Kleine Weinkunde Vier Weinkategorien

Soll man Weine nach Rebsorte oder nach Farbe ordnen? Weder noch! Hier erfahren Sie, warum es sinnvoller ist, für gute Tropfen vier Kategorien von leicht bis opulent zu bilden

Wein Vier Weinkategorien © iStockphoto

Bei der Weinauswahl wird grundsätzlich nach Farbe unterschieden. Weiß-, Rosé- oder Rotwein? So lautet in der Regel die Frage. Und wenn es um die Zuordnung von Speisen geht, kommt die älteste und unsinnigste aller Regeln auf den Tisch: „Rotwein zu dunklem Fleisch, Weißwein zu Fisch und Geflügel.“ Essen beeinflusst den Geschmack eines Weines meist stärker als umgekehrt. Wein wird als fertiges Produkt in eine Flasche gefüllt. Er wird sich lediglich durch Reifung verändern. Speisen unterliegen hingegen einer Rezeptur, die jederzeit verändert werden kann.

Eine weitere Erkenntnis hat mich zu grundsätzlichen Gedanken über das umfangreiche Weinangebot bewogen: Weine können unabhängig von ihrer Farbe ähnlich mit Speisen reagieren. Die Einteilung nach Farben ist also nur bedingt brauchbar. Probieren Sie einen leichten, fruchtigen Rotwein gut gekühlt. Blind werden Sie keine Unterscheidung zum Weißwein treffen können.

Und die Rebsorten? Auch diese Einteilung macht mich nicht sehr glücklich, denn viele Weine bestehen aus mehreren Sorten. Außerdem kann man aus einer Rebsorte höchst unterschiedliche Weine keltern – vom Literwein bis zum Grand Cru.

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Vielmehr kommt es darauf an, wie ein Wein gemacht ist – welche Stilistik und welchen Geschmack er besitzt –, weniger, aus welcher Rebsorte er gekeltert wird. Weinbeschreibung ist kein einfaches Unterfangen. Die meisten Menschen sind unsicher und eher in der Lage, ihren favorisierten Weintyp zu beschreiben, als haargenau Auskunft über Jahrgang, Winzer und Anbaugebiet des Weines zu geben, den sie trinken wollen. Deshalb ist eine sinnvolle Systematik genau der richtige Ansatz, um sich an das scheinbar komplizierte Thema heranzuwagen. Quasi das kleine Einmaleins für den passenden Typ!

Vier Kategorien und je ein Beispiel

Gut bewährt hat sich diese Ordnung:

  • Typ 1: leicht & frisch (Weißwein bis 12 Vol.-%, Rotwein bis 12,5 Vol.-%). Zum Beispiel: 2007 Riesling Kabinett Goldtröpfchen, Haart, Mosel.
  • Typ 2: saftig & harmonisch (Weißwein 12–13,5 Vol.-%, Rotwein 12,5–13,5 Vol.-%). Typisch dafür: 2008 Sauvignon blanc Pierneef organically grown, La Motte, Franschhoek.
  • Typ 3: komplex & elegant (Weißwein 12,5–13,5 Vol.-%, Rotwein 12,5–14 Vol.-%). Beispiel: 2007 Ungeheuer Riesling Großes Gewächs, Mosbacher, Pfalz.
  • Typ 4: üppig & opulent (Weißwein ab 13,5 Vol.-%, Rotwein ab 14 Vol.-%). Beispiel: 2008 Chardonnay Barrique, Jordan, Stellenbosch.
 
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Autor:
Christina Fischer