Versicherung

Neue Unisex-Tarife

In wenigen Tagen ist es soweit: Noch vor Heiligabend werden die neuen Unisextarife zum Stichtag 21. Dezember verbindlich in Deutschland und den anderen 26 EU-Staaten eingeführt. Grundlage dafür ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs in Luxemburg, demzufolge das Geschlecht des Versicherungskunden künftig kein Kriterium mehr bei der Beitragsberechnung sein darf. Wir verraten Ihnen, was sich dadurch für Sie ändern wird.

Frau prüft Versicherungs-Tarif Neue Unisex-Tarife © StockbyteThinkstock

Die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs basiert auf den Bestimmungen des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes, welches besagt, dass Versicherte nicht geschlechtsbedingt ungleich behandelt werden dürfen. Wissenswert: Die neuen Unisextarife gelten nur für Verträge, die nach dem Stichtag abgeschlossen werden ─ bereits bestehende Policen sind davon nicht betroffen.

Die neue Tarifregelung gilt grundsätzlich für alle Versicherungsarten. Allerdings dürfte sie für Versicherungen, bei denen das Geschlecht der Kundin bei der Kalkulation des Beitrags bis dato keine Rolle spielt, keine merklichen preislichen Veränderungen mit sich bringen. Zu diesen Versicherungen gehören unter anderem die Hausratversicherung, die Rechtsschutzversicherung und die Privat- sowie Tierhalterhaftpflicht.

Im Gegensatz dazu wird sich die Unisex-Regelung für Frauen unter anderem bei der Risikolebensversicherung negativ bemerkbar machen. Bislang zahlen weibliche Versicherte hier bis zu 40 Prozent weniger als männliche. Der Grund: Da Frauen statistisch gesehen eine höhere Lebenserwartung haben, ist das Risiko geringer, dass der Versicherungsfall ─ bei der Risikolebensversicherung ist dies der Todesfall ─ tatsächlich während der Vertragslaufzeit eintritt. Durch die künftige, geschlechtsunabhängige Beitragsermittlung und die damit einhergehende Beitragsangleichung wird dieser Vorteil für Frauen wegfallen. Die Folge: Sie müssen für die Risikolebensversicherung voraussichtlich mehr als bisher hinblättern.

So berechnet sich der neue Unisextarif

Ein kleines Rechenbeispiel: Eine 35-jährige Frau, die bei der Hannoverschen eine Risikolebensversicherung mit einer Vertragslaufzeit von 25 Jahren und einer Versicherungssumme von 150.000 Euro abschließt, muss bei einem Vertragsabschluss vor dem Stichtag einen monatlichen Beitrag von 11,79 Euro zahlen. Insgesamt zahlt die Kundin während der Vertragslaufzeit 3.537 Euro.

Wird ein Vertrag mit den gleichen Eckdaten hingegen erst nach der Einführung der Unisextarife abgeschlossen, beläuft sich der monatliche Beitrag für die Versicherte auf 15,71 Euro. Insgesamt zahlt die Kundin über die gesamte Laufzeit 4.713 Euro für den Versicherungsschutz.

Das Beispiel zeigt, dass die Modellkundin im Unisexvertrag insgesamt 1.176 Euro mehr für die gleiche Absicherung zahlen müsste als bisher. Daher lautet der Tipp: Wenn Sie mit dem Gedanken spielen, eine Risikolebensversicherung abzuschließen, sollten Sie nicht länger zögern und noch vor dem Stichtag den Vertrag unterzeichnen. Dann profitieren Sie noch von der alten, günstigeren Policierung!

Vom Unisextarif profitieren

Eine Versicherung, bei der es sich lohnt, sich mit dem Abschluss bis nach dem Stichtag Zeit zu lassen, ist die Zahnzusatzversicherung. Die höhere Lebenserwartung von Frauen treibt die Prämien bisher in die Höhe ─ Männer zahlen teils deutlich weniger für die gleichen Versicherungsleistungen. Denn: Wer länger lebt, geht statisch betrachtet auch häufiger zum Zahnarzt. Durch die voraussichtlichen Beitragsanpassungen durch die Unisexregelung können Frauen hier in Zukunft wahrscheinlich sparen.

Die neue Tarifregelung bringt unter anderem auch bei der Berufsunfähigkeitsversicherung klare Vorteile für weibliche Versicherte. Aufgrund der längeren Lebenserwartung und ihrer höheren statistischen Wahrscheinlichkeit, berufsunfähig zu werden, müssen Frauen bislang höhere Beiträge entrichten als Männer. Bei den neuen Unisextarifen spielt dieser geschlechtliche Faktor keine Rolle mehr, sondern nur noch der Gesundheitszustand, der Beruf und das Eintrittsalter bei Vertragsabschluss. Fazit: Frauen können durch die neue Tarifregelung bei den Beiträgen für die Berufsunfähigkeitsversicherung sparen. Daher kann es sich auszahlen, mit dem Abschluss bis nach dem Stichtag zu warten. Für alle Versicherungen gilt: Im Vorhinein gründlich informieren ist die halbe Miete!

 
Schlagworte: