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Interview: Celine Dion

Die erfolgreiche Popsängerin Celine Dion über offene Wünsche, den Trost deftiger Mahlzeiten – und „uncoole“ Erziehungsprinzipien

Celine Dion Interview: Celine Dion © PIERRE ANDRIEU/AFP/Getty Images

Celine Dion

Geboren: am 30. März 1968 im kanadischen Charlemagne.
Karriere: Mit zwölf wird sie von Musikmogul René Angélil entdeckt, 1988 gewinnt sie (für die Schweiz) den Eurovision Song Contest und wagt sich 1990 auf den US-Markt. Ihr größter Hit: „My Heart Will Go On“ aus dem „Titanic“-Soundtrack. Im März 2011 startete „Celine“, ihre zweite Las-Vegas-Show im „Caesars Palace“, die bis 2019 läuft. Bis dahin wird sie in Vegas gut 750 Millionen Dollar verdient haben. Einen Teil davon investiert Celine in Restaurants und Golfplätze.
Privates: Celine ist mit ihrem Manager René Angélil verheiratet. Sie haben die Söhne René-Charles (12), Eddy und Nelson (3, Zwillinge).

Celine Dion in Las Vegas
Celine Dion

Einen kleinen Einblick in die Show von Celine Dion gibt es hier>>

Dreifache Mutter, millionenschwere Geschäftsfrau, weltbekannte Sängerin: Die 45-jährige Kanadierin hat alles erreicht. Nur von dem Menschen hinter all dem Lametta weiß man wenig. Sechs Jahre hat sie geschwiegen und sich auf ihre Familie und ihre Vegas-Show konzentriert. Jetzt, zur Veröffentlichung ihres 25. Studio-Albums „Loved Me Back To Life“, lädt sie zur Privataudienz nach West Palm Beach, zwei Autostunden von Miami. Es sind die letzten Tage im imposanten 72-Millionen-Dollar- Anwesen inklusive Wasserpark und Privatzoo. Es steht zum Verkauf, die Familie zieht nach Las Vegas. Der mondänen Szenerie zum Trotz wirkt die oft als Diva titulierte Sängerin erstaunlich normal: Sie gibt sich locker, redselig und humorvoll.

Frau Dion, Ihr Haus ist ein richtiger Palast. Brauchen Sie diesen Luxus?

(Lacht.) Es ist nicht so, dass ich ihn brauchen würde. Aber ich komme aus einer Familie mit 14 Kindern, aus ganz bescheidenen Verhältnissen. Ich weiß, was es heißt, in der Schule gehänselt zu werden, weil man nicht die neuesten hippen Klamotten hat. Ich war ein hässliches Entlein, das die alten Sachen seiner Geschwister auftragen musste und nur ein Talent besaß – seine Stimme. Die habe ich genutzt, um mir meinen Lebenstraum zu erfüllen – und ich genieße ihn auch.

Das klingt nach einer Entschädigung für eine schwere Kindheit?

Oh ja, deshalb habe ich auch 3000 Paar Schuhe …

Das meinen Sie nicht ernst!

Doch! Ich liebe es, zu shoppen und mir zu kaufen, was mir gefällt. Das sind meistens Schuhe: Ich liebe sie und will sie auch tragen. Wobei ich mich oft selbst erschrecke, wie viele ich da über die Jahre zusammengetragen habe. Nach dem Motto: „Habe ich vielleicht ein Problem? Läuft da etwas falsch?“

Und, tut es das?

Es ist eine Sache, die ich mir gönne und für die ich hart arbeite. Ich meine, kann sich jemand vorstellen, wie anstrengend es ist, viermal pro Woche auf der Bühne zu stehen, eine Zwei-Stunden-Show zu absolvieren und nebenbei drei Kinder großzuziehen?

Also überlassen Sie das nicht Nannys, Au-pairs oder sonstigen Helfern?

Nein, ich habe zwar Hausangestellte und einen Koch, aber um meine Kinder kümmere ich mich selbst. Die Zwillinge sind ja erst drei, und mein Ältester tritt jetzt ins Teenageralter ein. Das ist eine Phase, in der er viel Aufmerksamkeit braucht – obwohl er mich natürlich als total uncool erachtet. Was ich auch bin. Ich bin eine Mutter, die Königin des Nein-Sagens.

Sind Sie wirklich so tough?

Ich muss es sein! Andernfalls wäre ich im Leben nie so weit gekommen. Mir ist nie etwas zugefallen, und die einzige Schwäche, die ich mir leiste, ist gutes, deftiges Essen. Auch gern deutsche
Küche!

Wann werden wir Sie wieder in unseren Breitengraden erleben?

Das ist ein Problem. Ich bin momentan so eingespannt, dass ich keine Zeit für eine Welttournee habe. Deswegen muss Deutschland noch etwas warten. Aber irgendwann 2014 schaue ich bestimmt für ein Konzert vorbei. Ansonsten bin ich eben fest in Las Vegas, wo ich mich bis 2019 an das Colosseum im „Caesars Palace“ gebunden habe.

Wird das Singen da nicht zur Routine, weil es immer dasselbe ist?

(Seufzt.) Doch, das ist schon eine Herausforderung und macht nicht so viel Spaß, wie um die Welt zu reisen.

Warum lassen Sie sich dann darauf ein?

Aus zwei Gründen: Es gibt meinen Kindern das Gefühl von Stabilität, wenn sie an einem festen Ort aufwachsen, statt mit mir durch die Gegend zu jetten. Und ich will, dass sie ein halbwegs normales Leben führen, zur Schule gehen, Freunde haben und sich zu Hause fühlen. Zum anderen ist da mein Mann, der 71 ist und dem das Reisen immer schwererfällt. Darauf nehme ich Rücksicht.

Was hat Celine Dion noch für Ziele und Träume?

Ich möchte unbedingt mit Adele singen – eine fantastische Sängerin. Sie hat so etwas Kratziges und Direktes, das ich nie hatte. Ich habe immer versucht, noch höher zu singen und den Ton länger zu halten – als würde es darum gehen, die Olympischen Spiele des Singens zu gewinnen. Was ein Irrtum ist. Deshalb singe ich auf meinem neuen Album auch viel natürlicher und normaler. Was sogar mein ältester Sohn wieder cool findet. Es besteht also noch Hoffnung (lacht).