Interview Wo Frauen das Sagen haben!

Der Argentinier Ricardo Coler besuchte die Mosuo, ein Volk in Südchina, wo Frauen das Sagen haben. Seine Erkenntnis: Männer sind dort überaus glücklich

Wo Frauen das Sagen haben! Wo Frauen das Sagen haben! © Susanne Güttler-Fotolia

Herr Coler, Sie haben Ihr Buch über Ihre Erlebnisse in einer matriarchalen Volksgruppe „Das Paradies ist weiblich“ genannt. Was finden Sie als Mann denn so paradiesisch an einer von Frauen beherrschten Gesellschaft?
Zuerst denkt man natürlich, dass es nur für die Frauen paradiesisch ist. Sie haben das Sagen, das Geld, den Besitz, die Kinder und bestimmen. Aber bei den Mosuo sind auch die Männer glücklich. Sie arbeiten kaum, können jeden Abend das Bett mit einer anderen Frau teilen, haben keine Verpflichtungen gegenüber den Kindern und wohnen ihr Leben lang bei ihrer Mutter.

Frauen & Männer
Leben ohne Schuhe

Wir haben weiter zu der einerseits schwierigen andererseits wunderschönen Männer-Frauen Beziehung geforscht:

Und das stört die Mütter nicht?
Die kennen das ja nicht anders.

Die Frauen haben zwar die Macht, müssen aber auch die ganze Arbeit machen? Das klingt für mich so, als sei es nur ein Paradies für Männer. 
Sie müssen das anders sehen. Ein Matriarchat ist nicht einfach das Gegenteil eines Patriarchats. Es ist komplett anders. Klar, die Frauen sind die Anführerinnen und haben den Besitz, Männer müssen um Geld bitten, sobald sie ins Café gehen wollen, und wenn eine Familie arm ist, wird eher die Tochter zur Schule geschickt als der Sohn. Dass die Frauen mehr arbeiten, liegt daran, dass sie glauben, dass Männer für viele Aufgaben einfach nicht geeignet sind. Also bedienen sie ihre Gäste selbst. Ich durfte nicht einmal beim Abwasch helfen.

Aber was machen die Männer denn den ganzen Tag?
Sie machen Musik und spielen Schach. Nur für die ganz harten, körperlich schweren Arbeiten werden sie herangezogen. Und um die wirklich wichtigen Entscheidungen zu treffen – sagen zumindest die Frauen. Zum Beispiel, ob man ein Haus baut.

Sie haben ja auch schon andere Matriarchate besucht. Wieso interessieren Sie sich als Mann überhaupt so sehr für weibliche Kulturen? Wenn ich das so genau wüsste. Tatsächlich habe ich ähnliche Gesellschaftsformen in Indien, Mexiko, Australien und Papua-Neuguinea besucht. Frauen sind für Männer ja irgendwie unverständlich – wahrscheinlich wollte ich deshalb herausfinden, wie die Geschlechter in einem völlig anderen System miteinander klarkommen.

 

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Autor:
Susanne Strätz