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Interview: Andrea Sawatzki

Ihr markantes Gesicht und die feuerroten Haare kennen wir alle. Doch wussten Sie, dass die Schauspielerin auch Krimis schreiben kann? FÜR SIE traf Andrea Sawatzki zum Interview.

Andrea Sawatzki Interview: Andrea Sawatzki © Getty Images

Als „Tatort“-Kommissarin Charlotte Sänger klärte sie jahrelang Verbrechen auf. Diesmal aber hat Andrea Sawatzki selbst eins geplant und begangen – auf dem Papier: Mit „Ein allzu braves Mädchen“ legt die 50-Jährige jetzt ihren ersten Roman vor. Ein Krimi, ja, aber ein außergewöhnlicher. Deshalb möchten wir möglichst wenig verraten. Aber wie eine viel beschäftigte Schauspielerin und Mutter mal eben so ein Buch schreibt, wollten wir genauer wissen.

Filme, Hörbücher, 2012 hatte Ihr Liederabend Premiere, nun auch noch ein Roman. Wie schaffen Sie das alles, Frau Sawatzki?

Zum Glück kann ich überall schreiben: im Zug, an Flughäfen, abends im Hotel, zwischendurch. Aber ich habe sehr lange gebraucht, bis ich zu meiner Geschichte fand. Die Suche danach war die eigentliche Arbeit.

Wie ist die Idee entstanden?

Durch die Beschäftigung mit meiner Kindheit. Seit ich Mutter bin, setze ich mich natürlich stark mit Erziehung auseinander. Meine Kinder haben mich dazu gebracht, an mich selbst als Kind zurückzudenken: Wie war das eigentlich bei mir, als ich in dem Alter war? Ich fing an, Erinnerungen und Gedanken aufzuschreiben.

Und warum haben Sie sich ausgerechnet für einen Krimi entschieden?

Ich wollte auf keinen Fall, dass es melodramatisch wird. Anfangs gab es sogar einen Kommissar und einen Keller, in dem Frauenleichen gefunden werden ... Ich habe versucht, mich an er eigentlichen Geschichte vorbeizuschummeln. Das Buch ist nicht autobiografisch, aber es stecken schon eigene Erlebnisse darin.

„Ein allzu braves Mädchen“ waren Sie doch aber sicher nicht, oder?

Ich war sogar sehr brav, aber nur als Kind. Bis zu meinem 13. Lebensjahr. Dann starb mein Vater, und ich habe mir meine Freiheit zurückgeholt. Er hatte Alzheimer. Damals hat man sich dafür geschämt. Man zog sich zurück, war nicht mehr Teil der Gesellschaft. Weil der Betreffende die Menschen, die zu Besuch kamen, vielleicht nicht mehr erkannte, weil er nicht mehr berechen- bar war. Heute werden Familien da ganz anders unterstützt.

Sie haben das Buch Ihrem Mann Christian Berkel gewidmet. Steigt er Ihnen manchmal aufs Dach, weil Sie so viel arbeiten?

Der ist ja selbst so viel unterwegs (lacht). Nein, wir freuen uns, wenn der andere wieder etwas Neues entdeckt. Christian hat mich immer ermutigt. Es ist mein Leben, und ich habe das Recht, alles auszuprobieren.

2011 sind Sie bei „Let’s Dance“ angetreten, weil Sie tanzen lernen wollten. Gibt es noch etwas, was Sie gern können würden?

Fremdsprachen! Mein Mann spricht vier. Wenn wir in Frankreich sind und Christian sich mit unseren französischen Freunden unterhält, kann ich wenig beitragen. Deswegen ist es auch so schön, dass unsere Jungs auf einer internationalen Schule sind: Sie sprechen fließend Englisch.

Sie haben mal erzählt, dass Ihre Kinder ohne Fernsehen aufwachsen.

Sie dürfen fernsehen, aber das interessiert sie gar nicht. Unser Fernseher war jetzt drei Monate kaputt, und wir haben nichts vermisst. Bruno malt und macht Breakdance. Moritz, unser Großer, spielt Fußball. Die sind abends kaputt. Moritz ist ganz vernünftig. Er möchte am nächsten Morgen nicht so müde sein, also geht er freiwillig ins Bett. Bruno geht nur, wenn wir versprechen, ihm noch was vorzulesen.

Haben Sie sonst noch Familienrituale?

Einmal im Jahr fahren wir einen Monat in unser spanisches Dorf, das Haus hat Christian von seinen Eltern geerbt. Es liegt in der völligen Einsamkeit. Ängstlich darf man da nicht sein. Manchmal funktioniert der Strom nicht, Internet gibt es sowieso nicht – toll.

Gibt es etwas, das Ihnen richtig schwerfällt?

Früh aufstehen. Die Kinder morgens zu wecken ist schrecklich. Auch fällt es mir schwer, von zu Hause wegzugehen, in ein Flugzeug oder einen Zug zu steigen. Da geht’s mir schon am Tag vorher schlecht. Und ich habe immer noch vor jedem Auftritt mit meinem Liederabend „Irgendwas ist immer“ Lampenfieber.

Es heißt, dass Sie vielleicht als „Tatort“- Kommissarin zurückkehren

Nein, das Kapitel ist abgeschlossen. Ich sehe mich inzwischen eher in der Rolle der Täterin.

Interview: Ulrike Schröder

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