Der Beat von Bahia Weltkulturerbe Pelourinho

Eine ganze Stadt trommelt und tanzt sich in Ekstase. Bahia da Salvador ist Brasiliens Hochburg schwarzer Kultur.

Zum Beispiel bei den Ensaios, den öffentlichen Proben von Percussion-Gruppen. Trommeln gehören zu Salvador wie Sand zum Strand. Vor allem an Dienstagen bebt hier öfter mal das Kopfsteinpflaster. Es gibt Mädchenbands, Straßenkinder-, Stadtviertel- und Karnevalsbands – so viele, dass sie nie jemand gezählt hat. Die meisten spielen auf dem Pelourinho – dem Altstadtviertel oben auf dem Hügel, in dem sich so viele bonbonbunte Kolonialhäuser aneinanderlehnen wie sonst nirgends auf der Welt. Der ganze Pelourinho ist deswegen von der UNESCO als Weltkulturerbe ausgezeichnet. Hunderte der schmalen blassgelben, mintgrünen und himmelblauen Gebäude sind liebevoll restauriert und gut besuchte Adressen für Galerien, Afro-Shops, Cafés und Restaurants. Auf den Straßen trommeln sich Bands so in Stimmung, dass die Töne an der Bauchdecke der Zuhörer vibrieren, sie in ihren Rhythmus ziehen. Etwa die Gruppe Timbalada, die der engagierte Musiker Carlinhos Brown gründete. Ihre Musik macht ein bisschen taub und gleichzeitig ziemlich glücklich: Axé eben.

Axé mag auch dafür verantwortlich sein, dass es Brown gelungen ist, seine alte Heimat, den Slum Candeal, zu verwandeln: von einem Ort der Gewalt in ein befriedetes Quartier. Denn er stiftete eine Musikschule, in der kleine Jungs und Mädchen Trommeln bearbeiten, die größer sind als sie selbst, baute sein Tonstudio mitten in das Ghetto und warb bei der Stadtverwaltung für weitere soziale Projekte. „Ich träume von einer gerechten Stadt“, sagt der hochgewachsene Schwarze, der die alte Unterstadt wieder beleben will.

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Autor:
Christine Wollowski