich alles? Oder bleibt alles, wie es ist?

Elsner: Es ändert sich natürlich alles. Die Frage ist, welche Einstellung man dazu hat. Veränderung muss ja nichts Schlechtes sein. Man muss offen sein, darf sich nicht sperren. Außer wenn es um festgefahrene Meinungen und Konventionen geht, dann kann man ruhig gegen den Strom schwimmen! Aber im Allgemeinen sollte man sich gehen lassen – im besten Sinne.
Uhl: Ich finde, dass beides stimmt. Wenn man das Leben als Fluss betrachtet, als ewigen großen Kreislauf, dann bleibt alles gleich. Geburt, Tod, Freude und Leid – das hat es alles zu allen Zeiten schon gegeben. Aber wie wir unser Dasein konkret gestalten, das steht jedem frei. Das Leben ist so, wie man es selbst sieht. Es hängt alles von der eigenen Perspektive ab. Und die kann sich immer wieder ändern. Man darf in Bewegung bleiben und sich weiter entwickeln. Aber wenn uns eine Veränderung nicht guttut, dürfen wir auch mal sagen: Ich möchte, dass es so bleibt, wie es ist.
Elsner: Im Idealfall sollte es darauf hinauslaufen, dass man das Leben immer schöner findet und genießt. Dazu gehört, dass man dankbar ist. Es sollte im Leben immer aufwärts gehen, nie abwärts. Zumindest im eigenen Kopf.

Frau Elsner, die Ingrid, die Sie in „Alles inklusive“ spielen, gehörte zur Hippie-Generation. Steckt ein Hippie in Ihnen?

Elsner: Ein Hippie war ich bestimmt nicht, weil ich schon sehr früh meinen Beruf ergriffen und gearbeitet habe. Ich hätte mir damals gewünscht, einer zu sein. Wobei ich gar nicht so genau wusste, was das eigentlich ist. Rumhängen und Gras rauchen wollte ich jedenfalls nicht. Aber ich war dabei, als sich die jungen Leute in den 60er-Jahren von den Konventionen losgesagt haben. Freie Liebe, Rebellion – dazu musste man kein Hippie sein.
Uhl: Vielleicht kein Hippie, aber ein Freigeist. Ich persönlich finde es wichtig, eine Haltung zu haben und die Dinge immer wieder zu hinterfragen, sich eine eigene Meinung zu bilden. Ich bemühe mich, die Verantwortung für mein Handeln so wenig wie möglich abzugeben.
Elsner: So reflektiert war das damals gar nicht, das war einfach der Zeitgeist. Es musste Schluss sein mit diesem ganzen 50er-Jahre-Mief. Das brauchte einem niemand erst zu sagen. Auf einmal war es da, dieses Gefühl …
Uhl: Eine echte Befreiung, oder?
Elsner:Unglaublich, ja. Und sie kam aus uns selbst heraus. Wir haben uns wirklich frei gefühlt.
Uhl: So ging es mir, als die Mauer fiel. Da hat sich alles plötzlich losgelöst. Man hat gespürt, dass die Zeit reif dafür war.

Wie haben Sie sich mit 17, 18 Jahren Ihr Leben ausgemalt?

Elsner: Ich war auf der Schauspielschule und habe dann gleich Theater gespielt, das war mir das größte Abenteuer. Klar, mal ein Jahr abzuhauen, davon träume ich schon mein ganzes Leben. Aber diesen Traum hat jeder, oder? Bislang war das nicht möglich. Aber ich war innerlich auf Reisen, in meinen Rollen.
Uhl: Ich bin sehr behütet aufgewachsen, in einem kleinen Ort in der Nähe von Berlin. Die Schauspielerei war meine große Leidenschaft, und ich träumte davon, mein Hobby zum Beruf zu machen. Und dann geschah das Wunder, als ich 17 war: Die Wende kam, und plötzlich war alles möglich. Meine ganze Welt veränderte sich. Gleichzeitig wusste ich auch immer, dass ich später Kinder haben möchte, Hunde und ein Haus im Grünen. Ganz spießig.
Elsner: Das finde ich überhaupt nicht spießig.
Uhl: Das war der einzige Plan, den ich in meinem Leben verfolgt habe, und ich bin sehr glücklich damit. Aber mit 17 fiel es mir noch viel leichter zu sagen: Es kommt, wie es kommt.

Wird man mit dem Alter gelassener?

Elsner: Ach, Unsinn! Wenn man offen bleibt, ist man noch genauso empfindsam und empfänglich, für die Liebe und auch für Schmerz.
Uhl: Gelassenheit ist nicht meine Stärke, aber ich arbeite daran. Dabei bin ich so erzogen worden: (mit tiefer Stimme) „Da musst du dir jetzt gar keinen Kopp machen, meen Deern, das kommt eh alles anders.“ (Lacht.) Das war bei uns zu Hause die Philosophie, und die möchte ich mir unbedingt bewahren. Denn ich glaube, das ist wichtig im Leben: nicht zu viel zu erwarten, sondern sich zu sagen: Alles kommt, wie es kommen soll.

Die neurotische Apple redet sich im Film um Kopf und Kragen. Reden Sie auch zu viel, wenn Sie nervös sind, Frau Uhl?

Uhl: Also, nicht so viel wie Apple! Aber sie ist ja auch ein Extremfall, die merkt das schon gar nicht mehr.
Elsner: Das ist eine wunderbare Rolle, und Nadja hat sie toll gespielt, finde ich.
Uhl: Danke Hannelore, da freu ich mich. Gespräche tun doch gut, sind doch wichtig. Ich liebe es, wenn Frauen – und Männer! zusammensitzen und bis vier Uhr morgens quatschen, weil alle die Zeit vergessen haben.