Interview

Beth Ditto

Wir haben Beth Ditto, die schrille Frontfrau der Band Gossip, zum Interview getroffen. Außerdem zeigen wir Ihnen Ihnen die ausgefallenen Outfits der Sängerin. Seit dem 11. Mai 2012 ist das neue Gossip-Album "A Joyful Noise" im Handel erhältlich.

Beth Ditto Beth Ditto © Getty Images

Klein, dick, lesbisch und sehr nett: Sängerin Beth Ditto (31) ist das exakte Gegenteil des modernen Popstars – und genau damit gefragter denn je

STECKBRIEF

  • HEIMAT: Geboren am 19. Februar 1981 als Mary Beth Patterson in Arkansas. Lebt heute in Portland.
  • KARRIERE: Ihre Band Gossip schaffte den Durchbruch 2009 mit Album Nr. 4: „Music For Men“ verkaufte sich millionenfach, ihre Auftritte begeisterten die Modewelt.
  • PRIVATES: Auf ihre sexuelle Präferenz (lesbisch) ist Beth so stolz wie auf ihr Gewicht (rund 100 Kilo).

London, Liverpool Street. Im mondänen „Andaz Hotel“ bin ich mit Beth Ditto, Sängerin der US-Indie-Rockband Gossip, verabredet. Wohin ich blicke: Design-Luxus vom Feinsten. Und in Zimmer 608: ein lebendiges Kunstwerk. Da sitzt sie, im Pastellkleid zu High Heels, mit 50er-Jahre-Frisur, knallroten Lippen und Glamour-Make-up. Divenhaft räkelt sie sich auf der weißen Ledercouch, nippt an einer Tasse Tee. Doch so cool, wie sie wirkt, bleibt sie nicht. Die Amerikanerin, so zeigt sich, ist eine charmante Gesprächspartnerin, die Spaß macht – und Spaß hat.

Für Sie: Beth, du sitzt in einer sündhaft teuren Hotelsuite, vor der Tür wartet die Weltpresse. Was ist das für ein Gefühl, so begehrt zu sein?

Beth Ditto: (Sie kichert) Es ist irre. Zumal ich nicht weiß, was die hier wollen. Ich bin nur die Sängerin einer Band, die ein paar Hits hatte, mehr nicht. Und die plötzlich alle cool finden, obwohl wir dasselbe machen wie vor Jahren. Damals hat sich niemand für uns interessiert.

Hat das nicht in erster Linie mit dir zu tun? Schließlich entsprichst du nicht dem Bild des konventionellen Popstars – und hast trotzdem beste Kontakte zur Modewelt …

Keine Ahnung, wieso. Vielleicht halten sie mich für einen Freak und amüsieren sich hinter vorgehaltener Hand über mich. Oder ihnen gefällt, dass ich natürlicher und echter bin als andere in dieser Branche. Schließlich entspreche ich keinem Schönheitsideal, sondern bin ein kleines, dickes, lesbisches Mädchen.

Du meinst, Karl Lagerfeld, der dich als Muse bezeichnet und als Model bucht, fühlt sich von dir als Gegenpol angezogen?

Ich denke schon. Schließlich ist er ein abgemagerter älterer Herr, der sich in viel zu enge Klamotten zwängt und festgefahren ist in seinen Gewohnheiten. Dann kommt jemand wie ich, der aus armen Verhältnissen stammt, aber auch Mode, Musik, Make-up und Kunst liebt und darauf einen ganz anderen Blickwinkel hat. Das findet er aufregend.

Unterwanderst du den Glitzer und Glamour der schicken Prêt-à-porter-Welt?

Das tue ich wirklich. Ich habe zum Beispiel gerade eine Make-up-Linie für MAC entworfen – und dabei einen ganz anderen Ansatz verfolgt als meine Vorgängerinnen. Ich habe multifunktionale Produkte entwickelt. Denn als Teenie hatte ich gerade mal genug Geld für eine Farbe – und konnte mich nie entscheiden, welche ich nehmen soll. Deshalb bringe ich Stifte an den Start, die mehrere Farben enthalten und dadurch viel Abwechslung bieten.

Das gilt auch für dein neues Album …

Genau. Wir machen Dance und Punk, Electronica und Rock. Wir kombinieren, was uns fasziniert, und kreieren etwas, das tanzbar ist, aber auch rockt. Das klingt dann so, als hätte man Black Sabbath mit Kylie Minogue gekreuzt.

Stimmt es, dass du eine Karrierepause planst, weil du Zeit für Kinder haben möchtest?

Ja, aber das liegt jetzt noch nicht an. Ich will zwar unbedingt Mutter werden, meine Freundin und ich reden auch sehr intensiv darüber – wir meinen das ernst. Aber wir wollen noch ein paar Jahre warten, weil momentan zu viel Stress herrscht und nicht klar ist, ob das mit dem Erfolg so bleibt. Von daher habe ich mir vorgenommen, zu warten, bis ich 37 bin. Ich denke, das ist das Vernünftigste.

Das klingt sehr reif und erwachsen.

Das bin ich auch! Ich bediene ein großes Publikum, ernähre ein Dutzend Leute, habe Verantwortung gegenüber der Plattenfirma. Ich bin eine Geschäftsfrau. Gleichzeitig liebe ich meinen Job, habe meinen Spaß und genieße alles in vollen Zügen. Ich lebe meinen Traum!

Angeblich schreibst du schon an deiner Autobiografie. Bringt das auch so viel Spaß?

Ja, aber der Verlag ist schon ziemlich genervt von mir. Ich habe zwei Ghostwriterinnen verschlissen, habe ständig Änderungen – und ein schlechtes Gewissen, was meine Familie betrifft.

Du hast ein schlechtes Gewissen? Das passt gar nicht zu dir. Wieso?

Ich erzähle einige Sachen aus meinem Privatleben, die ihnen als strenggläubige Christen gar nicht gefallen dürften. Ich möchte nicht dabei sein, wenn die Kirchengemeinde meiner Tante mitbekommt, wie meine ersten lesbischen Erfahrungen aussahen …

Warum veröffentlichst du das dann?

Weil es kein Zurück gibt. Ich habe vor vier Jahren einen Vertrag unterschrieben, dass ich das mache. Und ich stehe zu meinem Wort. Auch wenn’s wehtut.

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