Schweiz Genfer See: Zwei Touren, die sich lohnen

Eingeweihte wissen es längst: Das Hinterland der Waadtländer Riviera lockt mit spektakulären Landschaften, kulturellen und kulinarischen Höhepunkten. Am besten entdeckt man die Gegend mit dem Wagen.

Die schönsten Ecke rund um den Genfer See Genfer See: Zwei Touren, die sich lohnen © James Andanson/Sygma/Corbis, Gérard GUITTOT/Photononstop/Corbis, Gregory Gerault/Hemis/Corbis

Touren für Entdecker 

Schweizer Käse

Aromarischer L'Etivaz Käse

Nicht viele Regionen vereinen auf so kleiner Fläche so starke Kontraste wie das Waadtland (franz. Vaud). Unten am Genfer See luxuriöse Hotels, Kasino-Atmosphäre, Geld spielt keine Rolle. Eine Welt, in der sich James Bond wie der Fisch im Wasser fühlt: In mehreren Folgen der Reihe war der stilbewusste britische Doppel-Null-Agent hier im Einsatz. Die gleich dahinter aufragenden Alpen bilden die Kulisse für einen komplett anderen Kosmos. Vom Ufer des Sees führen gewundene Straßen zu Hochtälern und kleinen Bergdörfern, in denen die Jahreszeiten den Rhythmus des Lebens bestimmen; hier werden im Frühsommer seit jeher die Kühe auf die Alp getrieben, und der Käse wird immer noch genauso gemacht wie vor langer Zeit. Was liegt näher, als sich ans Steuer zu setzen und das Waadtland von der »Riviera«  bis in die Berge mit dem Auto zu erfahren? Hilfestellung bei der Planung leistet die komplett ausgearbeitete » Grand Tour of Switzerland« : Die Rundroute erschließt die Höhepunkte des Landes und spart natürlich die Gegend rund um den Genfer See nicht aus. Mehrere Etappen führen durch die Landschaft, dazu diverse regionale Touren, zum Beispiel von Nyon aus nach Saint-Cergue – eine fahrerisch besonders anspruchsvolle und ansprechende Strecke. Informationen zu allen Tourenvorschlägen durchs Waadtland, zur kostenlosen Straßen karte und der Touren-App zum freien Download finden Autoreisende auf der Webseite myvaudtrip.ch/de. MERIAN hat zwei reizvolle Strecken für Sie ausprobiert.

Route 1: Berge und Kulinarik – von Rossinière durch den Naturpark

Heißluftballons steigen auf in die Höhe

Jährlich steigen in Château-d’Oex mehr als 100 Heiluftballons empor

Schon die Anfahrt nach Rossinière führt durch eine überaus sehenswerte Bergregion. Doch dann folgen auf 18 Kilometern durch den Naturpark Gruyère Pays-d’Enhaut zahlreiche Höhepunkte. Schroffe Felskämme säumen die Straße entlang dem Bergfluss Saane. Sie passiert uralte steinerne Brücken und Dörfer, dazwischen immer wieder Alpwiesen mit schindelgedeckten Scheunen. In Rossinière, dem ersten Ort, bietet das »Grand Chalet« einen imposanten Anblick: Das 300 Jahre alte Holzhaus hat fünf Stockwerke und allein 114 Fenster. In dem größten Holzbau der Schweiz lebte bis zu seinem Tod der Maler Balthus. Im benachbarten L’Etivaz stellt die dörfliche Kooperative den gleichnamigen AOC-Käse her. Die würzige Rohmilch wird vor Ort über Holzfeuern traditionell verarbeitet. Dabei entsteht ein einzigartiger Hartkäse, und es wäre ein Fehler, die Einkaufsgelegenheit nicht zu nutzen. Der Ort Château-d’Oex hat sich dank seines günstigen Mikroklimas zum Heißluftballon-Mekka entwickelt. Beim Ballonfestival, das immer im Januar stattfi ndet, starten hier seit rund 40 Jahren mehr als 100 Ballons. Im Rest des Jahres lädt das gut gemachte Museum Espace Ballon ein, die Geschichte von der ersten Montgolfiere bis zum modernen Hightech-Ballon zu erkunden. In Rougemont, dem letzten Ort der Tour, wartet die Chapelle Balthus. Die kleine Kapelle ist tatsächlich ein Museum zum Andenken an den großen Maler Balthus, dessen Witwe immer noch im Grand Chalet lebt. Es lohnt sich, von Rougemont mit der Gondelbahn zur Bergstation der Videmanette zu fahren – ein besonders schönes Wandergebiet.

Route 2: Römisches Erbe und Wein – durch den Jura zum Neuenburger See

Yverdon les Bains in der Schweiz

Die Landschaft um Yverdon-les-Bains 

Das Highlight von Vallorbe im Waadtländer Jura ist erst mal nicht zu sehen: Die großen Tropfsteinhöhlen gehören zu den schönsten Europas. Im nahen Romainmôtier befindet sich die bekannte romanische Abtei. Sie wurde im 5. Jahrhundert gegründet und ist die älteste der Schweiz. Die heutige Abteikirche stammt aus dem 10. Jahrhundert. Sehenswert ist auch das ehemalige Haus des Priors, in dem man heute festlich tafeln kann. Die Weiterfahrt zum Neuenburger See führt durch die Côtes de l’Orbe, das älteste Weinbaugebiet der Schweiz. Hier wurden auch die schönsten römischen Mosaiken nördlich der Alpen ausgegraben. Sie schmückten einst die Fußböden einer prächtigen Villa aus dem vierten Jahrhundert, das eine Fläche von zwei Fußballfeldern bedeckte. Die Besichtigung ist ein Muss. Römische Lebensart lässt auch das Thermalbad in Yverdon-les-Bains erahnen. Auch wenn es ganz modern ist, so bestand eine vergleichbare Anlage schon im antiken Eburodunum an gleicher Stelle. Der sehenswerte Badeort mit seiner Gründerzeitarchitektur lädt zum Bleiben, doch die Tour geht weiter nach Sainte-Croix, wo das Museum für mechanische Kunst (CIMA) einen besonderen Anziehungspunkt für technikbegeisterte Nostalgiker darstellt.

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