Reisetipp Ursula Karven in Kapstadt

Schauen, schmecken, spüren: Für Schauspielerin Ursula Karven steckt die Traumstadt am anderen Ende der Welt voller intensiver Glücksmomente.

Ursula Karven Ursula Karven in Kapstadt © istockphoto

Solch ein Gefühl kommt normalerweise plötzlich in mir hoch und legt sich recht schnell. Nur in Kapstadt setzt es sich dauerhaft in mir fest. Es ist das Gefühl, vollkommen von diesem Ort gepackt zu werden, sobald ich im Flugzeug über dem Tafelberg schwebe. Denn Kapstadt ist extrem. Eingekeilt zwischen Gipfeln und dem Atlantik, erhebt sich die Silhouette der Häuser in einer atemberaubenden Kulisse. Meine Augen können sich hier gar nicht sattsehen, hungrig entdecken sie immer wieder neues Futter. So anregend die Metropole ist, so entspannend ist sie zugleich. Hier singen Leute auf dem Weg zur Arbeit, gehen eine Runde surfen oder trinken einen Sundowner nach Feierabend. Kapstadt belebt meine Sinne und macht mich offen für Neues, auch in mir selbst.

Die Energie des Meeres spüren

Morgens den Kopf zum Fenster drehen und als Erstes Wasser sehen, das ist etwas ganz Besonderes für mich. Das Meer gibt mir das Gefühl von Weite, Grenzenlosigkeit und Kraft. In meinem Lieblingshotel, dem „The Table Bay“, haben alle Zimmer Aussicht aufs Wasser: auf die Granger Bay oder auf den Hafen und die Table Bay. Noch vorm Frühstück mache ich mit Blick nach draußen meine Power-Yoga-Übungen, um meine Energiezentren zu reinigen. Danach vielleicht an der schicken Shopping- und Amüsiermeile V&A Waterfront spazieren gehen? Oder downtown zwischen Art-déco-Bauten? Oder beides? In Kapstadt kein Problem.

Von fremder Lebensfreude anstecken lassen

Küsschen hier, Schwätzchen dort. Die Menschen in den Straßen Cape Towns haben füreinander Zeit. Und oft ein großes, breites Lachen. So ein Lachen ist für mich wie eine Umarmung, etwa wenn Tembeka Mzai Mzima mich auf dem Greenmarket strahlend begrüßt. Fast jeden Tag steht sie dort an ihrem Stand „Sibongile Pottery“ und verkauft Schalen und Schüsseln mit zauberhaften Schwarz-Weiß-Mustern. Handgetöpfert von Frauen aus der Township Gugulethu, Tembeka ist ihre Lehrerin. Um uns herum summt es auf dem Platz. Unzählige Händler versuchen, ihre Basttaschen, Springbockfelle und Straußeneier an den Mann zu bringen. Frauen mit kunstvollen Zopffrisuren schwatzen auf geregt, Kinder üben Tanzschritte auf dem Kopfsteinpflaster. Lebensfreude pur, die in meinem Bauch kribbelt.

Mich klein wie ein Sandkorn fühlen

Die Natur beginnt nur wenige Minuten vom Zentrum entfernt. Zum Beispiel an der Camps Bay, wo sich die Bergkette der zwölf Apostel wie eine Reihe gigantischer Türme erhebt und sich ein weißer, langer Strand am Meer entlangzieht. Die Landschaft ist so gewaltig, dass ich mir sofort unbedeutend und unwichtig vorkomme. Und das tut gut. Ich vergesse den Alltag mit seinen Problemen, in dem ich mich viel zu oft um mich selbst drehe. Auf einer Liege die Wärme Südafrikas aufsaugen, später einen Cappuccino trinken auf der Terrasse des „Paranga“, dem In-Lokal an der Strandpromenade. Einfach perfekt.

