Reise-Tipp Abenteuerreise auf dem Nil

Auf einem Segelschiff erlebt man Ägyptens mythischen Strom und seine Tempel mit der Muße, die den Heiligtümern der Pharaonen gebührt.

Abenteuerreise auf dem Nil © Oversnap - iStockphoto

Sechs Uhr morgens am Westufer des Nil: Qurna, das Dorf der Grabräuber, steht seit Jahrhunderten direkt über der pharaonischen Nekropole. Lange schon versuchen die Behörden, das Dorf umzusiedeln, um die Arbeit der Archäologen zu erleichtern und das Gelände noch besser touristisch nutzen zu können. Aber die Bewohner von Qurna weigern sich zu gehen. Frühmorgens versteht man das gut: Der Deir-el-Bahari-Felsen liegt im Licht der aufgehenden Sonne – noch ist es still hier.

Es ist die beste Zeit, Hatschepsut in ihrem Totentempel zu besuchen. Von Weitem schon sehen wir das Denkmal: Von sandigen Steilhängen gesäumt, die ersten Sonnenstrahlen wie Make-up im Gesicht, schmiegt es sich an den Fels. Auf drei Etagen erheben sich die Terrassen und Säulenhallen des Tempels. Sie erzählen von harter Arbeit und dem Stolz einer schönen Königin, die es wagte, sich nach dem Tod ihres Gatten selbst zum Pharao krönen zu lassen. Göttlich war sie ohne Zweifel, die Natur sprach zu ihr, und sie antwortete, indem sie Bauwerke errichten ließ, die sie beide bis heute feiern. Zu Besuch beim Pharao Später lassen wir uns in aller Ruhe durch die Tempelstadt treiben: Wir besuchen die gigantische Statue von Ramses II. (Ohren und Zeigefinger sind je einen Meter lang!) im größten aller Totentempel, dem Ramesseum, dem wir uns durch die schmalen Gassen Qurnas nähern. Die ruhmreichen Siege von Ramses III. erahnen wir hinter den Mauern der Festung Medinet Habu. Und eine Straße weiter, im Grab des Wesirs Ramose, streicheln wir mit unseren Blicken die geflochtenen Zöpfe der Frauen auf einem Relief – hauchzart, wie feine Spitze wurden sie in den Stein geritzt.

Durch Qurna zu schlendern ist, als sei man bei den Pharaonen, ihren Göttern und Nachfahren zu Besuch. Fern vom nervigen Trubel Luxors fühlen wir uns am Ufer der Toten sehr lebendig. Am nächsten Tag müssen wir weiter, zunächst nach Luxor, dann – wie es das Gesetz zum Schutz von Touristen vorschreibt – im Militärkonvoi, hupend und stinkend, nach Esna. Dort wartet unser Nilschiff. Nach drei Stunden Busfahrt, in denen wir uns wie Zielscheiben für jeden eventuell interessierten Terroristen fühlen, wirkt der Anblick der prachtvollen Zweimaster wie ein Beruhigungsmittel. Nur eine Handvoll dieser Dahabiyas gibt es noch: alte Nilsegler, auf denen schon die ersten Touristen den Strom bereisten...

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Autor:
Jean-Pascal Billaud