Zu Besuch bei Fremden Couchsurfing

Im Urlaub bei Fremden wohnen und ihre Kultur erleben: eine alte Hippie-Idee, die im Web erwachsen geworden ist. Couchsurfing hat Millionen Fans - und kostet keinen Cent.

Schlafende Frau Couchsurfing © iStockphoto

Das Fünf-Gänge-Menü am Familientisch in Mexiko City. Die Silvester-Party in einem exklusiven Londoner Club. Der Tag an einem herrlichen Strand auf Kuba, den nur die Einheimischen kennen – Désirée Kiss, Projektmanagerin aus Frankfurt, hat jede Menge einzigartiger Urlaubserinnerungen: Statt in Hotels quartiert sich die 25-Jährige seit vier Jahren bei fremden Menschen ein. Und die empfangen sie mit offenen Armen, gratis. Couchsurfing nennt sich das Prinzip, das weltweit Millionen Reiselustige überzeugt.

Gäste und Gastgeber finden in Online-Communities zueinander: Um Couchsurfer zu werden, erstellt man, ähnlich wie bei Facebook, ein Profil – gibt Alter, Wohnort, Interessen an und lädt Fotos hoch. Im nächsten Schritt sucht man nach passenden Gastgebern und mailt ihnen eine persönliche „Couch-Anfrage“. Gegenleistungen fürs Gästebett, wie Mitbringsel oder ein Schlafplatz im eigenen Heim, sind eine schöne und willkommene Geste, aber freiwillig.

Egal ob die Luftmatratze in der Studenten-WG auf einen wartet oder das Gästezimmer einer Villa: „Man sieht das Land durch die Augen Einheimischer“, sagt Désirée Kiss. „Ich genieße es, in der Fremde gleich Bekannte zur Seite zu haben und in deren Kultur und Alltagsleben einzutauchen.“ Die Idee der Gratis-Beherbung ist nicht neu: Das älteste Netzwerk „Servas“ wurde 1949 im Nachkriegseuropa gegründet. „Eine Maßnahme zur Völkerverständigung“, erklärt Couchsurferin und Autorin Anja Kühner. Heute vereinfacht das Web die globale Sofa-Vernetzung. 2004 ist das lebhafteste Portal Couchsurfing.org online gegangen, gegründet vom jungen amerikanischen Backpacker Casey Fenton. Der konnte auf seiner Reise durchs teure Island kein erschwingliches Quartier finden. So fragte er per Massenmail Studenten nach einem Schlafplatz. Hunderte antworteten. Das Gastfreundschafts-Netzwerk war geboren.

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Autor:
Sibylle Royal