Doras Welt
Tannenbäume auf der Autobahn
Ein Sofa hinter dem Bremer Kreuz, Behinderungen wegen eines Spanngurts. Und warum verliert jemand eine Matratze und merkt es nicht?
Ich bin in den letzten Wochen viel unterwegs gewesen. Fast immer mit dem Auto und fast immer auf der Autobahn. Eigentlich fahre ich gern, zumal eine Freundin von mir im Radio die Nachrichten und den Verkehrsfunk vorliest. Es ist ja auch schön, ihre Stimme zu hören, gerade wenn man allein im Wagen sitzt und allmählich anfängt, sich zu langweilen. Und man will ja auch informiert sein, egal ob es um die Welt oder die Verkehrslage geht. Aber wenn man unter Termindruck von A nach B muss und dieses Vorhaben von hunderttausend anderen begleitet wird, von denen ein Großteil nicht Auto fahren kann, wird man erst nervös und schließlich schlecht gelaunt.
Wenn mich dann auch noch meine Freundin darüber in Kenntnis setzt, dass auf dem vor mir liegenden Autobahnabschnitt eine Verkehrsbehinderung wegen eines Spanngurts kommt, dass in zehn Kilometer ein liegen gebliebener Lastwagen die Straße blockiert und ein Stück weiter Personen auf der Straße sind, frage ich mich, was um alles in der Welt in den Verkehrsleitzentralen los ist. Was haben Mauerkübel auf bundesdeutschen Autobahnen zu suchen, warum verliert jemand eine Matratze oder Reifen und merkt es nicht? Kann mir jemand erklären, warum Autos am liebsten in Baustellenbereichen liegen bleiben? Warum ständig Tiere angekündigt werden und was das für welche sind? Es waren auch Fahrräder dabei, und kurz hinter dem Bremer Kreuz lag ein Sofa.
Ich habe meiner Freundin aus dem Stau eine SMS geschrieben und sie gebeten, vielleicht mal einen Radioaufruf zu machen, damit sich endlich jemand aufmacht, die Autobahn aufzuräumen. Die meisten der Dinge kann man doch auch noch gebrauchen. Und sie muss es ja nicht ständig aufzählen, es sei denn, sie wäre der Meinung, dass plötzlich ein Fahrer denkt: „Oh, das wird wohl mein Sofa sein, egal, das nehme ich dann auf dem Rückweg wieder mit.“ Sie hat mir zurückgeschrieben, ich solle mich nicht aufregen, der Stau wegen der Personen auf der Fahrbahn hätte sich schon aufgelöst. Auf meiner Strecke kämen jetzt nur ein Kantholz und zwei Tannenbäume. Der eine läge kurz vor meiner Abfahrt, den könnte ich doch einladen, dann wäre der schon mal weg.
Ich habe nicht geantwortet. Was soll ich jetzt schon mit einem Tannenbaum? Aber ich wollte sie noch fragen, ob sie eigentlich weiß, wie lang so ein Kantholz ist und wozu man das gebrauchen könnte. Das mache ich noch. Und falls Sie einen Spanngurt brauchen, einfach mal die Augen offen halten.
Mit Grüßen aus einer Tagesbaustelle, Ihre Dora Heldt



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