Urlaub in Frankreich Mit dem Rad durch die Provence

Sonne wärmt die Haut, die Gedanken fliegen im Wind: eine Radtour, auf der Körper und Seele neue Energie tanken und die Sinne Feste feiern.

Mit dem Rad durch die Provence © iStockphoto

Zartblau ist der Himmel, die Luft blütenschwer. Hinter uns verschwindet Aix-en-Provence, die Stadt, in der einst die Römer ihre Füße ins Wasser heißer Quellen tauchten und die die meisten Franzosen, laut aktuellen Umfragen, für den idealen Ort zum Leben halten. Und tatsächlich: Meiner Freundin Anja und mir fällt es schwer, uns von den sonnigen Plätzen, Gassen und den Cafés an der Platanenallee Cours Mirabeau loszureißen. Aber wir müssen aufbrechen, denn wir haben einiges vor: Wir werden 250 Kilometer durch eine der schönsten Gegenden Frankreichs radeln, bis nach Avignon, in die Stadt der Päpste.

Wir wollen so viel wie möglich von der Provence erleben: kalten Rosé trinken, köstlichen Käse essen und die warme Sonne des südfranzösischen Frühlings spüren. Und sportlich soll die Tour auch werden – moderat allerdings. Nach der ersten Anhöhe des Petit Lubéron geht es erst einmal eine lange Zeit bergab. Über 500 Höhenmeter rollen wir entspannt ins Tal der Durance. Mittelalterliche Dörfer tauchen am Horizont auf, die sich an Anhöhen klammern. Rechts und links von uns liegen bunt gesprenkelte Blumenwiesen und Lavendelfelder, die kurz davor sind, in tiefem Violett aufzublühen.

Als wir am Nachmittag im Örtchen Fontaine-de-Vaucluse die Beine ausstrecken, ist bereits aller Ballast, den wir noch im Kopf hatten, abgefallen. Radeln in der Provence bedeutet zwar Training für den Körper, vor allem aber: Wellness für die Seele. Auf den vielen Steigungen ist die Mousse au Chocolat vom Vorabend schnell abgearbeitet. Die Schönheit der Landschaft lenkt von der Anstrengung ab: unmöglich, den Blick schweifen zu lassen, ohne entspannt zu lächeln. In Fontaine-de-Vaucluse ist die Natur wild und ursprünglich. Einen kurzen Spaziergang von unserem Hotel entfernt, bricht der Fluss Sorgue aus einer gewaltigen Karstquelle und stürzt unter Getöse talwärts.

„Zwar nicht gerade Niagara, aber beeindruckend“, sagt Anja, die die Stars der Wasserfälle vor langer Zeit life erlebt hat. Das Wasser begleitet uns, als wir am Morgen weiter nach L’Isle-sur-la-Sorgue radeln. Das Städtchen ist von Kanälen durchzogen, ein Mini-Venedig und sehr ruhig. Als wir die Räder über das Kopfsteinpflaster schieben, humpelt Anja leicht: „Muskelkater“, sagt sie. Ich verkneife mir ein: „Statt mich auszulachen, hättest du lieber mitmachen sollen bei meinen Aufwärm- und Dehnübungen vor dem Start.“

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Autor:
Stefanie Bisping