Wer braucht eine Patientenverfügung? Und warum? Patientenverfügung: Warum sie für jeden so wichtig ist

Es kommt meist unerwartet: ein Unfall, eine Krankheit, Komplikationen bei einer Operation. Man fällt ins Koma, kann nichts mehr entscheiden – außer, es wurde vorgesorgt.

Patientenverfügung: Warum sie für jeden so wichtig ist Patientenverfügung: Warum sie für jeden so wichtig ist © Dan Race-Fotolia

Selbst vor Routine-Eingriffen im Krankenhaus wird man danach gefragt. Wer zum Beispiel am Blinddarm operiert wird, muss angeben, ob er eine Patientenverfügung verfasst hat. Darin ist festgelegt, wie man behandelt werden will, wenn man ins Koma fällt oder geistig nicht mehr entscheidungsfähig ist. Hier ein Überblick, worum es genau geht und worauf es beim Erstellen einer Patientenverfügung ankommt.

Wer braucht eine Patientenverfügung?

Im Prinzip jeder Erwachsene. Schließlich will doch niemand, dass über seinen Kopf hinweg entschieden wird, wenn es um sein Leben geht. „Die Patientenverfügung ist das stärkste Instrument der Selbstbestimmung, wenn man sich nicht mehr äußern kann“, erklärt Eugen Brysch von der Deutschen Hospiz Stiftung.

Ist sie heutzutage Pflicht?

Nein. Sie ist freiwillig. Wenn man seine Behandlungswünsche nicht festgelegt hat, entscheiden die Mediziner.

Wie wird sie wirksam?

Indem der Arzt von der Patientenverfügung erfährt. Sie sollte in schriftlicher Form vorliegen. Das macht es dem Mediziner leichter, seine Entscheidung für die weitere Behandlung zu treffen und die Motivation des Betroffenen zu verstehen.

Welche Umstände sind abgedeckt?

Vom medizinischen Standpunkt alle. Liegt eine Patientenverfügung vor, darf der Arzt den Willen seines Patienten nicht ignorieren. Eine zusätzliche Absicherung bietet die sogenannte Vorsorgevollmacht. Darin benennen Sie eine oder mehrere Personen, denen Sie vertrauen. Diese dürfen in Ihrem Namen Entscheidungen treffen, Ihre Bankangelegenheiten weiterführen oder sich um Ihre Wohnung kümmern. Wichtig: Klären Sie vorher ab, ob Ihre Bank eine Vorsorgevollmacht nur notariell beglaubigt akzeptiert.

Was steht in der Patientenverfügung?

Ob, wie und in welcher Situation man ärztlich behandelt werden will. Die Verfügung sollte so detailliert wie möglich sein, um Klarheit zu schaffen. Man kann beispielsweise fordern, dass nach einem schweren Schlaganfall die künstliche Ernährung eingestellt werden soll, gleichzeitig aber für eine mögliche Beeinträchtigung der Hirnfunktionen durch Demenz andere Maßnahmen festlegen. Da jeder für solche Situationen anders entscheidet, rät der Experte von Vordrucken ab. „Bevor ich etwas unterschreibe, muss ich mir aller Konsequenzen bewusst sein“, so Brysch.

Kann ich dabei Fehler machen?

Ja, etwa wenn zu unklar formuliert wird. Kein Arzt kann mit Ausdrücken wie „Ich will nicht an Schläuchen hängen“ oder „Wenn mein Leben einmal nicht mehr erträglich sein sollte“ etwas anfangen. Am besten können Ärzte, Seelsorger oder Rechtsanwälte, die Erfahrung damit haben, beim Verfassen helfen. Mittlerweile gibt es auch etliche Beratungsstellen (siehe Kasten). Die Berater klären offene Fragen, besprechen mögliche Krankheitsszenarien und helfen bei Formulierungen. Experte Brysch rät zudem zu einer ausführlichen Einleitung. Darin sollte die eigene Persönlichkeit und die Einstellung zum Leben und Sterben beschrieben werden. Etwa: „Ich habe Angst vor dem Sterben, weil ...“ Oder: „Ich bin gläubiger Christ und wünsche einen Geistlichen am Sterbebett.“ Wichtig ist alles, was dem Arzt hilft, den Patientenwillen genau zu verstehen.

Wo bewahre ich meine Verfügung auf?

Sie sollte leicht zu finden sein. Teilen Sie den Platz Ihrer Familie oder Freunden mit. Alleinstehende können die Patientenverfügung zentral archivieren lassen, zum Beispiel beim Deutschen Roten Kreuz in Mainz (siehe Kasten). Tragen Sie in Ihrem Portemonnaie ein Kärtchen mit, das im Notfall darauf hinweist, wo man sie finden kann.

Und wenn ich meine Meinung ändere?

Sie können Ihre Patientenverfügung jederzeit umschreiben oder für ungültig erklären. Zudem sollten Sie alle zwei Jahre Ihren festgelegten Willen mit Unterschrift und Datum bestätigen.

Infos und Adressen
  • www.hospize.de: Die Deutsche Hospiz Stiftung berät (auch telefonisch). Voraussetzung: Man ist Mitglied (Jahresbeitrag: 42 Euro).
  • www.patientenverfuegung.de: Der Humanistische Verband Deutschlands hilft gegen Gebühr (je nach Leistung 18 bis 96 Euro).
  • www.drk-mainz.org: Für einmalig 60 Euro archiviert das Deutsche Rote Kreuz zentral in Mainz die Patientenverfügungen.

 
Autor:
Linda Bögelein