Schauspielerin Fritzi Haberlandt im Interview

Beim Arzt anrufen oder Blumen kaufen – das macht Fritzi Haberlandt nur ungern. Die Schauspielerin über ihre Schüchternheit und andere Macken.

Fritzi Haberlandt Fritzi Haberlandt im Interview © Getty Images

Für Sie: Sie haben einen sehr extrovertierten Beruf. Wie ist das bei Ihnen privat: Stehen Sie da auch gern im Mittelpunkt?

Nein, da ist bei mir wohl was schiefgelaufen. Ich finde es eigentlich furchtbar, aufzufallen. Wahrscheinlich habe ich diesen Beruf vom Schicksal geschenkt bekommen, damit ich so eine Seite mal ausleben darf. Privat bin ich nämlich eher schüchtern und zurückhaltend.

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Auch der Kaufhausdetektiv Udo, in den Sie sich in Ihrem neuen Film „Eine Insel namens Udo“ verlieben, ist schüchtern. Können Menschen wie er und Sie trotzdem über den eigenen Schatten springen?

Ja, wenn man nicht zu viel nachdenkt. Man muss springen und schwimmen! Bloß nicht vorher überlegen, wie die Schwimmbewegungen gehen. Ansonsten hilft auch Übung: Alles, was man öfter macht, verliert seinen Schrecken.

Was hat Sie das letzte Mal viel Überwindung gekostet?

Ich muss jeden Tag über diverse Schatten springen, im Kleinen wie im Großen – nicht nur wenn ich auf die Bühne muss. Arzttermine vereinbaren, bei der Versicherung anrufen: Ich hasse das, wäre gern souveräner.

Hatten Sie auch schon mal den Wunsch, auf der Stelle im Boden zu versinken?

Allerdings! Wenn ich unsicher bin, plappere ich schnell und unüberlegt drauflos. Das kann sehr peinlich werden.

An welche peinliche Situation denken Sie?

An den Klassiker. Es ist mir schon zweimal passiert, dass ich zu einer Frau gesagt habe: „Mensch, wie schön, du bist ja schwanger! Wann kommt denn das Kind?“ Und sie antwortete: „Du, ich bin nicht schwanger ...“ Schrecklich! Das war sehr unüberlegt von mir – sie hatte nur ein paar Kilo zugelegt.

Oder war vielleicht unvorteilhaft angezogen. Machen Kleider Leute?

Das finde ich schon. Ich bin ein sehr visueller Mensch, meine Augen sind mein wichtigstes Sinnesorgan. Und die Kleidung trägt nun mal viel zum ersten Eindruck bei. Obwohl ich weiß, dass solche Äußerlichkeiten trügerisch sind.

... und zu falschen Vermutungen führen.

Ja. Ich gehe dem ersten Eindruck oft auf den Leim: Menschen, die einen Raum betreten, sofort attraktiv und spannend wirken, entpuppen sich manchmal als total langweilig. Viel interessanter sind die Menschen, bei denen es erst auf den zweiten Blick viel zu entdecken gibt.

Worin besteht das Geheimnis einer starken Ausstrahlung?

Wenn Leute mit sich im Reinen sind, dann haben sie eine tolle Ausstrahlung. Das sehe ich besonders bei älteren Leuten. Irgendwann haben die sich gesagt: „Es ist gut so, wie es war.“ Und diese innere Gelassenheit sieht man ihnen an.

Inwiefern?

Sie strahlen eine Weisheit aus, die nichts mit Bildung oder Klugheit zu tun hat, sondern mit Lebenserfahrung. Da kann es schon mal im rechten Knie zwicken. Aber der eine sagt „So ist es halt“, und der andere jammert den ganzen Tag. Ausstrahlung ist, wenn man in der Welt steht und mit dem, wie man ist und was man macht, zufrieden ist. Niemand anderer sein zu wollen – das ist das Geheimnis.

Kann man diese Zufriedenheit lernen?

Man kann Menschen dazu bringen, über sich nachzudenken. Man kann sich weiterentwickeln, versuchen, die Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Und man kann sich Spleens abgewöhnen.

Haben Sie einen Spleen?

Nicht nur einen, ich habe viele Macken! Ich kaufe zum Beispiel ungern Blumen, weil ich sofort denke: In fünf Tagen sind die verwelkt, dann muss ich sie wegschmeißen, der Blütenstaub fällt überallhin, das Wasser in der Vase pampt… Das ist schon blöd: Die fünf Tage Freude an den Blumen gönne ich mir nicht wegen der zwei Minuten fürs Entsorgen! Außerdem bin ich ein totaler Kontrollfreak. Am liebsten würde ich jede Stunde im Voraus verplanen. Den Tag einfach mal auf mich zukommen zu lassen, das fällt mir wirklich schwer.

Können Menschen sich ändern?

Grundsätzlich ändern? Das geht nicht. Gott sei Dank! Es wäre schlimm, wenn wir wie Computerchips wären, die man nur anders programmieren muss.

 

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Autor:
Ulrike Schröder