Filmstar Christoph Waltz im Interview

Er kann zynisch wirken und mag keine privaten Fragen. Trotzdem bekamen wir von Oscar-Preisträger Christoph Waltz (55) ein paar gute Antworten.

Christoph Waltz Christoph Waltz im Interview © Getty Images

FÜR SIE: Herr Waltz, nehmen wir mal an, eines Ihrer Kinder prügelt auf ein anderes ein – so wie in Ihrem Film „Der Gott des Gemetzels“. Wie würden Sie als Vater reagieren?

Christoph Waltz: Ganz einfach: Wenn eines meiner Kinder so etwas tun würde, sollte man es vor Gericht stellen, und ich würde es im Gefängnis besuchen.

Ein ziemlich böser Scherz. Neigen Sie zum Zynismus, wie Ihre Filmfigur?

Christoph Waltz mit Ehefrau Judith Holste

Schauspieler Christoph Waltz mit seiner Frau Judith Holste

Wenn Sie den Mann zynisch nennen, fällen Sie ein hartes Urteil über ihn. Man könnte ihn doch auch als eine sehr vernünftige und konsequente Person bezeichnen. Er lässt sich nicht aus der Ruhe bringen und bleibt seinen Überzeugungen treu, während seine Ehefrau und das andere Paar ausflippen. Seine Arbeit lässt ihm dafür keine Zeit.

Können Sie sich mit ihm identifizieren?

Wenn nicht, hätte ich diese Rolle lieber nicht annehmen sollen.

Wie gefällt Ihnen Ihr Beruf? Immerhin mussten Sie 30 Jahre auf den großen Durchbruch warten …

Natürlich war das zwischenzeitlich frustrierend. Doch das ist normal. Am Anfang ist man noch mit viel Schwung dabei. Aber aus jedem Beruf wird irgendwann der Alltag, mit dem man sein Leben bestreitet. Das muss man mit Würde und Anstand tun.

Haben Sie mal darüber nachgedacht, etwas anderes zu machen?

Nein. Nach 30 Jahren wäre es absurd zu sagen: „Ich werde jetzt Maschinenbauer und entwickle Roboter.“

Steckbrief
  • GEBOREN: am 4.10.1956 in Wien.
  • KARRIERE: Seit Ende der 70er ist er auf der Bühne und im TV zu sehen. Den großen Durchbruch feierte er erst 2009 als Bösewicht in Quentin Tarantinos Kinohit „Inglourious Basterds“, der ihm einen Oscar als bester Nebendarsteller eintrug. Mit Tarantino dreht er derzeit auch „Django Unchained“.
  • LIEBE UND FAMILIE: Waltz hat aus einer früheren Ehe drei Kinder. Heute lebt er mit der Kostümbildnerin Judith Holste und der gemeinsamen siebenjährigen Tochter in London.
  • AKTUELLER FILM: „Der Gott des Gemetzels“ erzählt von zwei Ehepaaren, die friedlich über eine Prügelei zwischen ihren Söhnen diskutieren – bis das Gespräch eskaliert.

Hat der Oscar-Gewinn die Frustrationen der vorangegangenen Jahre pulverisiert?

Den Oscar bekam ich am 7. März 2010. Am nächsten Tag ging das Leben weiter, und das ist auch gut so. Warum soll ich die nächsten Jahre weiter darauf herumreiten? Ich stelle die Statue auch nicht an einen festen Ort; sonst würde der zu einem Altar werden, und das fände ich nun wirklich übertrieben.

Wie erleben Ihre Lebensgefährtin und Ihre siebenjährige Tochter den Rummel, der seit 2010 um Ihre Person losgebrochen ist?

Das ist nicht einfach. Wenn sich ein Element in einem Netzwerk in eine neue Richtung bewegt, dann müssen sich alle anderen darauf einstellen. Und das erfordert Aufwand, Aufmerksamkeit und Sorgfalt.

Klingt ziemlich verschwurbelt: Aufwand, Aufmerksamkeit … Können Sie das etwas konkretisieren?

Nur so viel: Wir leben hauptsächlich in London. Und es ist wichtig, dass meine Tochter die Schule besucht, anstatt mit mir zum Dreh zu kommen. Aber eigentlich geht Sie das nichts weiter an.

Warum versuchen Sie, Ihr Privatleben so strikt abzuschirmen?

Ich würde Sie einfach bitten, das zu akzeptieren, sonst werde ich ärgerlich.

Wenn Fragen Sie so verärgern, könnten Sie doch auch ganz auf Interviews verzichten …

Von einem Schauspieler wird erwartet, dass er Interviews gibt. Ist ja auch nicht verkehrt. Man muss sich nur arrangieren und seine Privatsphäre schützen.

Na gut, dann fragen wir allgemeiner: Was schätzen Sie an Frauen am meisten?

Das ist individuell sehr verschieden. Grundsätzlich sagen kann ich lediglich: Frauen und Männer sind komplett verschieden, wir sind uns nicht im Geringsten ähnlich. Das zeigt sich in all unseren Handlungen. Es sorgt für Komplikationen, aber es macht das Leben gleichzeitig auch wunderschön.

Gibt es was, wofür Sie andere bewundern?

Ja, wenn jemand bei einer Auseinandersetzung ganz sachlich bleibt, sich auf die Sache konzentriert, nicht persönlich wird. Das finde ich bewundernswert. Das muss ich erst noch lernen. Ich selbst kann sehr trotzig sein.

Heißt das, mit Ihnen einen Film zu machen kann ganz schön anstrengend sein?

Sagen wir mal so: Nur Schauspieler, die sich zu ernst nehmen, fangen an, mit dem Regisseur zu diskutieren. Ich bin keiner, der alles zergliedert und in alle Einzelteile zerlegt, ich bin kein Philosoph, kein kritischer Theoretiker, sondern ein Schauspieler. Ich diskutiere nicht lange, weil ich mich nicht so wichtig nehme. Ich mache einfach meine Arbeit. Mit den Verrücktheiten des Showgeschäfts habe ich nichts am Hut.

 

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