Kolumne Amelie Fried Urlaubsplanung ohne Reiseführer

Reisen sollte ein Abenteuer sein. Deshalb verzichte ich neuerdings darauf, Reiseführer und Geheimtipps zu lesen.

Urlaub Urlaubsplanung ohne Reiseführer © iStockphoto

Allmählich wird es Zeit, den Urlaub zu planen, sonst ist wieder alles ausgebucht. Viele buchen ja heutzutage schon ein Jahr im Voraus, wegen des Frühbucherrabatts. Sie buchen dasselbe Hotel wie in den Jahren zuvor und freuen sich, wenn der nette Antonio an der Rezeption wieder da ist, der auch alle Jahre zuvor schon da war. Dann ist es wie zu Hause, nur wärmer. Und das ist es ja, was die meisten Leute unter Urlaub verstehen.

Echte Individualisten buchen Last Minute. Bis zum letzten Moment wissen sie nicht, ob die Reise nach Kroatien, Portugal oder Griechenland geht. Gerade dass noch genug Zeit bleibt, sich in der Flughafenbuchhandlung einen Reiseführer zu besorgen, schließlich will man wissen, wie die Wassertemperatur am Urlaubsort ist und welche Sprache gesprochen wird. Ach ja, und die Geheimtipps natürlich!

Beschreibungen wie „Gehen Sie die Strandpromenade 300 Meter nach links und achten Sie auf die grüne Flagge. Dort, ein bisschen versteckt hinter den Dünen, finden Sie die geschmackvolle Taverne von Jorgos, der Sie wie einen alten Freund begrüßen und mit selbst gebranntem Ouzo verwöhnen wird“ geben uns das Gefühl, Entdecker zu sein, wahre Pioniere des Reisens, die an Orte kommen, von denen andere noch nie etwas gehört haben. Ein bisschen kränkend ist es dann schon, wenn Jorgos nicht nur uns, sondern noch 200 andere Gäste wie alte Freunde begrüßt, die zu unserer Überraschung alle den gleichen Reiseführer in der Hand halten.

Da bleibt nur eines: Führer zu Hause lassen und selbst auf Entdeckungsfahrt gehen! Nur so erlebt man das unverfälschte Abenteuer des individuellen Reisens, weitab von den Trampelpfaden des Massentourismus. So kam ich in San Francisco in Stadtteile, von deren Besuch jeder Reiseführer dringend abrät, und in der Tat entging ich nur knapp einem Überfall. Das lauschige Straßenlokal in Marrakesch (das man laut Reiseführer natürlich auf keinen Fall aufsuchen soll) servierte die köstlichste Tajine – in Verbindung mit einer langlebigen Salmonellen-Art, die mich noch Wochen nach meiner Rückkehr an die Reise erinnerte.

Und dass ich mich bei der Hotelsuche in Amsterdam plötzlich in einem Etablissement wiederfand, in dem ich mit etwas Körpereinsatz meine Reisekasse hätte aufbessern können, wäre mir mit entsprechender Fachlektüre auch nicht passiert. Aber mal ehrlich: Wollen Sie auf Reisen was erleben oder nicht? Na bitte. Die anderen sollen gerne zu Jorgos gehen.

Alle 14 Tage schreibt unsere Kolumnistin über die kleineren und größeren Dinge des Lebens. Wer mehr über sie erfahren möchte: www.ameliefried.de

 
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Amelie Fried