 

Kulinarisches und Kultur in Kapstadt

 

Den Gaumen mit Multikulti-Küche kitzeln

Ich liebe gutes Essen. Es muss mich glücklich machen, denn ich bin nicht der Typ, der gern verzichtet. Leicht, manchmal scharf und gern asiatisch ist mein Lieblingsessen. Das passt ausgezeichnet ins Multikulti-Kapstadt, hier rührt die halbe Welt in den Töpfen. Mein absolutes Muss in Cape Town ist das „Haiku“, ein asiatisches Tapas-Restaurant, das Kleinigkeiten aus China, Japan und Thailand auf der Karte hat. Ich probiere so viele Häppchen wie möglich, wenn ich in meinem Wohlfühlrestaurant bin. Besonders köstlich: Dim Sum, gefüllt mit Spinat und Frischkäse, deren Teig fast durchsichtig ist. Auch die krossen, zu spitzen Tüten gedrehten Frühlingsrollen mit Shrimps und Spargel nehme ich jedes Mal. Auf den schwarzen, viereckigen Tellern sehen sie aus wie kleine Gemälde.

Betört vom Rausch der Farben

In Kapstadt scheinen die Farben zu leben. Liegt es an der Sonne, die so oft scheint? Die Farben geben mir eine wunderbare Leichtigkeit, zum Beispiel wenn ich durch Bo-Kaap spaziere, Cape Towns charmantes, traditionsreiches Moslem-Viertel. Da leuchtet ein Häuschen in Pink neben einem in Rot neben einem in Blau ... Sämtliche Töne einer Malerpalette scheinen hier in Szene gesetzt zu sein. Ein Reich der fantastischen Farben ist auch „Malisouth Traditional Clothing“, das kleine Geschäft von Meiga Abdoulaye gleich um die Ecke in der Long Street. Der Mann aus Mali verkauft Stoffe aus ganz Afrika, sie bedecken die Wände von der Decke bis zum Boden. In diesem kunterbunten Shop könnten meine Augen ewig spazieren gehen.

Dem Sound des Südens zuhören

Musik lässt meine Energien fließen. Die Seele entleert sich und lädt sich wieder auf. Ich liebe laute Musik, wie sie etwa an der V&A Waterfront am Hafen erklingt. Jeden Nachmittag und jeden Abend stehen dort afrikanische Gruppen an der Promenade und bearbeiten leidenschaftlich ihre Trommeln und Marimbas, große hölzerne Xylofone. Oder sie singen Gospels, während das Publikum in die Hände klatscht und im Takt der Musik die Hüften wiegt. Relaxt sind die Konzerte im Garten des historischen „Roundhouse“, einem Restaurant am Fuß des Lion’s Head, nach dem Tafelberg Kapstadts zweitberühmtester Berg. Sanfte Salsa-, Jazz- oder Pop-Rhythmen aus Südafrika schwingen dort durch den Garten.

 

Wein, Wellness, Natur und Tipps für Kapstadt

 

Das große Leuchten erleben

Das Licht in Kapstadt ist unglaublich. Wie Scherenschnitte zeichnen sich Palmen und Pinien, Häuser und Berge vorm ewig blauen Himmel ab. Dieses helle und trotzdem weiche Licht bringt meinen Geist in Balance, es schiebt die unterschiedlichen Schubladen im Kopf so lange hin und her, bis alles gut zusammenpasst. Ganz besonders genieße ich das Licht bei Sonnenuntergang auf dem Signal Hill, dem kleinen Bruder vom Tafelberg. Viele Leute fahren hier abends mit dem Auto auf die 350 Meter hohe Kuppe. Manche hocken auf Picknickdecken auf den Rasenflächen, andere auf den Bänken direkt an der Klippe zum Meer. Ich auch, gern mit einer Flasche Sekt, gemacht aus Chardonnayund Pinot-Noir-Trauben, die hier am Kap gereift sind. Langsam senkt sich die Sonne Richtung Ozean, leuchtet wie eine Feuerscheibe, bevor sie im Wasser versinkt. Wenn es dunkel wird, fangen die Lichter der Stadt an, wie Glühwürmchen zu glitzern. Hier könnte ich ewig sitzen. Allerdings weiß ich, dass man in Kapstadt nach Einbruch der Dunkelheit vorsichtiger als in Europa sein muss. Wer zum ersten Mal hier ist, sollte in seinem Hotel nachfragen, welche Straßen unsicher sind.

