Reise Neue Ideen mit alten Produkten

Von wegen Alpenkitsch. Südtirol bietet die ideale Mischung aus Trends und Traditionen. Ein Schauplatz der Gegensätze – und für unsere Autorin Anja Haegele der Gipfel großer Gefühle

Neue Ideen mit alten Produkten

Dass Latschenkiefer-Produkte nicht altmodisch sind, weiß ich von Gregor Wenter. Wenter hat sich zum Ziel gesetzt, das Öl der Sarner Latsche zum „Top-4- Produkt“ Südtirols zu machen: „Speck, Wein und Schüttelbrot nimmt heute schon jeder Tourist mit heim. Die Sarner Latsche gehört mit in diesen Korb!“ Mit ein paar Freunden hat er deshalb die Marke „trehs“ gegründet, benannt nach der mächtigen Kräuterhexe, die auf der Sarner Scharte ihr Unwesen treiben soll. Duschgel, Shampoo und Bodylotion der „trehs“-Linie sind so trendy verpackt, dass das gestrige Image der Latschenkiefer sofort vergessen ist. Nur in ausgewählten Spas werden mit diesen Produkten Massagen, Peelings und Bäder angeboten, die wohltuend kühlen und entspannen.

Infos für Ihre Reise

Anreise: Air Alps fliegt von April bis Oktober jeden Samstag ab Hannover nach Bozen. Hin- und Rückflug ab 219 Euro, www.alpsflyreservation.com.

Wer nicht in Süddeutschland oder in der Nähe von Hannover wohnt, fliegt am besten nach München und nimmt sich dort einen Mietwagen. Flüge ins näher an Bozen gelegene Innsbruck sind meist deutlich teurer – und einen Mietwagen braucht man auch von Innsbruck aus.

Übernachten: In Sarnthein: Das Hotel „Bad Schörgau“ liegt inmitten von Blumenwiesen. Im Spa werden Latschenkiefer- Produkte verwendet. DZ ab 166 Euro. www.bad-schoergau.com

In Algund: Die „Pergola Residence“, entworfen von dem Stararchitekten Matteo Thun, ist ein modernes Kleinod. DZ ab 235 Euro. www.pergola-residence.it

Essen & Trinken: In Margreid: In der „Paradeis Vinothek Lageder“ kann man alle Lageder-Weine verkosten, dazu gibt es Käse-Spezialitäten und kleine Gerichte. www.aloislageder.eu

In Eppan: Die „Vinothek Ansitz Pillhof“ hat eine vorzügliche Küche, hier kommen sowohl Südtiroler Spezialitäten als auch mediterrane Gerichte auf den Tisch. www.pillhof.com

Wellness: Die „Therme Meran“ liegt in einem fünf Hektar großen Park. Im Spa-Bereich kann man sich bei einem Schafwollbad (29 Euro), einem Weinbad (28 Euro) oder einer Kastanienpackung (33 Euro) von Wanderungen bestens erholen. www.thermemeran.it

Wandern: Der Herbst ist „Törggelen“-Zeit in Südtirol, dann wird der neue Wein verkostet. Besonders schön ist das auf dem 63 Kilometer langen Keschtnweg (Kastanienweg) zwischen Vahrn und Rittner Hochplateau. Hier werden in den vielen Gasthäusern am Wegesrand frischer Wein und heiße Esskastanien serviert. Informationen unter www.roterhahn.it.

Doch weil Gregor Wenter das längst nicht reicht, experimentiert er auch in der Küche seines Gourmethotels „Bad Schörgau“ im Sarntal nördlich von Bozen mit Latschen. Seine Spezialität sind köstliche Safran-Tortellini mit Latschenpesto. „Es hat wahnsinnig lange gedauert, diese Rezepte zu entwickeln, ich habe bestimmt 200 Kilo Latschenpesto weggeschmissen, bevor es gepasst hat“, so Wenter. Doch seit er den Dreh raushat, stehen auch Latschenrisotto sowie Lamm in der Latschen-Salz- Kruste auf der Speisekarte. Sogar einen Latschennachtisch, „Soufflé mit Limette“, hat Wenter kreiert – es schmeckt feinherb, sehr angenehm, auf keinen Fall nach Hustensaft. Nur an einem Eis aus Latschenöl probiert er noch herum. „Nach über hundert Varianten bin ich immer noch nicht damit zufrieden, es schmeckt mir einfach noch zu streng nach Latsche.“ Die Liste solch besonderer Menschen, die ich in Südtirol getroffen habe, ließe sich sehr lange fortsetzen.

Ich werde noch viele Jahre dorthin reisen und jedes Mal etwas Neues, Spannendes entdecken. So wie im vergangenen Sommer. Da habe ich nach all den Jahren wieder einmal eine echte Bergtour gewagt: Auf den Schlern ging es. Ich habe Alpenrosen gesehen und sogar ein Edelweiß. Ich habe das Panorama des Rosengartens bewundert und mich am Gipfelkreuz fotografieren lassen. Elf Stunden waren wir unterwegs. Danach konnte ich drei Tage lang nur mit schmerzverzerrtem Gesicht Treppen steigen. Zum Glück kann man in den modernen Spas Südtirols jeden noch so schlimmen Muskelkater mit Heubädern oder Kastanienpackungen lindern. Sehr wahrscheinlich werde ich so schnell nicht wieder ein alpinistisches Bedürfnis verspüren. Aber ich habe endlich verstanden, dass auch die Südtiroler Gipfel einen großen Zauber bergen.

1 2 3
 
Schlagworte:
Autor:
Anja Haegele