Reisereportage Norwegen: Zwölf Tage Fjord

Norwegens Natur füllt den Speicher für erinnernswerte Bilder. Besonders, wenn man sie vom Wasser aus bestaunen kann: auf der alten Postschiff-Linie „Hurtigruten“ bis über den Polarkreis

Svolvaer - Lofoten Norwegen: Zwölf Tage Fjord © iStockphoto

Das Rot erinnert an Rost, auch an Blut, aber beides trifft es nicht genau. Vielleicht kann man es über seine Wirkung beschreiben: ein warmer, sentimentaler Ton, der Behagen und Geborgenheit verspricht; gerade wenn die Umgebung eher rau ist. Wer ist nur darauf gekommen, dass die Holzhäuser hier in Norwegen genau diese Farbe brauchen, um ein perfektes Bild romantischer Schönheit zu erzeugen? „Keine Ahnung“, sagt Eirik Ohna, „ich weiß nur, dass es die billigste Holzschutzfarbe ist. Und sie steht im Laden im größten Stapel.“

Wir sitzen mit Blick auf den Hafen und die vorgelagerten Inseln von Svolvær, dem größten Ort der Lofoten. Vor den schroffen Felsen, grünen Wiesen und blauem Wasser macht sich das Rot der heute von Touristen bewohnten Fischerhäuschen einfach wundervoll, wie auch Eirik schließlich zugibt. Seinen Blick für schöne Landschaften hat er schon oft bewiesen: Der Bilderbuch-Norweger mit Vollbart und Wollpulli sucht und organisiert Drehorte für Filmproduktionen; die Lofoten wurden zum Beispiel für die „Narnia“-Welt von Disney gecastet und spielten sich selbst im Hape-Kerkeling- Film „Ein Mann, ein Fjord“.

Hier, 300 Kilometer nördlich des Polarkreises, ist Norwegen noch ein wenig nordischer, arktischer und dramatischer als anderswo. Die Besucherzahlen steigen stetig, Eirik Ohna versucht eine Erklärung: „Vielleicht ist es den Leuten unten bei den Fjorden zu langweilig geworden.“

„Unten“, gute tausend Kilometer weiter südlich, liegt das sogenannte Fjord-Norwegen – mit Berühmtheiten wie Geiranger- und Hardangerfjord immer noch das populärste Ziel des Landes und natürlich alles andere als langweilig. Zum Glück kann man, trotz der Entfernungen, die vielen Kilometer bequem hinter sich bringen: mit „Hurtigruten“. Die legendäre alte Postschiff-Linie entlang der Küste ist inzwischen eine Art tägliche Linienkreuzfahrt für Touristen. In der Ausstattung sind sie lange nicht so überkandidelt wie die großen Luxus-Cruiser, die in denselben Gewässern kreuzen, aber trotzdem noch fein und elegant. Man kann die zwölf Schiffe der Flotte nicht nur als Urlaubsort, sondern tatsächlich auch als Verkehrsmittel nutzen – in diesem Jahr dank diverser Angebote sogar günstiger als sonst.

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Autor:
Raimund Witkop