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Unsere Leserbriefe

Viele unserer Themen geben Anlass zur Diskussion oder Kritik. Wir zeigen hier ab sofort die Meinungen und Kommentare unser Leser zu Themen, die besonders berührt haben. Vielen Dank an unsere treuen Leser. Wir freuen uns über jeden einzelnen Brief!

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Kinderlos in Deutschland

(aus der FÜR SIE 13 vom 05. Juni 2012)

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Rita H.:

"Ich bin 44 Jahre alt, verheiratet und habe keine Kinder. Ich bin eine der wenigen Frauen, die nie Kinder wollten. Mir fehlt das Muttergen komplett. Ich leiste trotzdem meinen Teil für die Gesellschaft, da ich als Grundschullehrerin arbeite und ich kann Ihnen sagen, dass ich immer mehr Erziehungsarbeit leisten muss, da viele Eltern einfach nicht mehr Vorbilder für ihre Kinder sein können. Die Vermittlung von Wissen gerät damit immer mehr in den Hintergrund! Ich bin immer sehr froh, wenn ich nach einem anstrengenden Tag mit viel Kinderlärm nach Hause komme und die himmlische Ruhe genießen kann. Schrecklich die Vorstellung, dass Zuhause noch ein oder mehrere Kinder auf mich warten würden, mit denen ich dann Hausaufgaben machen müsste...

Ich habe leider die traurige Erfahrung geamacht, dass viele meiner Freundschaften zu anderen Frauen daran zerbrochen sind, dass diese Freundinen Kinder bekommen haben. Kaum haben sie Kinder mutieren sie zu Superglucken, die ihr Kind keine Sekunde aus den Augen lassen wollen und sich nur noch mit Kinderthemen beschäftigen! Ich habe wirklich wenig Lust bei nervigen Kindergeschrei mich mit einer Freundin zu unterhalten. Die Freundinnen haben sich meist dann andere Freundinnen gesucht, die auch Mütter sind."

Christine H.:

"Wenn unsere Gesellschaft mehr Kinder will, sollten die gewählten Politiker/innen sich verpflichtet fühlen, bessere Bedingungen dafür zu schaffen. Kinderlose zu "bestrafen" ist mit Sicherheit nicht der richtige Weg sondern ausgesprochen populistisch. Mehr Fantasie ist gefragt sowie ein Bildungssystem, das die Fähigkeiten und Stärken der Kinder erkennt und unterstützt sowie die Kommunikation und das akzeptieren anderer Kulturen fördert. Wobei es sinnvoll ist von klein auf Möglichkeiten der Entspannung und Ruhefindung zu erlernen.

Wie wäre es z.B. mit zusätzlichen "betrieblichen" Kitas. Dabei sind auch Handwerksbetriebe, also kleine oder mittlere Betriebe, Krankenhäuser, Banken vor Ort sowie Gesellschaften des Öffentliche Rechts usw. mit einzubeziehen, die sich gemeinsam mit der Unterstützung des Bundes, der Länder und der Kommunen für die Schaffung neuer Einrichtungen einsetzen, sie mitfinanzieren und natürlich auch davon profitieren. Entsprechende Räumlichkeiten werden in naher Zukunft in vielen Ortsteilen zur Verfügung stehen. Kleine Schulen, die sich aufgrund der zu geringen Schülerzahl nicht mehr rentieren, stehen zum Teil jetzt schon leer und warten auf Umnutzung."

Ursula B.:

"Ich habe selbst 3 Kinder, 3 Schwiegerkinder und 6 Enkel. War nach 10 Jahren Auszeit bis zur Verrentung 24 voll berufstätig und ob das alles richtig war, wage ich nicht zu behaupten. Ich hätte meine Kinder vor ihrer Einschulung gern in den Kindergarten gegeben, aber das Geld dafür reichte nicht. Es hat aber auch Spaß gemacht, mit allen dreien auf den Spielplatz zu gehen. Die Frage, wer besucht dich im Altersheim? Ob meine Kinder kommen, glaube ich kaum (Zeitmangel). Wenn ich mir die ungepflegten Schulen anschaue, befällt mich Trauer. Und der Mangel an Kitapersonal ist auch bekannt. Jeder Mensch sollte es so machen, wie es Spaß macht. Und nie hinterher trauern, was man eventuell verpasst haben könnte. Es stimmt eh nicht."

J. Richter:

"Wie hoch ist eigentlich in Deutschland der Anteil der kinderlosen Männer? Auch das halte ich für interessant! Ich denke, dass auch lebensgeschichtliche Gründe eine Rolle mitspielen. Ich selbst hatte keine glückliche Kindheit - und bin mir sicher, dass ich von daher einem Kind auch nichts besseres bieten kann. Richtig große Angst habe ich vor einer Schwangerschaft, vor Schmerzen, vor Komplikationen und davor, nicht mehr Herr meines Körpers zu sein. Von all dem habe ich gehört und mitgefühlt in der eigenen Familie, bei Freundinnen, uvm.

Nein, schwanger zu werden ist für mich wirklich kein ersehntes Ziel. Auch das wieder ganz im Gegensatz zu den meisten Frauen. Keine Kinder wegen Geld oder Karriere? Alles, was an finanzieller Unterstützung vom Staat zugesagt wird, um die "Lust" auf Kinder zu erhöhen, halte ich für mich für überflüssig. Die Gründe für meine Kinderlosigkeit liegen tiefer. Als Beamtin bin ich unkündbar und kann nach einer Auszeit mühelos wieder einsteigen mit demselben Gehalt, von dem man gut eine Familie ernähren könnte."

 
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