Wellness auf südafrikanische Art

Zwei Stunden dauert das Spa-Programm, das ich mir hier manchmal gönne. Zwei Stunden, die mich vollkommen entspannen. Mitten am Tag die Augen schließen – und Südafrika von Kopf bis Fuß spüren: Warme Säckchen liegen auf meinen Lidern, gefüllt mit Lavendel von den Feldern der Kap-Provinz. Meersalz aus dem Atlantik wird über meine Haut gerubbelt, rote und grüne Algen werden auf Arme, Beine und Bauch verteilt. Schließlich entspannt mich das Öl vom Baobab-Baum von Kopf bis Fuß, sodass ich meinen Körper nur noch als wohlige Hülle spüre. Ganz langsam kehrt der Tag zurück – bei einer Tasse Roibuschtee im Japanischen Garten.

In der Pflanzenwelt versinken

Tief atme ich ein und mit einem Seufzer wieder aus. Das Leben scheint plötzlich so einfach zu sein. In einer Oase wie dem „Kirstenbosch Botanical Garden“ mit seinen 9000 verschiedenen Pflanzen vergesse ich den Rest der Welt wie auf Knopfdruck. Ich schaue auf einen Baum und wundere mich, warum er dicke rote Blüten trägt und noch keine Blätter. Ich rieche an Blumen, die überirdisch gut duften. Wie ein riesiger Park zieht sich der schönste botanische Garten, den ich kenne, am Hang des Tafelbergs hoch. Perlhühner laufen hier pickend über weite Rasenflächen. Zikaden zirpen. Hinter einer Dornenhecke hackt der Gärtner Nicholas Unkraut, er ist der Meister des Medizin-Gartens. Gibt es hier Pflanzen, die einen Zauber der Zufriedenheit ausströmen? „Ja, vielleicht“, antwortet er und zeigt auf ein unscheinbares Gewächs. Es soll magische Kräfte haben, steht auf dem

Ursula Karvens Top-Adressen für Kapstadt

  • FLUG: Täglich von Frankfurt und München nach Kapstadt ab 799 Euro mit South African Airways.
  • ÜBERNACHTEN: Luxuriös mit Blick auf Hafen und Tafelberg im „The Table Bay Hotel“, DZ mit Frühstück ab 325 Euro, www.tablebayhotel.com Stylisch mit einem Hauch von Asia- Chic im „Hippo Boutique Hotel“, DZ 129 Euro, im Zentrum Kapstadts, www.hippotique.co.za
  • ESSEN UND TRINKEN: Köstliche Kleinigkeiten aus China, Japan, Thailand gibt’s im „Haiku“ in der Church Street, www. haikurestaurant. com Leckerer Mix aus Fisch und Fleisch, Sushi und Salat im „Paranga“ in Camps Bay, www.paranga.co.za
  • SHOPPEN: Sekt vom Kap, viele Snacks, aber auch Mode von jungen Designern und witzige Wohnaccessoires auf dem Markt der „Old Biscuit Mill“, Sa 9–14 Uhr, 373-375 Albert Road. „Malisouth Tra ditional African Clothing“ in der Long Street hat eine Riesenauswahl afrikanischer Stoffe, Kissen werden für 5 Euro sofort genäht.
  • ENTSPANNEN: Das 2-stündige „Cape Town Ritual“ gibt es für 140 Euro im „One & Only Spa“ (Foto unten) des gleichnamigen Luxushotels, www.oneandonlycapetown.com
  • INFOS: www. dein-suedafrika. de, www. tourismcape town.co.za

 

 

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