Kolumne Amelie Fried Wer putzt bei Amelie Fried

Wer ist eigentlich für die Hausarbeit zuständig? Manchmal verliert Amelie Fried den Überblick, wer alles so in ihrem Haushalt lebt.

Wäscheleine Wer putzt bei Amelie Fried © rep0rter - iStockphoto

Eigentlich besteht unsere Familie aus vier Personen: mein Mann, Sohn Leo, Tochter Paulina – und ich. Okay, den Kater habe ich vergessen. Obwohl er es tat sächlich schafft, allein ein ganzes Sofa zu besetzen, ist er keine Person. Nur eine Persönlichkeit.

In Wahrheit müssen aber mehr Leute im Haushalt leben, denn immer wieder höre ich meinen Mann oder die Kinder sagen: „Hier müsste man wirklich mal auf räumen.“ Oder: „Hier sollte mal jemand die Fenster putzen.“

Anfangs fühlte ich mich angesprochen und dachte, ich sei gemeint. Aber inzwischen habe ich beschlossen, dass Herr Man und Frau Jemand irgendwo im Haus leben und Aufträge entgegen nehmen. Wenn die Anforderungen an mich überhand nehmen und alle gleich zeitig irgendwas von mir wollen, delegiere ich schon mal ein paar Aufgaben. „Frag doch Herrn Man, ob er es macht.“ Oder: „Frau Jemand könnte auch mal wieder was tun!“

Ich kenne diese unsichtbaren Hausgeister schon aus meiner Kindheit. Da diese sich im Schwäbischen abspielte, hieß Herr Man bei uns „Mr“. „Mr müsst mol da Keller ausmischta“, schlug mein Vater vor. Und meine Mutter sah sich suchend um und meinte: „Wo isch er denn, der Mr?“ Und wenn wir Kinder unsere schmutzigen Teller stehen oder unsere Schulsachen in der Gegend herumliegen ließen, schimpfte meine Mutter: „Ja, was glaubt ihr denn, wer das aufräumt? Die Heinzelmännchen?“

Schnell lernten meine Brüder und ich, auf diese rhetorische Frage die passende Antwort zu geben: „Na klar, dafür sind sie doch da!“ Und dann rannten wir schnell weg, getrieben von einer Mischung aus Übermut und Angst, denn ganz sicher waren wir nicht, dass es diese Heinzelmännchen nicht doch gab und dass sie nicht irgendwann fürchterlich Rache an uns nehmen wür den für die viele Arbeit, die wir ihnen aufhalsten.

Als meine Kinder noch klein waren und das Chaos, das sie im Haus anrichteten, entsprechend groß, fielen mir eines Tages die Heinzelmännchen ein. Leo (damals fünf) hatte gerade eine Kiste Lego steine ausgeleert, und Paulina (zwei) räumte den Geschirrschrank aus. In meiner Verzweiflung rief ich: „Und wer soll das alles wieder aufräumen? Die Heinzelmännchen?“. Leo blickte mich mitleidig an und sagte: „Aber Mama, Heinzelmännchen gibt’s doch gar nicht.“ Verdammt! Ich hab’s geahnt!

 
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Amelie Fried