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Diane Kruger im Interview

Sie hat Flugangst und jettet trotzdem um die Welt. Sie lotet Grenzen aus und ist dennoch bodenständig. Wir trafen Diane Kruger (35) in Berlin.

Diane Kruger Diane Kruger im Interview © Getty Images

Das Designer-Kleid sitzt, der Teint strahlt, die Haare sind perfekt. Glamourös, erholt und wach sieht sie aus, ganz Diva. Diane Kruger stellt in der Kasino-Lounge am Potsdamer Platz in Berlin ihren neuen Film vor. „Ich habe 24 Stunden mit dreimal Umsteigen gebraucht, um hierherzukommen, weil ich gerade in Louisiana drehe“, erzählt sie. „Und morgen geht es schon wieder zurück. Das wird heftig.“ Wie gut, dass „heftig“ zu ihren Stärken zählt.

FÜR SIE: Nach der schönen Helena spielen Sie jetzt Marie Antoinette. Fällt es Ihnen leicht, sich in solche Ikonen hineinzuversetzen?

Diane Kruger: Oh, doch. Antoinette betrachte ich zum Beispiel weniger als Königin denn als Mensch. Ich habe viele Gemeinsamkeiten mit ihr entdeckt. Wie sie kam ich als Teenager nach Frankreich und war völlig isoliert, weil ich mich nicht verständigen konnte. Und wie sie sich am Hof mit seiner Etikette zurechtfinden musste, so musste ich mit der Welt der Models klarkommen. Marie Antoinettes Gefühle kann ich also durchaus nachempfinden. Sie spielen ja immer wieder Frauen in extremen Situationen.

Ihre nächste Rolle ist sogar ein Alien. Was reizt Sie daran?

Die seelischen und körperlichen Herausforderungen, die Anstrengung. Ich bin noch zu jung, um mich zu entspannen. Mir wäre langweilig. Das Einzige, was ich nie machen würde, ist eine Geschichte über einen Flugzeugabsturz, denn ich habe totale Flugangst. Und Horrorfilme sind auch ausgeschlossen, die wage ich nicht einmal anzuschauen.

Werden Ihnen diese intensiven Erfahrungen nicht manchmal zu viel?

Normalerweise nicht. Letztes Jahr allerdings bin ich an meine Grenzen gestoßen. In Tadschikistan drehte ich in 4500 Meter Höhe im Himalaya einen Film, in dem ich eine von den Taliban entführte Journalistin spielte. Eineinhalb Monate übernachteten wir in Zelten, ohne Telefon und Internet. Das Essen war so furchtbar, dass ich in der Zeit fünf Kilo abgenommen habe.

Stellt man da den Traumjob infrage?

Das nicht, aber das Schlimme ist, dass du dich abends nicht erholen kannst. Noch nie war ich so deprimiert. Ich habe danach einen Monat gebraucht, um wieder in mein Leben hineinzufinden. Ich war furchtbar zu allen Menschen in meinem Umfeld, habe alle gehasst und wollte niemanden sehen.

Wie überwinden Sie solche Krisen?

Ich bin innerlich stabil. Um das zu erhalten, ist es wichtig, neugierig zu bleiben, ständig Fragen zu stellen, zu zweifeln. Und du darfst dich nicht für Gottes Geschenk an die Menschheit halten.

Wie reagiert ihr Freund, der Schauspieler Joshua Jackson, wenn Sie beruflich unter starkem Druck stehen?

Er versteht es, dass ich nicht immer sein „Happy Girlfriend“ sein kann. Aber die Zeit nach Tadschikistan war auch für ihn schwer. Es gab dort Momente, die man nur mit der Crew und den Kollegen dort teilen kann. Das konnte er nicht nachvollziehen. Nach sechs Wochen Trennung war er mir ein bisschen fremd geworden. Er hat sich total gefreut, mich wiederzusehen, und ich wollte eigentlich nur allein sein. Eine gewisse Distanz hilft aber auch, die Beziehung frisch zu halten. Vorausgesetzt, man kommt gut miteinander klar.

STECKBRIEF
  • GEBOREN: am 15. Juli 1976 in Algermissen bei Hildesheim als Diane Heidkrüger.
  • KARRIERE: Vom Model in Paris zum erfolgreichsten deutschen Hollywood-Export. Der Durchbruch gelang ihr 2004 als Helena in „Troja“, neben Brad Pitt und Orlando Bloom. Weitere Hauptrollen: zum Beispiel in „Inglourious Basterds“ (2009).
  • FAMILIE: Lebt mit dem kanadischen Schauspieler Joshua Jackson (u. a. US-Serie „Dawson’s Creek“) in L.A. und Paris.
  • AKTUELLES: In „Leb wohl, meine Königin!“ (Start: 31. Mai 2012) spielt Diane Kruger Königin Marie Antoinette. Den Trailer zum Film sehen Sie unter www.fuersie.de/diane-kruger

Nerven Sie sich gegenseitig auch?

Ja, das ist doch normal! Wenn wir verreisen, kann Josh zum Beispiel auch im Schlamm schlafen, ich nicht. Außerdem kriege ich meinen Alltag nur schwer organisiert. Immer verliere ich etwas. Uhren zum Beispiel. Aber dafür kann ich gut kochen (lacht). Josh liebt deutsches Essen. Deshalb gibt’s einmal pro Monat Braten mit Rotkohl.

Haben Sie Heimweh?

Sagen wir es so, ich vermisse das deutsche Essen, von der Currywurst bis zum Schnitzel, und natürlich meine Familie, die ich oft besuche. Meine Mutter kommt manchmal zu Drehs, wobei sie die Abläufe nicht ganz versteht. Als ich einmal, was üblich ist, eine Einstellung dreimal wiederholen musste, sagte sie: „Ist der Regisseur unglücklich mit dir? Jetzt mach es doch mal richtig!“ Und unlängst meinte sie, in zehn Jahren könne ich Angela Merkel spielen.

Wollen Sie das? Was halten Sie von ihr?

Ich fand es toll, als eine Frau Kanzlerin wurde. Aber zu ihrer Politik möchte ich mich doch lieber nicht äußern. Und die Rolle käme nicht infrage. Es hapert ja schon an der physischen Ähnlichkeit. I’m sorry (lacht)!

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