Weinkunde Guter Sekt

Womit wollen Sie anstoßen? Winzersekt von deutschen Weingütern ist mittlerweile eine echte Empfehlung

Sekt Guter Sekt © iStock

Keine Frage: Silvester muss es prickeln. Natürlich wird der Jahreswechsel mit köstlichem Sekt gefeiert! Selters gibt’s allenfalls als angemessene Begleitung oder erfrischende Begrüßung am nächsten Morgen. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, den richtigen Sekt zu finden. Der Handel überschlägt sich in diesen Tagen mit überschäumenden Sonderangeboten. Überhaupt wird in keinem Land der Welt mehr Schaumwein getrunken als in Deutschland, wir bringen es durchschnittlich pro Kopf auf gut fünf Flaschen im Jahr. Doch wie kann man nun ein gutes Produkt von einem weniger guten unterscheiden?

Eine wichtige Orientierung liefert der Preis. Der Preiskampf beginnt bei 1,99 Euro, kann aber durchaus auch im dreistelligen Bereich landen. Zum Hintergrund: Nicht nur in der Genusswelt ist der Prickelstoff beliebt, auch der Fiskus schenkt ihm große Aufmerksamkeit. Bereits 1902 wurde eine Sektsteuer eingeführt – um die Kriegsflotte Kaiser Wilhelms II. zu finanzieren. Die Flotte existiert längst nicht mehr, aber die Steuer von 1,02 Euro pro Flasche ist uns erhalten geblieben. Und es lohnt sich, einmal darüber nachzudenken, was für die Herstellung eines Billigsekts noch übrig bleibt, wenn man die Beträge für Steuer, Flasche, Korken, Kapsel, Drahtgeflecht, Etikett und Transport abzieht. Eben. Billig-Sekt ist sein Geld nicht wert.

Dagegen ist die innovativ-prickelnde Entwicklung der deutschen Winzerszene sehr erfreulich. Während man sicher einige Enttäuschungen schlucken müsste, wollte man sich durch die Produktvielfalt aller schäumenden Gewächse probieren, kann man mittlerweile recht sicher auf Winzersekte renommierter Weingüter zurückgreifen. Besser als „No-name-Champagner“ der großen Discounter schmecken sie allemal!

Bernhard Kirsten zum Beispiel bewirtschaftet gemeinsam mit seiner Frau Inge van Geldern gut acht Hektar steile Schiefer hänge an der Mosel. Was die Qualität angeht, kennen sie keine Kompromisse: „Große Gewächse wachsen draußen“ lautet ihre natürliche Botschaft. Neben hochwertigen Rieslingweinen entsteht hier der köstliche „Heldensekt“. Dieser Name ist Programm. Das heldenhafte Elixier wird aus handverlesenen goldgelben, sehr hochwertigen Rieslingtrauben der Steillage „Pölicher Held“ hergestellt. Nach der klassischen Flaschengärung, auch bekannt als „Méthode champenoise“ und zweieinhalb Jahren Hefelager wurde der Heldensekt „just in time“ degorgiert, also vom Hefedepot befreit. Die lange Hefelagerzeit sorgt für Geschmacksdichte, köstliche Eleganz und entsprechend feinperliges „Mousseux“. Dieser Sekt betört mit zart duftenden, gelbfruchtigen Aromen und anregender Saftigkeit. Wer, bitte, will da noch Selters?