Reise-Tipp Schwedisches Insel-Paradies

Auf Landsort im Stockholmer Schärengarten leben nur 25 Menschen. Wer das idyllische Eiland einmal besucht, kann der Versuchung zu bleiben allerdings schwer widerstehen

Schwedisches Insel-Paradies © Jonny Kristoffersson - iStockphoto

Stopp!“ Ein Passagier zeigt aufgeregt zurück zur Kaimauer. Er hat dort seine Thermoskanne vergessen und die Kanelbullar, die für jeden Schweden unverzichtbaren klebrigen Zimtschnecken. Prompt kehrt die rotweiße Fähre „Tuva“ um. Für Kapitän Lasse eine Selbstverständlichkeit. Was zählt da ein Fahrplan? Hupend bahnt sich die „Tuva“ danach ihren Weg ins offene Meer. Klippen und Holzbaken, die den Schiffen den Weg weisen, ziehen vorüber, zum Greifen nah. Ziel ist die Insel Landsort, der südlichste Außenposten in der Stockholmer Schärenwelt mit 24 000 Inseln.

Knapp zwei Stunden liegt Landsort von Stockholm entfernt. Eine kurze Reise, die einen weit weg bringt. Weit weg von Autolärm, Stress und Alltag. Vor Landsort angekommen, lässt Lasse das Boot nur Zentimeter am Felsen vorbei routiniert in einen geschützt liegenden Naturhafen hineingleiten. Und die Passagiere steigen mitten in das Bild der schwedischen Schären ein, das viel schöner ist als das Klischee. Die Häuser sind wahre Puppenstuben, bunt, aneinandergeschmiegt. Boote dümpeln im Hafen vor sich hin. Das Wasser plätschert glucksend auf die Klippen. Es duftet nach Sommer.

MAN KANN DIE RUHE SPÜREN UND ANFASSEN

Die Ankunft der Fähre bringt Leben in diese Beschaulichkeit. Überall hört man klappernde Träskor, die schwedischen Holzschuhe, und die Ankömmlinge werden mit einem herzlichen „Hej!“ begrüßt. Nur 25 Menschen leben auf dieser vier Kilometer langen und an ihrer schmalsten Stelle 250 Meter breiten Insel. Unter ihnen seit 21 Jahren auch Ole, ein deutscher Künstler. Hierher zu ziehen war „eine schwere, aber gute Entscheidung“, sagt er. Schwer wegen der Einsamkeit, gut wegen der einzigartigen Schönheit von Landsort. Heute liebt der 56-Jährige die Abgeschiedenheit. „Ich kann den Frieden und die Ruhe nicht nur spüren, sondern auch schmecken, riechen, anfassen.“ Ole wohnt allein in der früheren Schule, das Klassenzimmer ist sein Atelier. Von hier aus hat er einen wunderbaren Blick auf Schwedens ältesten Leuchtturm, das Wahrzeichen der Insel. Nachts schickt der rotweiße Turm sein weißes Licht rhythmisch aufs Meer hinaus – einmal lang, viermal kurz.

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Autor:
Suzanne Forsström