Südlich von Neapel Urlaub an der Amalfieküste

Kann man einen Mythos wie die Amalfiküste in knapp 48 Stunden verstehen? Vielleicht nicht. Aber man kann sich in sie verlieben, an ihr entlangbrausen und sich in ihrem Duft aus Meer und Zitronen verlieren

Urlaub an der Amalfieküste © Angela Sorrentino - iStockphoto

Wo nur zuerst hinschauen? Aufs Meer, in dem Sandbänke das Blau durchziehen, als hätten impressionistische Maler ihre Pinsel durchs Wasser gezogen? Auf die Felsen, die beinahe senkrecht ins Meer fallen? Auf die Häuser, die sich kühn und malerisch zugleich an den Felsen übereinandertürmen – oder auf die Italiener im Bus, die sich nach ihrem Tag am Strand die Sandkrümel von der Haut zupfen, während die Sonne hinter ihnen untergeht?

Die ersten Kilometer im Bus auf der berühmten Panoramastraße Amalfitana südlich von Neapel, die sich fast 40 Kilometer von Sant’Agata sui Due Golfi, kurz vor Positano, in Richtung Osten bis Vietri sul Mare schlängelt, diese ersten Kilometer entlang dem schönsten Teil der Amalfiküste also fordern meine Augen und den Geist: Gebirge und Meer, Fischerörtchen, Zitronenbäume und über allem süßer Duft – beinahe zu viel Paradies auf zu wenigen Kilometern.
Gestern noch war ich in Neapel bei einer Freundin. Doch diesmal war mir die Stadt zu viel. Als ich vor etwa zehn Jahren dort studierte, hatte ich es nie an die 60 Kilometer entfernte Küste geschafft, die vor allem Künstler in den 50er Jahren bekannt machten. Sehen wollte ich sie aber schon lange mal. Kurz entschlossen stieg ich also in den Bus nach Positano. Für nicht mal 48 Stunden, dann geht mein Flieger zurück.

Am ersten Abend auf dem Hotelbalkon in Positano schlafe ich beim Betrachten der Sterne einfach ein. „Das geht vielen so. Die Schönheit unserer Gegend überfordert einige“, sagt der Hotelmanager beim Frühstück, das unter Zitronenbäumen serviert wird, deren Äste so voller Früchte hängen, dass sie sich beinahe in den Caffè Latte biegen. Dazu gibt es diesen Blick übers Meer, das heute silbern glitzert. Ich habe nur einen Tag, aber ich will die Küste kennenlernen. Ich will wissen, ob der Ginster auch noch in der nächsten Bucht blüht, ob dort der Blick noch spektakulärer ist.

Für meinen ersten Annäherungsversuch an die Amalfiküste steige ich weit nach oben. Dem Himmel entgegen, weg vom Meer. In Positano heißt das: Treppen bewältigen. Hunderte. „Ich habe das Empfinden, dass die Welt in Positano senkrecht steht“, schrieb schon der Schriftsteller John Steinbeck in den 50er-Jahren. Steinbeck war einer der vielen Künstler, die sich von der Atmosphäre des Fischerdorfes inspirieren ließen. Ernest Hemingway liebte Positano ebenso wie Pablo Picasso oder Ingrid Bergman. Sie alle machten die Amalfiküste berühmt – und beliebt. Ende der 50er Jahre wurden die ersten Hotels gebaut, und mit ihnen kamen die Touristen. Heute genießen Promis das luxuriöse Dolcefarniente, das süße Nichtstun, in Positanos pastellgelben Prachtbauten.

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Autor:
Kathrin Halfwassen