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Janice Jakait

Janice Jakait hat in 90 Tagen den Atlantik überquert. Als erste Deutsche, nur mit Muskel- und Willenskraft. Ihre Botschaft: Rudern für die Stille. Protokoll eines einsamen Abenteuers.

Rudern Jakait Janice Jakait © JANICE JAKAIT

Janice Jakait (35) hat in 90 Tagen den Atlantik überquert. Als erste Deutsche, nur mit Muskel- und Willenskraft. Ihre Botschaft: Rudern für die Stille. Protokoll eines einsamen Abenteuers.

Janice Jakait
Boah, ist mir schlecht! Ich fühle mich wie in der Achterbahn. Extrem kleine, kabbelige Wellen machen das Sitzen im Boot unmöglich. Ständig muss ich mich übergeben. Fühle mich völlig ausgelaugt, körperlich erschlagen. Am liebsten würde ich mich in meiner Koje zusammenrollen. Doch an Schlaf ist nicht zu denken. Die viel befahrene Straße von Gibraltar ist in der Nähe, ständig tauchen am Horizont Containerschiffe und Tanker auf. Gegen die wirkt mein kleines Ruderboot wie eine Nussschale. Eine Entscheidung jagt die nächste: soll ich meinen Kurs korrigieren? Den Sturmanker werfen? Oder hoffen, dass der Kapitän des anderen Schiffs mich bemerkt? Ich fluche wie ein Kutscher, beginne vor Erschöpfung zu halluzinieren. Doch Aufgeben kommt nicht infrage. Was hat ein Seglerfreund zu mir gesagt? „Nach ein paar Wochen gewöhnt man sich an alles – auch an die Seekrankheit.“ Hoffentlich hat er recht!

23. November:

Das große Rudern beginnt Um zwölf Uhr mittags verlasse ich den Hafen von Portimão in Südportugal. Mehr als 6500 Kilometer auf See liegen vor mir – und eine Million Ruderschläge. Was für eine Strapaze! Doch ich fühle mich bereit. Rund zwei Jahre habe ich mich auf dieses Abenteuer vorbereitet. Meinen Job als selbstständige IT-Beraterin aufgegeben, Sponsoren gesucht, meine Ersparnisse in modernste Ausrüstung investiert: ein Hightech-Ruderboot namens „Bifröst“. 250 Kilo Spezialnahrung, eine solarbetriebene Wasser-Entsalzungsanlage und ein GPS-Gerät.

Ich habe Experten wie den Survival-Profi Rüdiger Nehberg befragt. Und meinen Körper im Fitness-Studio gestählt. Freunde und Familie lasse ich an der Hafenmole zurück. Manche weinen zum Abschied. Ich selbst vergieße keine Träne. Endlich kann ich meinen Traum leben. Ich habe so viel über Extremsportler gelesen, die allein auf den Weltmeeren unterwegs waren. Und eines Tages war mir plötzlich klar: Ich will das auch erleben. Möchte austesten, wie weit ich gehen kann, in mich reinhorchen, Ruhe finden. Stille auf dem Wasser, die Meeresbewohner wegen der vielen Schiffe und der Offshore-Windanlagen kaum noch haben. Ja, mein Projekt ist eine Selbstverwirklichung – aber gleichzeitig ein Appell gegen den zunehmenden Unterwasserlärm auf See. Mit Hilfe der Medien will ich meine Botschaft verbreiten.

26. November: Endlich ein bisschen Schlaf Ich muss verrückt sein. Wirklich verrückt. Denn: Jetzt macht mir dieser Höllenritt plötzlich auch noch Spaß! Die Anzahl der gefährlichen Tanker und Frachter hat sich heute reduziert, womit ich endlich mal zum Schlafen komme – und nicht dauernd vom Kollisionsalarm hochgerissen werde. Ich schieße die ersten Fotos für meine Website. Und: Ich kann endlich wieder etwas essen! Jetzt muss ich wieder raus aus der Koje. Zeit für die nächste zweistündige Ruderschicht. Der Wind pfeift schon nach mir.

30. November: Die Sinne spielen Streiche mit mir Ich nutze die relativ ruhige See, um auch mal Haare zu waschen, das Boot zu putzen. Oder sitze an Deck und kümmere mich um meinen Serranoschinken – ein Kilogramm, das langsam wegmuss. Lecker! Wenn ich rudere, dann genieße ich die Show, die Wale und Delfine neben meinem Boot bieten. Meine Sinne spielen mir jetzt schon Streiche. Das Gehirn ist unterfordert von den wenigen Reizen, beginnt sich – vor allem bei Übermüdung – selbst Abwechslung zu schaffen. So knackt das Ruder nicht einfach, es ruft meinen Namen. Der Wind singt, die Wellen formen sich zu Fischen – und der Duft frisch gemähten Grases erfüllt die durchfeuchtete Kabine.

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