Star-Talk Hannes Jaenicke im Interview

Der Schauspieler Hannes Jaenicke über Haie, die Rettung des Planeten, Kinder bekommen – und warum er abends zufrieden ins Bett steigt.

Hannes Jaenicke Hannes Jaenicke im Interview © Getty Images

Sie machen zurzeit mehr Schlagzeilen mit Naturschutz-Dokus als mit Spielfilmen. Gibt es ein Schlüsselerlebnis, das Sie auf diese grüne Bahn gebracht hat?

Kein aktuelles. Ich bin seit den 70er Jahren Greenpeace-Mitglied und habe unzählige Aufrufe unterzeichnet. Neu ist lediglich, dass ich diese private Leidenschaft ins Fernsehen bringe.

Sie drehen Dokus über bedrohte Tierarten wie Orang-Utans, Delfine, Eisbären, Haie. Haben die Filme etwas bewegt?

Auf jeden Fall. Ein kleines Beispiel: Ein paar Tage nach unserem Film über die Haie vermeldete die Handelskette REWE, dass man ab 2011 keine Hai-Produkte mehr verkaufen und den Fischeinkauf mit dem WWF koordinieren will. Das Kaufhaus KaDeWe in Berlin hat sich noch während unserer Dreharbeiten vom Hai-Sortiment getrennt – wir hatten dort Interviews geführt. Und das „Savoy Hotel“ in Köln hat nach dem Film sofort den Thunfisch von der Karte gestrichen. Für so ein Mini-Filmchen eine ganz schöne Welle!

Man kann die Welt also doch noch retten?

Absolut! Wir können jeden Tag unendlich viel tun! Denn in unserer Tasche steckt eine der mächtigsten Waffen: unser Geldbeutel. Damit können wir uns für umweltverträgliche Alternativen entscheiden und so den Markt beeinflussen. Ganze Bevölkerungsschichten verändern gerade ihr Konsumverhalten, gehen in Bio-Läden und zeigen der Lebensmittel-Mafia damit die rote Karte. Auch das Internet trägt dazu bei, weil es Wissen und Information so leicht abrufbar macht. Man kann uns Konsumenten nichts mehr vormachen. Angela Merkel und die Lobbyisten hätten es zwar gern anders. Aber es gibt immer mehr gut informierte Leute. Ich bin zuversichtlich!

Von Politik halten Sie demnach nichts?

Auf die Politik zu warten ist Quatsch, die Veränderung muss vom Einzelnen ausgehen. Ich bin zwar stilles Parteimitglied der Grünen. Aber ich bleibe lieber bei meinem angelernten Medium, dem Fernsehen. Da kann ich immer noch am meisten bewirken.

Erleben wir Sie denn zukünftig nur noch als Filmemacher, nicht mehr als Schauspieler?

Von Dokus allein kann kein Mensch leben, die mache ich in meiner sogenannten Freizeit. Ich habe 2010 in fünf Spielfilmen mitgespielt, die Anfang 2011 gesendet wurden. Ich werde meinen Beruf sicher nicht an den Nagel hängen. Dafür macht er mir viel zu viel Spaß.

Sie haben seit dem vergangenen Jahr eine neue Lebensgefährtin, die Naturwissenschaftlerin ist. Hat Ihr Engagement für die Umwelt Sie beide zueinandergeführt?

Sie meinen, ich hätte mich in Umweltschutzkreisen auf Partnersuche begeben? Nein, es war purer Zufall. Sie ist Biologin, aber das bedeutet nicht, dass wir 24 Stunden pro Tag über die Rettung der Erde sprechen.

BUCH-TIPP

Mann der Worte, Taten und Bilder: Hannes Jaenickes Dokus zeigen, wie wir den Lebensraum bedrohter Tiere wie Eisbären zerstören. Wege, Ökosysteme zu schützen, beschreibt sein Buch „Wut allein reicht nicht“ (Gütersloher Verlagshaus, 22,95 Euro)

Aber vielleicht manchmal über Kinder?

Die Frage nach dem Nachwuchs hat sich in den vergangenen Jahren nicht gestellt. Ich war zehn Monate im Jahr unterwegs. Zu viel, um ein guter Vater zu sein. Das müsste sich erst mal ändern, dann reden wir über den Rest.

Also schließen Sie Nachwuchs nicht aus?

Überhaupt nicht!

Viele Aktivisten sehen das anders: Angesichts von Umweltverschmutzung und Klimakatastrophen dürfe man keine Kinder mehr in die Welt setzen, wird oft behauptet. Was halten Sie von dieser Einstellung?

Das ist Unsinn. Natürlich sollte man weiter Kinder haben. Aber man sollte sie schlauer erziehen und ihnen das weitergeben, was wir kapiert haben. Wenn wir das tun und wenn Kinder mit Werten wie Nachhaltigkeit, sozialer Verantwortung und Nächstenliebe aufwachsen, bauen wir für alle eine bessere Zukunft.

Nachhaltigkeit und Nächstenliebe – sind das die Grundpfeiler Ihres Lebensmottos?

Sagen wir mal so: Je mehr ich mich engagiere, umso besser geht es mir doch. Je weniger ich mich nur um mich selbst und je mehr ich mich um andere kümmere, desto zufriedener steige ich abends ins Bett!

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Autor:
Martin Häusler