Der Beat von Bahia Kultstätte Candomblé

Eine ganze Stadt trommelt und tanzt sich in Ekstase. Bahia da Salvador ist Brasiliens Hochburg schwarzer Kultur.

Candomblé ist offen für alle. In der Kultstätte „Terreiro da Menininha do Gantois“ treffen sich zum Feiern Afro-Amerikaner auf der Suche nach ihren Wurzeln, Europäer, Brasilianer. Sie lauschen dem Trommelwirbel, der die Götter ruft. Zuckend fällt der erste in Trance und beginnt zu tanzen: ein Gott hat ihn um armt. Bald tanzen immer mehr im Kreis, selbstvergessen, euphorisch. Die afrikanischen Götter sind laut und fröhlich und lieben den Tanz. Auch dabei entsteht Axé – mit zuweilen beeindruckenden Folgen: Eine französische Diplomatengattin wollte einst aus Neugier eine Candomblé-Kultstätte besuchen – und verbrachte den Rest ihres Lebens in Salvador.

Wen die Götter ziehen lassen und wer sich von der Trommel-Ekstase erholen will, der fährt ins Fischerdorf Praia do Forte, 50 Kilometer nördlich des Flughafens von Bahia. Ruhig ist das Meer, Kokospalmen säumen die Sandstrände, im Urwald dahinter entspringt ein Fluss, der Rio Projuca. Das tropische Refugium kaufte 1972 ein deutscher Industrieller, quasi samt Einwohnern und etlichen Hektar Urwald, um ökologischen Tourismus aufzubauen, der damals noch völlig unbekannt war. Dieses Paradies teilen sich heute Urlauber an manchen Abschnitten mit ei - ner gefährdeten Spezies – Schildkröten. Die lieben den Strand von Praia do Forte: Jedes Jahr graben sie bis zu 1000 Nester – um dann die Brutpflege der Sonne zu überlassen. Rund 55 Tage später schlüpfen die Minis aus den Eiern, buddeln sich ans Licht und eilen Richtung Meer. Nur die schnellsten schaffen es, hungrigen Krebsen zu entgehen und sich von einer Welle hinaustragen zu lassen, um in die sichere Meerestiefe abzutauchen.

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Autor:
Christine Wollowski