Reportage: Unter Dickhäutern Auf Elefanten durch Thailand

Seit Thailands Elefanten als Arbeitstiere kaum noch gebraucht werden, ist ihre Population dramatisch geschrumpft. Ein Deutscher versucht nun, die grauen Riesen zu retten – mit einem Trekking-Projekt

Elefant Auf Elefanten durch Thailand © iStockphoto

Umzingelt von Beinen, dick wie Baumstämme, sitzen wir eng aneinander gedrängt auf dem Boden. Ohren, groß wie Handtücher, fächern uns Wind zu – eine Wohltat in der Hitze. Sand rieselt aus den tiefen Falten der Elefantenhaut auf uns herab, Rüssel schlenkern hin und her, schnuppern mit ihren rosa Spitzen an unseren Ohren und betasten unsere Dekolletés. Kein Deo, das ist die Regel hier, Elefanten mögen das nicht.

Sie ist ein fremdes Kennenlern-Ritual, die Vertrauensprobe am ersten Tag im Elefantencamp. Und eine Mutprobe, denn mulmig wird mir schon, als ein Dickhäuterfuß direkt neben meinem aufstampft. Nicht nur er hat Dimensionen, die mir neu sind: Mae Kham Noi, meine Elefantenkuh, wiegt zweieinhalb Tonnen, ist 18 Jahre alt und aus der Form geraten, weil seit einem Jahr trächtig. Unter Wimpern wie Schrubberborsten guckt sie mich aus treuen Augen an.

Bodo Förster hat sie für mich ausgesucht. Er ist der Chef des Camps in Mae Sapok, rund eine Autostunde entfernt von Chiang Mai, größte Stadt im Norden Thailands. Ich soll mich mit Mae vertraut machen, sagt er, ihr etwas in das riesige Ohr flüstern – nur was? Tilli, Praktikantin im Camp und erfahrener als ich, sagt: „Ich hab mit meiner über Autos geredet.“ Hauptsache, Mae gewöhnt sich an meine Stimme. Und an mich. Denn schon das Aufsteigen würde schmerzhaft für mich enden, wenn sie nur mit dem Kopf wackelte. Tut sie aber nicht, sie geht auf die Knie und senkt ihr Haupt, sodass ich mit einem Bocksprung auf ihrer Stirn lande. Dann hebt sie den Kopf, und Bodo Förster schiebt meinen Po in Position.

Bodo Förster, 48, aus Thüringen hat das Camp vor zehn Jahren gegründet. Er ist ein wuchtiger Mann mit langem Zopf und durchdringender Stimme. „IHR müsst die Kommandos geben! IHR seid sechs Tage unterwegs mit den Elefanten. Mann, wir sind doch nicht im Karnickelzuchtverein!“ Nach der Ansage geht es los, auf einen 150 Kilometer langen Weg durch Dschungel und Nebelwald um den Doi Inthanon, den mit 2565 Metern höchsten Berg Thailands. Aus acht Elefanten besteht unsere Karawane, aus Bodo Förster, den 14 Mahouts, so heißen die Elefantenführer, und außer mir noch fünf Reisenden.

1 2 3
 
Schlagworte:
Autor:
Martina Miethig