Reise-Tipp Das andere Mallorca

Wandern, radeln, lauschige Dörfer besuchen, schlemmen und in kuscheligen Finca-Hotels entspannen: FÜR SIE-Autorin Andrea Tapper führt zu zauberhaften Orten im Inselinnern, die das andere Mallorca verkörpern.

Mallorca Das andere Mallorca © iStockphoto

Salva rasselt mit dem Schlüsselbund. Dabei ist weit und breit kein Haus zu sehen – unterhalb des Stausees Gorg Blau, in der Serra Tramuntana. Ringsum recken Steineichen ihre knorrigen Äste wie Finger in die Luft. Silbrig schimmern Olivenblättchen im Sonnenlicht. An den Orangenund Zitronenbäumen leuchten Früchte in Popfarben: Hier gibt es nur die Natur und uns – eine Wanderergruppe aus Deutschland mit mallorquinischem Bergführer, der uns auf unserer Tagestour das mächtige Kalksteingebirge „erschließt“. Denn viele Wanderwege auf der Baleareninsel – einst Eselspfade oder Köhlerrouten – führen über Privatgrundstücke. Und deren Gatter aufsperren darf nur ein autorisierter Führer. Die passenden Schlüssel zu Mallorcas Hinterland zu finden, das hatte ich gehofft. Denn ich wollte weder an Pools und Stränden Handtuchfehden führen noch per Partyboot die Gewässer unsicher machen. Mein Plan lautete, lauschige Dörfer zu entdecken, zu Fuß, per Rad oder per Mietwagen, und dabei die ursprünglichen Seiten der Insel kennenzulernen, die mir bisher verschlossen geblieben waren.

Salva stößt das Gatter auf – und wir betreten eine Wiese mit blökenden Schafen. Wenig später laufen wir durch einen Olivenhain. Über uns ragt der felsige Gipfel des Puig Major auf wie das kahle Haupt eines Riesen. Unter uns glitzert das Meer, als spüle es Kristalle an Land. Auf halber Höhe blitzen zwischen dem Grün von Orangenplantagen die beigen Natursteinhäuser des Bergdorfs Fornalutx, wo Salva geboren wurde: Fantastische Treppengässchen gäbe es dort zu entdecken, schwärmt er. Und vor allem den Dorfplatz mit alten Platanen! Mehrfach sei der Ort zum schönsten der Insel gekürt worden. Klingt toll, im Moment interessiert uns allerdings das Gehöft, dem wir uns nähern, mehr. Es gehört Salvas Familie, Zeit für eine Rast, und was für eine: Auf der mit Wein überwucherten Terrasse serviert Koch Joan saftige Paella vom Feuerofen und hauchdünne Paprikacoca, eine Art Flammkuchen. Wir trinken hell schimmernden Landwein aus Tonkrügen. Ringsum zwitschern Blaumeisen. Dann breitet über uns ein Mönchsgeier seine Schwingen aus – kein alltäglicher Anblick –, und Salva erklärt, dass die geschützten Raubvögel sich ein Leben lang die Treue halten.

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Andrea Tapper